Gemeinderat Bönnigheim Stromversorgung nicht in akuter Gefahr

Von Birgit Riecker
Laut Netze BW besteht in Bönnigheim kein Grund zur Sorge vor Versorgungsengpässen beim Strom Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Die Energieversorgung ist seit des Ukraine-Kriegs in aller Munde. Wie sieht es beim Strom aus? Netze BW gibt im Gemeinderat Bönnigheim Entwarnung.

Kevin Schlund, Regionalmanager Verteilnetze, und Kommunalberater Jakob Huber, informierten den Gemeinderat Bönnigheim über die Situation der Energieversorgung aus Sicht ihres Arbeitgebers, der Netze BW.

.„Die Cyberangriffe haben seit dem Ukraine-Krieg zugenommen“, erklärte Schlund. „Wir müssen uns ständig schützen, das ist europaweit so.“ Und der Mangel an Rohstoffen sei spürbar: Die Regale in den Lagerzentren sind nicht mehr so gut gefüllt. „Das ist eine Herausforderung geworden“, räumte er ein. Aber noch sei der Mangel „händelbar“.

Wichtig war ihm bei der Vorstellung der Netze BW die Versorgungssicherheit. Und die sei gegeben. Denn gerade in Bönnigheim liege die Ausfallzeit für alle Netzkunden bei 5,5 Minuten pro Jahr. In den letzten drei Jahren lag die Zahl der Störungen bei 0,1 pro Kunde. „Das heißt, dass alle zehn Jahre ein Kunde von einem Stromausfall betroffen ist“, erläuterte Schlund. Und verwies dazu im Vergleich auf die Zeit, die Menschen in Verkehrsstaus verbringen.

Neue Verteilstation geplant

Fast drei Millionen Euro hat die Netze BW in den vergangenen drei Jahren in das Bönnigheimer Netz investiert. Drei neue Maßnahmen stehen nun an: die Verlegung eines Niederspannungsstammkabels zur Schaffung zusätzlicher Schaltmöglichkeit und die Errichtung einer Verteilstation in der Gustav-Werner-Straße 1 sowie in der Schlossbergallee 12 bis 18. Außerdem sind die Verkabelung der Mittelspannungsfreileitung und Verlegung von Niederspannungskabeln in der Neubergstraße in Stadtteil Hofen vorgesehen. Netze BW rechnet dafür mit Kosten in Höhe von rund 287 000 Euro.

Doch fehlt da nicht etwas? Stadtrat Hans-Martin Jäger (UWG) vermisst ein Konzept und ein Zeitplan für eine zeitgemäße Versorgung des innerstädtischen Bereichs südlich der Cyriakuskirche, am Kirchberg und rund um den Diebsturm. „Wir wollen dort in der Gebietsneuordnung vorankommen. Uns beschäftigt schon lange, wo und wann dort eine neue Trafostation hinkommt“, sagte er. Kevin Schlund sagte zu, dies mit der zuständigen Sachbearbeiterin zu prüfen und dann den Gemeinderat zu informieren.

Weiteren Diskussionsbedarf gab es im Gemeinderat bei der Frage nach der angestrebten klimaneutralen Zukunft. Zwar werden in Bönnigheim rund 5,5 Millionen Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt und damit rund 22 Prozent des Strombedarfs gedeckt. Doch geht da noch mehr? „Sind Fotovoltaikfreianlagen bei uns denkbar?“, wollte Stadträtin Dorothea Bechtle-Rüster (SPD) wissen. Das sei angesichts der gesetzlichen Vorgaben nicht ganz einfach, befand Jakob Huber. Und die Stadt sei ja über die Bürgerenergie-Genossenschaft bereits an solchen beteiligt.

Für Stadtrat Frank Sartorius (CDU/FWV) ist es kritisch, solche Anlagen auf Böden zu installieren, die eigentlich für die Nahrungsmittelproduktion genutzt und benötigt werden. Spannend, so die Netze-Vertreter, sei die Energiewende, da sie im Verteilnetz stattfinde. Neben dem Zubau der Erneuerbaren, den Batteriespeichern, den Anforderungen an die Elektromobilität und der steigenden Nachfrage nach elektrisch betriebenen Wärmepumpen, änderten sich die Anforderungen grundlegend.

400 Ladestationen

„Wo sind die Grenzen für weitere Ladestationen?“, wollte Stadträtin Christa Häußer (CDU/FWV) wissen. Damit es keine Grenzen gibt, aber auch nicht unnötig Geld für neue Versorgungsmöglichkeiten ausgegeben werden, sei die Anmeldung der kleineren „Wallboxen“ und die Genehmigung größerer Stationen erforderlich, erklärte Schlund. „Wir rechnen mit bis zu 400 Ladestationen in Bönnigheim in naher Zukunft.“ Damit alle funktionierten, seien teilweise neue Leitungen nötig. Der Regionalmanager sicherte zu, dass keiner ohne Zugang bleiben werde.

 
 
- Anzeige -