Nachträge bei Bauvorhaben kommen ab und zu vor. Und sie werden dann in der Regel mit der Bauherrschaft abgestimmt und abgesegnet. Nicht so beim Umbau und der Erweiterung von Bau II im Schulzentrum. Mit acht zu sieben Stimmen wurde ein Nachtragsgesuch des Trockenbauers im Gemeinderat abgelehnt.
Gemeinderat Bönnigheim Ein möglicher Rechtsstreit droht
Ein Nachtragsgesuch des Trockenbauers für die Erneuerung von Bau II des Schulzentrums wurde im Gemeinderat abgelehnt.
Die Emotionen im Gemeinderat kochten hoch
Was steckt dahinter? Die Trockenbaufirma Ilibasic aus Heilbronn wurde im Mai vergangenen Jahres beauftragt, für rund 460.000 Euro Arbeiten an Bau II auszuführen. Der Auftrag lag damit deutlich günstiger als zuvor von den Architekten Hermann und Bosch mit gut 646.000 Euro ermittelt.
Das dicke Ende kam jedoch: Vier Nachträge mit insgesamt knapp 185.000 Euro forderte die Trockenbaufirma. Ein Nachtrag in Höhe von gut 18.000 Euro wurde zurückgewiesen. Zwei Nachträge in Höhe von knapp 30.000 und 20.000 Euro genehmigte Bürgermeister Albrecht Dautel in eigener Zuständigkeit. Doch der große Brocken mit gut 92.000 Euro landete nun nach Prüfung durch das Planungsbüro im Gemeinderat. Und dort kochten die Emotionen hoch.
Trotz der Erläuterungen von Architektin Irene Bidlingmaier, dass der Mehraufwand in der Ausführung im Wesentlichen auf Materialänderungen, anderen Anforderungen in Bezug auf Feuchteschutz, Änderungen der Anschlussdetails mit Brandschutzanforderungen durch Konstruktionen des Herstellers und Brandschutzertüchtigungen sowie zusätzliche Beplankungen von Türlaibungen und Stützen durch die Umplanung der Türkonstruktion zu erklären seien und dass die Gesamtkosten mit stark 600.000 Euro immer noch unter dem Kostenvoranschlag lägen, hagelte es harsche Kritik.
„Suspekt“ nannte Gemeinderätin Christa Häußer (FWV/CDU) das Vorgehen des Planungsbüros. Mit der Ausschreibung sei man ins Risiko gegangen und die Stadt solle es nun bezahlen. Von einem renommierten Büro dürfe man doch eine richtige Ausschreibung erwarten. „Es ist einfach schwach, was Sie hier abgeliefert haben“, sagte sie an Bidlingmaier gewandt.
Ihr Fraktionskollege Jannik Joos zeigte sich entsetzt, dass die Arbeiten bereits ausgeführt worden seien. „Warum wurde das nicht vorher mit uns besprochen?“, fragte er. Bidlingmaier sagte zu, es in Zukunft besser zu machen. Bürgermeister Albrecht Dautel nahm die Architektin in Schutz: Die Nachträge seien dem Gemeinderat angekündigt gewesen und hätten halt zunächst geprüft werden müssen. Joos kritisierte weiter das Vorgehen rund um den Estrich, bei dem Randstreifen für Installationskanäle ausgespart werden müssen und das wieder Mehrkosten verursache. Tilo und Ulrike Staudenrausch (ABö) schlossen sich der Kritik am Planungsbüro an und Gemeinderat Hans-Martin Jäger (UWG) fand das Vorgehen ebenfalls schlecht: Warum habe das Büro nicht „alternativ“ ausgeschrieben und rechtzeitig informiert? „Das Gremium ist sehr enttäuscht“, betonte er.
Der zeitliche Ablauf sei nicht optimal gelaufen, grätschte Bürgermeister Albrecht Dautel ein. Doch nicht alles sei bei einem Umbau vorhersehbar. Die Maßnahmen seien sinnvoll und nachhaltig. Der gemeinsame Weg solle weitergegangen werden, so der Rathauschef. Doch das reichte Jäger nicht aus: Die Planer sollten wissen, was zulässig ist und was nicht eingebaut werden darf. Daher solle dies zunächst geklärt werden, so seine Forderung.
Folge: Verzögerungen bei der Fertigstellung
Wenn der Gemeinderat seine Zustimmung zum Nachtrag verweigere, könne es auf der Baustelle zu weiteren Verzögerungen kommen. Bereits jetzt ist die Fertigstellung auf den April 2027 gerutscht. „Die Baustelle einzustellen macht keinen Sinn“, sagte Gemeinderat Michael Gerdes (UWG). Seine Kollegin Renate Opiolla (SPD) hingegen fand, das sei so nicht tragbar. Tilo Rommler (FWV/CDU) und sein Fraktionskollege Jannik Joos kritisierten Verzögerungen und die noch nicht fertig gestellte Fassade.
Als Ausfluss der Unzufriedenheit kam es dann zum unerwarteten Abstimmungsergebnis: Der Nachtrag wurde mit acht zu sieben Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Die Folgen? Ein möglicher Rechtsstreit und weitere Verzögerungen im Bauablauf.
