Fußball-Weltmeisterschaft Die WM-Tipps der lokalen Fußballer

Von Niklas Braiger
Die Straßen sind bereits mit Flaggen für die Weltmeisterschaft geschmückt. Das Turnier findet in Mexiko, Kanada und den USA statt, doch auch in Deutschland ist die Euphorie angekommen. Foto: snowfieldphotography/iamgo

Wer gewinnt die Weltmeisterschaft, wie läuft es für Deutschland und welche Teams könnten überraschen? Trainer und Spieler prognostizieren das große Turnier.

Dreieinhalb Jahre Wartezeit haben ein Ende. 1271 Tage sind seit dem Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zwischen Argentinien und Frankreich bis zum Start der Auflage in 2026 vergangen. Wenn an diesem Donnerstagabend um 21 Uhr deutscher Zeit Mexiko und Südafrika in der Neuauflage des Eröffnungsspiels 2010 den Startschuss für die WM geben, folgt mehr als ein Monat der täglichen Fußball-Action in den USA, Mexiko und Kanada. Auch die lokalen Fußballer und Trainer sind bereits heiß auf das Großevent und haben ganz persönliche Favoriten auf die Trophäe.

So etwa Daniel Zmpitas. Der Coach des Oberliga-Absteigers FSV 08 Bietigheim-Bissingen genießt die Sommerpause aktuell in den Staaten. „Natürlich spürt man hier vor Ort das WM-Fieber, insbesondere in Miami werden aktuell riesige Public-Viewing Bereiche aufgebaut“, erzählt er. Allerdings wird der Trainer die Spiele nicht live vor Ort oder sogar in den Arenen verfolgen. „Wir machen ab Donnerstag eine Kreuzfahrt auf die Bahamas. Vom Schiff aus werde ich aber das ein oder andere Spiel anschauen können“, berichtet Zmpitas aus dem Urlaub.

Langs Euphorie noch mäßig

Sein Trainerkollege Markus Lang, der selbst von 2020 bis 2023 die Nullachter coachte und aktuell beim FV Löchgau an der Seitenlinie steht, ist noch nicht wirklich in WM-Stimmung. „Tatsächlich ist die Euphorie noch nicht so wirklich da. Klar, wenn Deutschland spielt, dann wird das noch mal was anderes. Aber vielleicht liegt das gerade auch an unserer Situation“, erklärt er. Denn mit dem FVL hatte Lang noch keine Zeit, die Sommerpause zu genießen. Für sein Team ging es in die Relegation, in der der FVL am Mittwochabend scheiterte (siehe Seite 22).

Zeitgleich zum Saisonabschluss mit der Mannschaft läuft allerdings eines der drei deutschen Vorrunden-Spiele. Das wird sich der FVL gemeinsam als Team anschauen, innerhalb der Mannschaft gibt es auch ein Tipp-Spiel an dem der Trainer allerdings nicht teilnimmt. Mit einer einfachen Begründung: „Ich bin in ein, zwei anderweitigen Tipprunden. Aber normalerweise bin ich darin nicht so gut.“ Ansonsten werden die Spieler und Coach Lang allerdings separat die Weltmeisterschaft verfolgen. Vielleicht entzündet sich dann ja ein Funken beim 50-Jährigen, der allerdings nicht sonderlich an die deutschen Weltmeister-Träume glaubt. „Ich bin oftmals optimistisch, aber mir waren die Ergebnisse der Deutschen zu schwankend, als dass ich sagen würde, sie wären im Favoritenkreis.“

Als jene sieht Lang gleich fünf Mannschaften: Argentinien, Brasilien, England, Frankreich und Spanien. „Das sind alles Mannschaften, die hervorragende Spieler und Teams haben“, macht Lang deutlich. Zudem sieht er Österreich als einen heißen Außenseiter-Tipp. „Ich finde, sie haben es unter Trainer Ralf Rangnick gut gemacht. Ich bin gespannt, ob sie auch ein gutes Turnier spielen können.“

Zmpitas setzt auf Norwegen

Als Außenseitertipp sieht Zmpitas derweil die Norweger vorne. Mit Erling Haaland, Martin Ødegaard oder Alexander Sørloth haben die Skandinavier ein offensivstarkes Team beisammen. Erstmals seit 1998 sind sie wieder bei einer WM dabei, mit Frankreich, Senegal und dem Irak haben sie wahrlich keine leichte Gruppe, Zmpitas traut ihnen dennoch einiges zu. Deswegen macht er klar: „Norwegen ist mein persönlicher Geheimfavorit.“ Aber: „Auch den Niederlanden traue ich mehr zu als zuletzt.“

Der Weltmeister-Tipp des 33-Jährigen geht derweil mit der Masse. Der Trainer erwartet das Endspiel zwischen Frankreich und Spanien. Das ist allerdings nur möglich, wenn eines der beiden Länder nicht auf Platz eins der eigenen Gruppe abschließt. Sollten die Franzosen in der bereits erwähnten harten Gruppe nur Zweiter werden, könnte es das Finale geben. Wenn beide Teams Gruppensieger werden, käme es bereits im Halbfinale zum direkten Duell.

Deutschland sieht Zmpitas nicht als Titelkandidaten – zumindest noch nicht. „Es gibt aktuell Nationen mit deutlich besserer individueller Qualität im Kader, was allerdings in einem Turnier nicht immer entscheidend ist, siehe 2014“, macht er deutlich und spielt auf den Weltmeistertitel der DFB-Elf in Brasilien an. Der Start in das Turnier sei wichtig, die deutsche Mannschaft müsse sich sofort in die Herzen der Nation spielen und eine Euphorie auslösen.

Zwiegespaltener Bradara

Gleich drei Herzen in einer Brust schlagen derweil bei Tino Bradara. Der Außenverteidiger des Regionalliga-Zweitplatzierten SGV Freiberg jubelt als Kroate natürlich für die Mannschaft rund um Bundesliga-Stürmer Andrej Kramaric. „Ich habe von klein auf die Spieler dort verfolgt. Ich wurde so erzogen, das bleibt im Blut“, erklärt der 28-Jährige, der aber zudem noch für zwei weitere Länder mitfiebert. „Ich hoffe, dass Bosnien und Deutschland weit kommen. Am liebsten hätte ich, dass Platz eins bis drei von diesen drei Ländern vertreten werden“, liebäugelt Bradara, würde aber im Falle eines direkten Duells für die Männer vom Balkan die Daumen drücken.

Bei den Bosniern hofft er „auf das Underdog-Gen“. Das Team, das mit Bundesliga-Legionären um Ermedin Demirovic (VfB Stuttgart) und Edin Dzeko (FC Schalke 04) gut besetzt ist, hat zwar mit Katar, der Schweiz und Gastgeber Kanada gute Chancen auf ein Weiterkommen, könnte aber bereits früh auf Top-Teams wie die Niederlande oder die Türkei treffen. Letzteren traut Bradara zu, unter dem Radar zu fliegen. „Ich sehe die Türkei als Überraschungsmannschaft“, prognostiziert er. Als Fußball-Liebhaber weilt der Flügelverteidiger aktuell im Sommerurlaub, wird von dort aus allerdings so viele Spiele wie nur möglich verfolgen: „Das ist perfekt zum Schlafengehen“, erklärt er im Hinblick auf die Anstoßzeiten. Denn regelmäßig starten Spiele zu deutscher Zeit mitten in der Nacht, von 2 bis 4 Uhr. „Wir sind ja noch in der Sommerpause, da geht das“, witzelt Bradara.

Anders sieht das Alexander Preibisch. Der Angreifer der Bietigheim Steelers, der sich nach der Eishockey-Saison beim SKV Erligheim in der Kreisliga B fit hält, macht deutlich: „Die Spiele, die von der Uhrzeit her noch angenehm sind, oder Spiele um 0 Uhr, die ein Knaller sind, werde ich noch schauen. Aber bis um 4 Uhr werde ich nicht wachbleiben.“ Dennoch ist er großer Fan der großen Turniere, bemängelt aber: „Dadurch, dass die WM dieses Jahr so groß ist, so viele Mannschaften mitspielen und die Anstoßzeiten nicht ideal sind, wird man nicht jedes Spiel sehen können.

Preibisch erwartet hartes Klima

Der Publikumsliebling des SCB, der normalerweise in der Eishalle unterwegs ist, befürchtet, dass besonders den europäischen Teams das Klima auf der anderen Seite der Welt zu schaffen machen könnte: „Bei 30, 40 Grad kann alles passieren. Ich habe das Gefühl, dass die afrikanischen und südamerikanischen Mannschaften bei dieser WM eine Rolle spielen könnten, da sie das Wetter gewohnt sind.“ So sieht Preibisch die Marokkaner als Geheimfavorit auf ein gutes Turnier. Die „Löwen vom Atlas“ hatten es bereits 2022 geschafft, als erstes afrikanisches Team in ein Halbfinale einer Weltmeisterschaft einzuziehen, scheiterten dort allerdings an Frankreich. Die sieht Preibisch als einen der größten Kandidaten auf den Titel, seine Prognose für den neuen Weltmeister lautet jedoch: „Spanien.“

 
 
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