Geboren in Bietigheim-Bissingen, aufgewachsen in Löchgau, zur Identifikationsfigur geworden in Freiburg. Julian Schuster ist ehemaliger Kapitän, Co-Trainer und inzwischen Cheftrainer des SC Freiburg, dennoch hat er eine starke Heimatverbundenheit. „Familie, Heimat, meine komplette Jugend“ ist die Antwort von Schuster auf die Frage, was er zuerst mit Löchgau verbindet. Nicht verwunderlich, denn er hat schließlich seine Jugend dort verbracht. Beim FV Löchgau machte er seine ersten Schritte und durchlief alle Jugendteams. Und für seine alte Heimat hat er immer noch viel übrig. „Meine Kindheit in Löchgau zu verbringen, war ein riesengroßer Segen, das würde ich nicht gerne missen. Ich durfte von klein auf jede Jugendmannschaft durchlaufen und sogar noch in der ersten Mannschaft spielen, da bin ich groß geworden.“ Zudem führt er aus: „Viele schöne Erinnerungen auf und neben dem Platz. Auch neben dem Platz ist es einfach eine große Familie gewesen. Es sind Dinge, die mich bis heute einfach sehr geprägt haben“, so Schuster.
Fußball „Es sind Dinge, die mich geprägt haben“
Freiburgs Trainer Julian Schuster erzählt im Interview mit der BZ seinen Werdegang und seine Verbundenheit mit der Region.
Doppeleinsatz im WFV-Pokal
Von Löchgau weg ging es 2004 für Schuster zur Zweitvertretung des VfB, bei der er den Sprung bis in die erste Mannschaft schaffte und somit seine ersten von später vielen Minuten Bundesliga-Luft schnuppern durfte. Parallel sammelte er bereits seine ersten Erfahrungen als Trainer, da er neben seiner Haupttätigkeit als Jugendspieler die U19 des FV Löchgau trainierte. Dabei war mit beiden Vereinen klar kommuniziert, dass, wenn er die Zeit habe, die Mannschaft abends coacht. Problematisch wurde es für ihn jedoch, als sich seine beiden Tätigkeiten plötzlich überschnitten. Im WVF-Pokal-Viertelfinale 2006/2007 gewannen die Stuttgarter A-Junioren mit 3:2 gegen Kirchheim und der FVL mit 2:1 gegen Backnang, sodass es im Halbfinale zur Begegnung zwischen den beiden Schuster-Teams kam. „Der damalige Jugendleiter Frieder Schrof kam morgens nach dem Training und meinte zu mir: Julian, dass eins klar ist, am Abend stehst du nicht an der Seitenlinie. Ich konnte es aus seiner Sicht natürlich total nachvollziehen, aber ich hatte es wirklich geplant, mich an die Seitenlinie zu stellen“, erinnert sich Schuster. Letztlich sei er aber vernünftig geblieben und habe auf ihn gehört und das Spiel aus neutraler Sicht beobachtet.
Für den defensiven Mittelfeldspieler kam 2008 der Wechsel vom VfB zum SC Freiburg, wo er sich später nicht nur in die Startelf, sondern auch in die Herzen der Fans spielte. Mit Christian Streich, der Ende des Jahres 2011 Freiburg übernahm, prägte er eine gemeinsame Ära. 242 Spiele bestritt Schuster für die Breisgauer, zudem trug er ab der Saison 2010/2011 die Kapitänsbinde um den Arm. Nach seinem Karriereende übernahm er den Co-Trainer-Posten unter Christian Streich. 240 Spiele über sechs Jahre, von 2018 bis 2024, dirigierte er gemeinsam im Trainerteam, ehe Bundesligalegende Streich 2024 entschied, seinen Posten als Trainer zu räumen, woraufhin der gebürtige Bietigheimer die Stelle als Cheftrainer übernahm.
Der Blick geht fragend nach Hause
Und dort läuft es derzeit prächtig für den SCF. In seinem ersten Jahr als Cheftrainer führte der heute 40-Jährige die Breisgauer in die Europa League. Und auch in der laufenden Saison läuft es gut. Im europäischen Geschäft stehen die Badener nach fünf gespielten Spielen noch ungeschlagen auf Platz vier der Tabelle, im DFB-Pokal zog man gegen Darmstadt ins Viertelfinale ein, und in der Bundesligatabelle stehen sie auf Platz acht.
Auf die Frage, ob er noch Zeit findet, Spiele von Löchgau zu besuchen, muss er zwar eingestehen, dass er dafür derzeit als Trainer keine Zeit findet. Dennoch lasse er sich regelmäßig von seiner Familie, die weiterhin nicht unweit vom Löchgauer Sportplatz lebt, berichten, wie es läuft.
