Gleich mehrfach fehlen Rot-Weiß Essen nur Zentimeter, um sich den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga zu sichern. Im Relegations-Rückspiel gegen die Spvgg Greuther Fürth spielen sich in der Schlussphase schier irrwitzige Szenen ab. Nachdem RWE das Hinspiel mit 1:0 gewann, die Kleeblätter allerdings im Rückspiel kurz nach der Pause bereits mit 2:0 führen, sind die Männer vom Stadion an der Hafenstraße zum Handeln gezwungen. Und Handeln tun die Männer von Trainer Uwe Koschinat, das Glück bleibt ihnen jedoch verwehrt:
Fußball-Relegation Reisigs Traum der 2. Liga muss warten
Ruben Reisig spielte von 2022 bis 2024 beim SGV Freiberg und wechselte über die TSG 1899 Hoffenheim II im Winter zu Rot-Weiß Essen. Dort verpasste er knapp den Aufstieg aus der 3. Liga.
Ex-Freiberger muss den Chancenwucher mit ansehen
Jaka Potocnik erzielt in der 68. Minute den vermeintlichen Anschlusstreffer, der die Partie in die Verlängerung geschickt hätte. Der wird allerdings wegen einer hauchzarten Abseitsstellung zurückgenommen. Schon in Durchgang eins wurde ein Tor – da allerdings wegen eines deutlichen Vergehens – einkassiert. Neun Minuten vor Schluss setzt Jannik Hofmann dann einen Kopfball an den Pfosten. Der Abpraller landet direkt bei Torben Müsel, der nur noch in das leere Tor einschieben muss. Doch anstatt mit dem linken Fuß die Kugel aus fünf Metern über die Linie zu drücken, entscheidet sich der 26-Jährige dazu, zum Flugkopfball auf Höhe der Grasnabe anzusetzen. So bekommt Müsel nicht genug Druck hinter den Ball und nickt ihn direkt in die Arme des zurückhechtenden Fürth-Keepers Silas Prüfrock. Auch Kaito Mizuta hat kein Glück bei seinem Abschluss aus kurzer Distanz und verzieht um Haaresbreite.
Mittendrin in dieser Aufruhr ist auch Ruben Reisig. Der frühere Mittelfeldmann des SGV Freiberg wird in der 61. Minute für die Essener eingewechselt und bekommt das Drama aus nächster Nähe mit: „Das ist natürlich bitter zu sehen. In erster Linie sind wir selbst Schuld, weil die Entscheidungsfindung jedes Mal nicht optimal war. Man hatte oft zwei Optionen und hat die falsche genommen“, bemängelt der 30-Jährige mit etwas Abstand zur Partie vom Dienstagabend.
Keine zu frühen Feierlichkeiten der Essener
Dennoch war der gesamten Mannschaft nach dem Hinspielergebnis klar, dass der Job noch nicht zu Ende ist. „Wir waren uns schon im Klaren, dass es mit dem einen Spiel nicht getan ist. Sonst nach den Spielen haben wir Musik in der Kabine angemacht. Aber dadurch, dass es noch nicht durch war, haben wir nach dem Hinspiel gar nicht gefeiert. Die Musik blieb in der Kabine aus.“
So ist der Aufstiegstraum nun geplatzt, Reisigs Ziel ist dennoch, auch mit über 30 Jahren noch erstmals den Schritt in Liga zwei zu schaffen: „Ich gebe mich da nicht auf, ich schaue, dass es so hoch wie möglich geht. Und wenn es mit 31, 32 oder 33 noch in die zweite Liga geht, dann ist es so. Diese Saison wäre mein Plan ja fast aufgegangen.“ Denn erst im Winter kam Reisig nach Essen und wechselte von Liga-Konkurrent Hoffenheim II an die Hafenstraße. Der richtige Schritt, wie er nun klarmacht. „Ich fand, der Schritt war passend. Ich bin zu einem guten Traditionsverein gekommen, der sehr viel Wucht hat und eine sehr große Kulisse hat“, erklärt Reisig, der einen Seitenhieb an seinen alten Klub verteilt: „So etwas gibt es in Hoffenheim nicht.“
Vertrag an der Hafenstraße läuft noch
Auch in der nächsten Saison wird Reisig wohl weiterhin bei RWE als Sechser spielen, er hat noch einen laufenden Vertrag für die Spielzeit 2026/27. Im nächsten Herbst wäre es beinahe zum Wiedersehen mit seinem alten Klub gekommen. Der SGV Freiberg, für den der Deutsch-Ghanaer von 2022 bis 2024 auflief, verpasste den Aufstieg in die 3. Liga knapp und wurde Zweiter in der Regionalliga Süd-West. Die Reise der Wasen-Elf hat Reisig über die Saison hinweg weiter verfolgt. „Ich hab immer einen Blick zu meinen alten Teams. Zu den Stuttgarter Kickers, manchmal sogar bis nach Reutlingen und natürlich auch nach Freiberg.“
Denn zum SGV hat er eine noch tiefere Verbindung: Mit Trainer Kushtrim Lushtaku spielte Reisig noch 2017/18 gemeinsam beim 1. CfR Pforzheim in der Oberliga. „Ich hätte es ihnen gegönnt, hochzugehen“, so Reisig, der sich gerne an die alte Zeit am Wasen zurückerinnert: „Wir waren ein geiles Team. Die Kabinenstimmung ist mir besonders im Kopf geblieben. Die Jungs waren super, mit Marco Kehl-Gomez, Yannick Osée oder Filimon Gerezgiher waren schon viele dabei, mit denen ich bis heute in gutem Kontakt stehe.“
Reisigs Debüt-Tor wird zum Traum-Tor
Sportlich hat der Zentrale Mittelfeldmann das erste seiner insgesamt sieben SGV-Tore besonders im Kopf. Im November 2022 beim Heimspiel gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz bekam Reisig einen hohen Ball in den gegnerischen Sechzehner gespielt. Geistesgegenwärtig drehte er sich ein und lupfte den Ball mit dem ersten Kontakt per Hacke über den gegnerischen Keeper. Diesen Treffer, der auf für das Tor des Monats bei der Sportschau nominiert war aber am Ende nicht gewann, vergesse Reisig nicht so schnell.
