Gedenkaktion in Ludwigsburg Ein Baum, der Sternenkinder sichtbar macht

Von Bigna Fink
Katrin Lasinski am Erinnerungsbaum für Sternenkinder in Ludwigsburg. Foto:  

Bis 20. Dezember steht erstmals in der Stadt ein Weihnachtsbaum, der an früh verstorbene Babys erinnert. Am Rathaus wird am Sonntag mit Kerzenlicht an verstorbene Kinder gedacht.

Eine junge Mutter ist an diesem Nachmittag mit ihrem kleinen Sohn an den neu gestalteten Arsenalplatz gekommen, wo Stände für Speisen, Getränke und zum Naschen, eine Bimmelbahn und ein Karussell weihnachtliche Stimmung verbreiten. Als sie den geschmückten Tannenbaum und das Infoschild daneben entdeckt, nimmt die Ludwigsburgerin einen Holzanhänger aus der Kiste unter dem Baum und schreibt zwei Daten darauf – die beiden Tage, an denen sie Fehlgeburten jeweils in der sechsten Schwangerschaftswoche erlitt.

„Jede dritte Familie ist betroffen“

Seit dem 6. Dezember gibt es erstmals den Erinnerungsbaum in Ludwigsburg für Sternenkinder, also Babys, die vor, während oder nach der Geburt gestorben sind. Organisiert haben die Aktion drei Frauen – Katrin Lasinski, die Stuttgarter Hebamme Katrin Neher und die Trauerbegleiterin Cornelia Reiser-Neudeck aus Freiberg. „Mit dem personalisierten Baumschmuck machen wir die verstorbenen Kinder sichtbar – still und liebevoll“, heißt es auf dem Infoschild.

„In der Weihnachtszeit ist es für Eltern oft besonders traurig, wenn ihre verstorbenen Kinder ungesehen bleiben“, weiß Katrin Lasinski, „sie sind ein Teil der Familie.“ Mit ihrer Initiative Wolkenband begleitet sie Selbsthilfegruppen für Sternenkindeltern. „Kindsverluste erlebt im Schnitt jede dritte Familie“, erzählt die 35-Jährige.

Vor acht Jahren starben ihre Zwillinge Liam und Noel in der 33. Schwangerschaftswoche. Nach der stillen Geburt 2017 hat Katrin zwei weitere Söhne lebend und gesund zur Welt gebracht, Lino und Marlo, mittlerweile sieben und vier Jahre alt. Lino kam am selben Tag wie die Zwillinge zur Welt, „unser Regenbogenkind“.

Mit Namen und Bildern erinnern

Die Winteraktion , die es mittlerweile in vielen Kommunen in Deutschland gibt, fand 2024 zum ersten Mal in Stuttgart beim Fernsehturm statt, laut der Ingersheimerin „mit großem Zuspruch betroffener Familien“. Erstmals steht nun auch in Ludwigsburg und in Heilbronn jeweils ein Erinnerungsbaum. „Beide Städte unterstützen die Initiative, Heilbronn hat den Baum sogar gespendet“, ist Katrin Lasinski dankbar. Menschen bleiben immer wieder an der Tanne mit dem besonderen Schmuck stehen: Bunte Kugeln und Anhänger mit Namen von verstorbenen Kindern wie „Milo“ und „Annabell“ auch Fotos, etwa von einem Händchen, das Gänseblümchen hält.

Steffi, die Mutter aus Ludwigsburg, die den von ihr beschrifteten Anhänger am Baum aufgehängt hat, findet die Aktion „toll, ich werde es gleich meiner Freundin erzählen, die auch ein Kind verloren hat.“ Noch bis zum 20. Dezember steht der Erinnerungsbaum in Ludwigsburg. Baumschmuck für die Sternenkinder kann mitgebracht oder vor Ort gestaltet werden.

Die Initiatorinnen des Erinnerungsbaumes suchen noch eine Familie oder eine Organisation, der sie den Baum nach dem Abbau am 20. Dezember spenden können.

Weltweites Gedenken am Sonntag

Am Sonntag, 14. Dezember, am „World Wide Candle Lighting“, werden weltweit Kerzen für verstorbene Kinder angezündet und ans Fenster gestellt.  

Das Netzwerk Sternenkindeltern Ludwigsburg lädt an diesem Tag alle Menschen, die um ein Kind trauern, ein, am Rathausplatz mit Wort, Musik und einer windgeschützten Kerze gemeinsam ihrer Kinder zu gedenken.

 
 
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