Gemeinderat Ingersheim ringt um den richtigen Hitzeschutz

Von Jörg Palitzsch
Versiegelte Flächen wie etwa der gepflasterte Hindenburgplatz in Ingersheim heizen Kommunen in heißen Sommern extrem auf und machen nicht nur Herr und Hund zu schaffen Foto: /Martin Kalb

Die Ingersheimer Verwaltung verweist in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf kommunale Planungen. Die SPD pocht auf konkrete Maßnahmen.

Eine der häufigsten Fragen nach den Hitzemonaten lautet: Wie kann sich eine Gemeinde besser auf weitere heiße Sommer einstellen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Ingersheimer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Ausgangspunkt war ein Antrag der Fraktion SPD/Fortschrittliche Bürger. Sie hatte angeregt, ein umfassendes Hitzeschutzkonzept für öffentliche Orte zu prüfen – insbesondere für Spielplätze, Bushaltestellen und andere Treffpunkte im Gemeindegebiet. Als besonders schutzbedürftig nannte die Fraktion Kinder und ältere Menschen und sieht künftig vor allem zusätzliche Schattenplätze als wichtige Vorsorgemaßnahme.

Eigenständiges Konzept oder Projekte nach Bedarf?

Die Gemeindeverwaltung teilte die grundsätzliche Zielsetzung, schlug jedoch einen anderen Weg vor. Auf ein eigenständiges kommunales Hitzeschutzkonzept solle verzichtet werden, so Bürgermeisterin Simone Lehnert. Hitzeschutz solle vielmehr als Querschnittsthema bei Planungen und Maßnahmen der Gemeinde berücksichtigt werden. Konkrete Projekte sollen je nach Bedarf und unter Berücksichtigung der finanziellen und personellen Möglichkeiten umgesetzt werden.

Lehnert verwies auf das Gemeindeentwicklungskonzept „Ingersheim 2040“, wo Beschattung, Begrünung, Wasser sowie attraktive Aufenthaltsmöglichkeiten eine Rolle spielen. Ingersheim sei zudem in den Hitzeaktionsplan des Landkreises eingebunden.

Auch bei der Sanierung der Ortsmitten von Klein- und Großingersheim seien zusätzliche Begrünung und Beschattung vorgesehen. Und im nächsten Jahr könnten auch Arbeitsgruppen zum Thema Hitzeschutz gebildet werden. „Aber wir können nicht alles auf einmal machen“, schränkte sie ein.

Dem wollte Thorsten Majer (SPD) so nicht folgen. Er forderte konkrete Maßnahmen, die Vorschläge der Verwaltung seien „wenig greifbar“. Als Beispiel nannte er den Spielplatz in der Obstanlage, den man zwei Monate nicht hätte nutzen können. Das Thema solle nicht im Sand verlaufen, und jetzt müsse „Butter bei de Fische.“ Schützenhilfe erhielt Majer von Jürgen Fleischmann (FW). Der berichtete von einem Aufenthalt an der Haltestelle bei der Seniorenresidenz, wo es ihn bei Höchsttemperaturen fast „verbrezelt“ hätte. Bei der Haltestelle gegenüber sei auch kein Schatten und bei der Haltestelle am Karl-Ehmer-Stift auch nicht. Deshalb unterstütze er den SPD-Antrag.

Kompromiss sieht keine umfassende Beschattung VOR

Nach einem kurzen Hin und Her einigte man sich auf Vorschlag von Majer auf einen Kompromiss. Der Spielplatz an der Obstanlage und die Bushaltestelle bei der Seniorenresidenz sind nun Pilotprojekte. Bürgermeisterin Lehnert sicherte zu, schon in der nächsten Sitzung dazu Vorschläge für Hitzeschutzmaßnahmen vorzulegen, verbunden mit Aufstellungen zum Aufwand und zu den Kosten.

Der Bauhof hat bereits Vorschläge für zusätzliche Pflanzungen und für die Reaktivierung früherer Baumstandorte ausgearbeitet. Der Kompromiss wurde einstimmig gefasst, wobei die künftigen Maßnahmen auch im Gremium beschlossen werden müssen. Im Beschlussantrag steht dazu deutlich, dass eine flächendeckende technische Beschattung aller öffentlichen Aufenthaltsbereiche nicht leistbar sei.

 
 
- Anzeige -