Fußball International Vom Traumjob in Hoffenheim ins Abenteuer nach China

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Die vorübergehend neue Heimat des Löchgauers Dirk Mack: Jinan liegt am Gelben Fluss und an der Kreuzung der Bahnstrecke zwischen Peking und Shanghai. Dort leben 8,7 Millionen Einwohner. Foto: ⇥ Foto: Imago

Nachwuchsdirektor Dirk Mack hat die TSG 1899 Hoffenheim verlassen und ist im Profibereich des chinesischen Erstligisten Shandong Luneng in Jinan tätig.

Seine Tätigkeit als Nachwuchsdirektor beim Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim bezeichnet Dirk Mack als „Traumjob“. Den hat er aufgegeben und ist jetzt im Profibereich des chinesischen Erstligisten Shandong Luneng in der rund 8,7 Millionen Einwohner zählenden Stadt Jinan tätig, die rund eineinhalb Bahnstunden südöstlich von Peking entfernt liegt. Nach zehn Tagen an seinem neuen Arbeitsplatz ist er über das Wochenende daheim bei seiner Familie in Löchgau. Anfang nächster Woche reist der 51-Jährige nach Dubai. Dort bereitet sich Shandong Luneng auf die am 22./23. Februar beginnende Saison 2020 vor, die mit 14 Mannschaften bis Ende Oktober ausgetragen wird. Im Gespräch mit der BZ äußerte sich Mack zu folgenden Themen:

Kontaktaufnahme: „In den letzten Jahren war ich schon zweimal in China und habe Vorträge über die Talententwicklung am Beispiel der TSG 1899 Hoffenheim gehalten. Mein Vortrag vom 26. bis zum 29. Dezember 2019 war eine kurzfristige Geschichte. Danach hat mich der Verein angesprochen“, erzählt Mack. Die Verantwortlichen von Shandong Luneng suchten einen Experten, für ihren Profibereich. „Sie haben mir gesagt, ich soll nach meiner Ankunft in Frankfurt mein Handy einschalten, darauf würde ich ein Angebot finden“, so Mack.

„Dietmar Hopp und die Geschäftsführer der TSG Hoffenheim haben mir geraten, ich soll nochmals hinfliegen, mir alles anschauen und mich entscheiden“, berichtete der 51-Jährige, der sich dann entschloss, das attraktive Angebot anzunehmen und das chinesische Abenteuer anzugehen. Dankbar ist er, dass die TSG-Verantwortlichen ihn aus seinem langfristigen Vertrag entließen. Und was sagt die Familie? „Die hat zugestimmt. Die Kids brauchen in ihrem Alter den Vater nicht mehr jeden Tag. Es ist ja zeitlich befristet.“

Die Aufgaben: Beim Erstligisten Shandong Luneng, der in der Vorsaison Platz vier in der ersten chinesischen Liga belegt hat, gehört Mack zum Trainerteam der  Profimannschaft und ist eng an Chefcoach Li Xiaopeng dran. „Der Trainer wollte das. Anders hätte es auch keinen Sinn gemacht“, sagt Mack zur Zusammenarbeit mit dem ehemaligen chinesischen Nationalspieler und WM-Teilnehmer von 2002. „Sein Englisch ist besser als mein Chinesisch“, scherzte Mack. Neu im Trainerteam als Assistent dabei ist auch Paco Vaz, der bis Dezember 2019 den Oberligisten VfB Stuttgart II trainiert hat.

Mack soll Strukturen schaffen, inhaltliche und konzeptionelle Strategien entwickeln, den Videobereich ausbauen und die Profis generell auf ein anderes Level heben. Zunächst kümmert sich der Löchgauer ausschließlich um den Profibereich. Bekannteste Akteure sind der belgische Nationalspieler Marouane Fellaini und Graziano Pelle, der für Italien 20 Länderspiele absolviert hat. „Für chinesische Verhältnisse gibt es gute Spieler, da sind ein paar richtig gute Kicker drunter. Beim Durchsetzungsvermögen, der Robustheit im Zweikampf und im taktischen Bereich gibt es noch Luft nach oben“, charakterisiert Mack die Mannschaft. „Das ist eine große Herausforderung. Wir gehen aber kleine Schritte. Ich muss jetzt erst mal ankommen und mir einen Überblick verschaffen“, so Mack. Zwei Dinge hat er bereits festgestellt: „Die Verantwortlichen sind sehr offen und versuchen alles umzusetzen, was man empfiehlt. Und das Essen ist überragend.“

Die Voraussetzungen: „Die Infrastruktur sucht seinesgleichen. Die ist auf allerhöchstem Standard“, erzählt Mack vom riesigen Trainingszentrum am Rande der Stadt mit sechs Rasen- und einem Kunstrasenplatz sowie einem überdachten Spielfeld, mit Hallenbädern und einem Wohnkomplex für Spieler und Trainer.

Die Zeit in Hoffenheim: „Das war eine privilegierte Stelle in Deutschland mit der Infrastruktur und der personellen Ausstattung. Das war mir immer bewusst“, sagt Mack. Bei der TSG war er als Nachwuchsdirektor für sämtliche Jugendmannschaften bis zur U23 verantwortlich. „Die Zusammenarbeit mit Alexander Rosen (Direktor Profifußball, die Redaktion) war sehr eng und intensiv. Die Verzahnung mit den Profis war in den letzten zwei Jahren sehr gut. Wir haben den Hoffenheimer Weg intensiviert. Das lag auch an der Zusammenarbeit mit Rosen und den Profitrainern Julian Nagelsmann und Alfred Schreuder. Wir haben 20 Spieler aus der Akademie in den deutschen Profbereich gebracht. Das läuft super“, so Mack über seine Arbeit. Die wurde eng verfolgt und unterstützt von Dietmar Hopp, dem Mäzen und „Übervater“ der TSG 1899. Über ihn sagte Mack: „Die Nachwuchsarbeit ist sein Baby, das hat er immer gelebt. Er ist immer bestens informiert über die Akademie und die Ergebnisse der Jugendmannschaften und wollte wissen, wer an den Profibereich anklopft. Wir hatten ein überragendes Verhältnis. Das war von Anfang an sehr persönlich und vertrauensvoll.“

 
 
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