Gemeinde will Klimaschutz vorantreiben Tamm baut ein eigenes Wärmenetz

Von Claudia Mocek
Rund 6000 Einwohner sollen künftig an das gemeindeeigene Wärmenetz angeschlossen werden können.⇥ Foto:                                

Im nächsten Jahr werden die Rohre zunächst über 1,5 Kilometer verlegt, später soll das Netz erweitert werden. Die Bürger erhalten ein Angebot für einen Anschluss.

Mit einem etwa 1,5 Kilometer langen „Rückgrat der Wärmeversorgung“ will Tamm zunächst vom Schulzentrum über das Rathaus bis zur Feuerwehr ein Wärmenetz bauen.  Dieses soll mittelfristig ausgeweitet werden, so dass alle rund 6000 Einwohner westlich der Bahnstrecke zentral und mit einem Mix aus erneuerbarer Wärmeenergie versorgt werden können. „Wir wollen jetzt die Weichen stellen“, sagte Bürgermeister Martin Bernhard gestern bei einem Pressegespräch zusammen mit der Ludwigsburger Energieagentur LEA. Im September kam die Förderzusage des Landes über 1,2 Millionen der beantragten 1,5 Millionen Euro aus Mitteln der Europäischen Union. Die Herausforderung für Tamm: Bis Ende 2022 müssen die Leitungen verlegt sein.

Angebot für Eigentümer

Neben den kommunalen Gebäuden, die entlang des Rückgrats liegen, sollen auch die zunächst rund 120 privaten Gebäude ein Angebot für einen Anschluss erhalten. „In den nächsten Jahren möchten wir allen Gebäuden westlich der Bahnlinie ein Angebot für eine klimaneutrale Wärmeversorgung machen“, erläutert Bernhard die schon angedachte Erweiterung des Rückgrats. Am 9. Dezember will er das Vorhaben um 19 Uhr den Bürgerinnen und Bürgern digital vorstellen, weitere Veranstaltungen sollen folgen.

Ein Anschluss an das Wärmenetz bedeute für sie, dass die bestehende Öl- oder Gasheizung durch eine Wärmeübergabestation ersetzt wird. Heizungsräume und Öllagerräume könnten dann anderweitig genutzt werden. Für den Anschluss zahlt der Bund bis zu 45 Prozent Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Wer ab 2025 eine neue Heizung benötigt, müsse diese laut Koalitionsvertrag zu 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betreiben, erläuterte LEA-Projektleiter Raphael Gruseck. Über solche gesetzlichen Vorgaben müssten sich die Eigentümer dann keine Gedanken mehr machen, die sich an dem Projekten beteiligen würden.

Zu Beginn soll das Wärmenetz noch mit den bestehenden Heizungsanlagen im Schulzentrum und im Rathaus versorgt werden, die zurzeit noch mit Gas betrieben werden. Ein Blockheizkraftwerk sorge für eine effiziente Erzeugung von Wärme und Strom. Aber auch der Ausstieg aus der Gasversorgung werde kommen, ist sich Gruseck sicher.

Das Tammer Netz könne bereits in den nächsten Jahren über den Anschluss von Erneuerbaren Wärmeerzeugern auf eine Versorgung mit Erneuerbaren Energien umgestellt werden. Dann könnte es zum Beispiel mit der Biogasanlage in Markgröningen verbunden werden oder mit einer Geothermie- oder Solarthermie-Anlage. Über Wärmespeicher, für die keine großen Landschaftseingriffe nötig seien, könnte die Wärmeerzeugung optimal während des ganzen Jahres genutzt werden. „Tamm hat dann alle Möglichkeiten“, lobte LEA-Geschäftsführer Anselm Laube den Mut der Gemeinde, mit dem Rückgrat zu starten, aber schon weiter zu denken.

„Der Gemeinderat steht hinter dem Projekt“, sagte Bürgermeister Bernhard. Der Tiefbau für das Rückgrat werde bereits geplant, voraussichtlich im März sollen die Arbeiten starten. Nur die Baufirma fehle noch. Als „schlanker Wärmeversorger“ und Betreiber des Netzes werde die Gemeinde fungieren, vermutlich in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. „Ich wäre froh, wenn im ersten Schritt 40 Prozent der Eigentümer mitmachen würde“, wünschte sich Bürgermeister Bernhard.

Weitere Infos: https://tamm.org. Fragen  beantwortet auch die Energieagentur im Kreis Ludwigsburg (LEA), unter $(LEmailto:waermewende-tamm@lea-lb.de:waermewende-tamm@lea-lb.de)$ oder der Hotline (07141) 68893-027.

 
 
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