Beim DFB-Pokalspiel der ersten Runde zwischen der Spvgg 07 Ludwigsburg und Borussia Dortmund am 2. August 1975 sorgten 3000 Zuschauer im Jahnstadion für „eine super Stimmung“, erinnert sich Günter Wellm 50 Jahre danach. Der heute 72-jährige war damals als zweikampfstarker Defensivspieler Stammkraft bei 07, doch in der Halbzeit war für ihn wegen einer Verletzung Schluss. „Ich war topfit, hatte mich aber bei einem Freundschaftsspiel kurz zuvor in Asperg doof am Sprunggelenk verletzt. Gegen Dortmund habe ich es mit Tape am Fuß versucht, aber es ging dann leider nicht mehr. Ich konnte meine Fähigkeiten nicht umsetzen und der Mannschaft nicht helfen. Dabei hatte ich eine große Chance gesehen, mich Dortmund zu präsentieren“, erzählt Wellm, der ein Jahr zuvor von den Sportfreunden Schwäbisch Hall zu 07 gewechselt war. „Wir hatten keine schlechte Truppe, aber keine Chance.“
Fußball regional Mit heruntergezogenen Stutzen gegen die Borussia
Vor 50 Jahren spielte 07 Ludwigsburg im DFB-Pokal gegen Dortmund und verlor mit 0:6. Die ehemaligen Spieler Günter Wellm und Manfred Jung erinnern sich.
Europameister als Gegenspieler
Charakteristisch für Wellm, für den sich immer wieder Zweitligisten interessierten, waren in seiner aktiven Zeit heruntergezogenen Stutzen. „Die waren für mich mit meinen Waden und den Schienbeinschützern zu eng. Beim Einlaufen musste ich sie aber vorübergehend hochziehen“, erinnert er sich, und auch den Gegenspieler weiß er noch: Der hochdekorierte Mirko Votava. Zwei Mal wurde er deutscher Meister (1988 und 1993 mit Werder Bremen), ein Mal Europapokalsieger (1992 mit Werder Bremen), und später bestritt er fünf Länderspiele für Deutschland und wurde 1980 sogar Europameister. Zur Pause führte der damalige Zweitligist durch ein Elfmetertor von Lothar Huber mit 1:0, am Ende zogen die Westfalen mit einem 6:0 in die zweite Pokalrunde ein.
Für die Nullsiebener war es die zweite Teilnahme am DFB-Pokal, der durch die Einführung einer zweigleisigen Zweiten Bundesliga reformiert worden war. Die Landesverbände durften nicht nur ihre jeweiligen Pokalgewinner nominieren, sondern anteilig weitere Amateurmannschaften, sodass 128 Teams aus den ersten drei Ligen am Start waren. Schon 1974 nahmen die Ludwigsburger als württembergischer Pokalsieger nach einem 5:3-Sieg im Elfmeterschießen gegen den VfB Stuttgart II am Wettbewerb teil, schieden aber in Runde eins nach einem 2:2 und einer 1:3-Niederlage gegen den 1. FC Mülheim-Styrum aus. 1975 hatte die Spvgg Freudenstadt den WFV-Pokal gewonnen, aber auch 07 Ludwigsburg war als Zweiter der 1. Amateurliga Württemberg in der ersten DFB-Pokalrunde wieder dabei und zog mit Dortmund ein Glückslos. Bei der Borussia spielten neben Votava und anderen auch Torhüter Horst Bertram, Peter Geyer, Wolfgang Vöge und der zweifache Torschütze Gerd Kasperski.
Im 07-Team von Trainer Hans Arnold dabei waren der spätere langjährige Torwarttrainer des VfB Stuttgart, Jochen „Goalie“ Rücker, Rainer Eisenhardt, Volker Leibold und der spätere Bundesliga-Profi, Trainer und U21-Nationalcoach sowie das ehemalige VfB-Präsidiumsmitglied Rainer Adrion. Nicht mitspielen konnte der gerade vom TSV Asperg nach Ludwigsburg gewechselte Manfred Jung, bei dessen „Ablösespiel“ sich Wellm verletzt hatte. „Damals durften bei den Profis die Neuzugänge eingesetzt werden, bei den Amateuren noch nicht“, erzählt Jung von einer Regelung des DFB, die ihn als bekennenden Fan der Borussia hart getroffen hat.
Vorfall erregt Aufsehen
Mit Wehmut, so erinnert er sich, sei er bei der Einfahrt des Dortmunder Mannschaftsbusses auf dem Parkplatz hinter der Tribüne gestanden. Eine Boulevardzeitung titelte sogar „BVB-Fan darf gegen Borussia nicht spielen.“ Statt Pokaleinsatz gab es allerdings den Spitznamen „Neres“, den ihm Torwart Rücker in Anlehnung des bei der Borussia ebenfalls Libero spielenden Helmut Nerlinger verpasste, und der ihn fortan begleitete.
Die Saison 1975/76 beendete die Spvgg als Meister der 1. Amateurliga vor dem SV Germania Bietigheim und scheiterte in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga im Entscheidungsspiel am BSV 07 Schwenningen. Jung blieb bis 1980 bei 07, wechselte dann zum VfR Heilbronn und startete danach seine Trainerkarriere, die ihn an viele Stationen in der Region führte, darunter waren auch der FSV 08 Bietigheim-Bissingen, Germania Bietigheim und später die U19 des SGV Freiberg.
Wellm eine halbe Dekade dabei
Auch sein Ludwigsburger Teamkollege und Freund Wellm schlug ab 1982 die Trainerlaufbahn ein, war zunächst Spielertrainer in Rutesheim, später Coach neben anderen Vereinen bei der TSG Backnang, dem SGV Freiberg und knapp elf Jahre beim SV Freudental. Nach einem kurzen Abstecher zum Oberligisten SGV Freiberg hörte er 2011 auf. „Ich habe 50 Jahre lang Fußball gelebt“, sagt Wellm heute.
