Fußball-Regionalliga „Die Liga ist viel stärker“

Von Claus Pfitzer
Trickreich war Marco Kehl-Gomez schon immer. Nun zeigt er sein Können nicht mehr beim SGV Freiberg, sondern beim SV Sandhausen. Foto: /Eric Deißenroth/Imago

Die Regionalliga startet am Freitag in die neue Saison. Dieter Gerstung, Sportdirektor des SGV Heilbronn-Freiberg, erwartet ein enges Feld.

Mit dem Duell zwischen den schwäbischen Traditionsvereinen Stuttgarter Kickers und dem Drittliga-Absteiger SSV Ulm startet die Regionalliga Südwest publikumswirksam am Freitag (19 Uhr) in die neue Saison. Allein aus Ulm werden an die 3000 Zuschauer im Gazi-Stadion in Degerloch erwartet. Neben dem abgestürzten SSV Ulm nach seinem Höhenflug in die Zweite Liga sind auch die Aufsteiger Eintracht Frankfurt II, 1. FC Kaiserslautern II, VfR Aalen und VfR Mannheim neu im 18er-Feld dabei. Die Mannheimer feiern dabei ihre Premiere in der seit 2012 in dieser Form bestehenden Regionalliga.

Aufsteiger könnten mitmischen

„Die Liga ist viel stärker als in der Vorsaison. Ich weiß gar nicht, wer da absteigen soll“, sagt Sport-Geschäftsführer Dieter Gerstung vom Vize-Meister SGV Heilbronn-Freiberg. Seine Mannschaft zählt er am neuen Spielort im Frankenstadion nicht zum Kreis der Favoriten: „Wir wollen erst in Heilbronn ankommen.“ Mit dem SSV Ulm, dem SV Sandhausen und dem FC 08 Homburg nennt Gerstung seine heißesten Kandidaten auf die Meisterschaft, sieht dahinter aber noch etliche andere Mannschaften mit Chancen und Ambitionen und bezieht dabei auch die „starken Aufsteiger“ Aalen und Mannheim mit ein, die auch „unter den ersten fünf landen können.“ Bei einer Umfrage unter Spielern wurden neben Ulm, Sandhausen und Homburg auch die Stuttgarter Kickers häufiger genannt.

Der SSV Ulm hat nahezu den gesamten Kader ausgetauscht. Das Gerüst im Team von Trainer Florian Jungwirth, Meistertrainer mit der U17 des VfB Stuttgart, der im Profibereich Neuland betritt, bilden verbliebene Routiniers wie Dennis Chessa, Marcel Segert und Vereins-Ikone Johannes Reichert.

Jede Menge Erfahrung zugeführt hat der SV Sandhausen, wobei der Umbruch im Gegensatz zu vergangenen Jahren diesmal moderat ausgefallen ist. Mit dem langjährigen Freiberger Kapitän Marco Kehl-Gomez und den Offensivspielern Stefan Maderer (Lok Leipzig) und Mert Tasdelen (SG Sonnenhof Großaspach), die mit ihren bisherigen Klubs in den die Regionalliga-Staffeln Nordost und Südwest Meister geworden sind, sowie Felix Lohkemper (Waldhof Mannheim), dazu dem Oberliga-Toptorjäger Tasso Leonidis (FC Nöttingen) kam jede Menge Qualität an den Hardtwald.

Waldau-Elf mit neuem Trainer

Der FC Homburg muss zwar den Abgang von Markus Mendler (Karriereende) und Torjäger Kaan Inanoglou (Dynamo Dresden) verkraften, hat aber vor allem in der Offensive mit dem Ex-Freiberger Emir Kuhinja (Bulgarien), Julian Günther-Schmidt (Erzgebirge Aue), Birkan Celik (FSV Frankfurt), Jacob Roden (TSV Schott Mainz) und Marc Ehrhardt (FK Pirmasens) hochkarätig nachgelegt. Die Stuttgarter Kickers setzen auf den neuen Coach Holger Bachthaler (FV Illertissen). Sie müssen zwar auf Unterschiedsspieler wie David Tomic, Per Lockl und Marlon Faß verzichten, haben aber vor allem für den Angriff in Dejan Bozic (Chemnitzer FC) und Yannick Glessing (Illertissen) zwei erfahrene und treffsichere Neuzugänge nach Degerloch geholt. Dazu haben sie mit Luca Trslic (1. FC Schweinfurt) einen drittligaerfahrenen Abwehrchef.

Nicht zu den Favoriten zählen seit Jahren die Offenbacher Kickers, die eine strukturelle Neuausrichtung vorgenommen haben und vermehrt auf junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs und der Umgebung setzen wollen. Beim KSV Hessen Kassel fand ein Wechsel vor allem in der Altersstruktur statt, ehemalige Profis wie Lukas Rupp und Yannick Stark verließen den KSV, dafür kamen vorwiegend aus unteren Ligen jüngere Kräfte. Groß war der Wechsel naturgemäß beim SC Freiburg II, bei dem gleich acht Akteure aus der U19 aufgerückt sind, als Leitwolf fungiert nach 326 Bundesligaspielen für den SCF Nicolas Höfler. Gute Chancen auf einen Platz im oberen Tabellendrittel hat der FSV Frankfurt unter dem neuen Trainer Victor Kleinhenz, der am Bornheimer Hang den langjährigen Coach Tim Görner abgelöst hat. Der FSV hat gleich mehrere Spieler aus der Regionalliga Bayern verpflichtet, aber auch Leistungsträger wie Takero Ito, Ben-Luca Fisher, Birkan Celik oder Amin Farouk verloren.

Beachtliche Aufsteiger-Transfers

Jede Menge Qualität verpflichtet hat der souveräne Oberligameister VfR Aalen: Michael Kleinschrodt (Sonnenhof Großaspach), Lasse Jürgensen (FV Illertissen), Gianluca Gaudino (Alemannia Aachen), Sean Seitz (Eintracht Trier), Tom Barth (Fortuna Düsseldorf II) und David Grözinger (Lok Leipzig) sind potenzielle Stammkräfte, die den Ostalb-Klub ebenfalls zu einem Anwärter auf einen Platz ganz weit oben in der Tabelle machen. Auch Mitaufsteiger VfR Mannheim, der allerdings einige bisherige Stammkräfte abgegeben hat, verpflichtete viel Qualität. Gekommen sind Lukas Rupp (Kassel), Flamur Berisha (Stuttgarter Kickers),Vincent Moreno-Giesel (Offenbach), Nolhan Assafoua (FC Paris B) und Mart Ristl (FC 08 Homburg).

 
 
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