Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt für alle Kinder im Grundschulalter ein Rechtsanspruch auf eine ganztägige Förderung in einer Tageseinrichtung mit einem zeitlichen Umfang von acht Stunden an Werktagen. Die Umsetzung soll mit den ersten Klassen beginnen und ab dem Schuljahr 2029/2030 alle vier Grundschulklassen umfassen, wobei die Eltern selbst entscheiden können, ob und in welchem Umfang sie diesen Rechtsanspruch wahrnehmen.
Gemeinderat Sersheim möchte neuen Weg gehen
Ganztagsangebot an Grundschulen soll durch Kooperation mit privater Hochschule gelingen.
Tatsächlichen Bedarf feststellen
Um dies herauszufinden, führen die Verantwortlichen der Gemeinde Sersheim gerade bei den Eltern der 61 Kinder, die nächstes Jahr in die Schule kommen, eine Umfrage durch, um den tatsächlichen Betreuungsbedarf an den Nachmittagen festzustellen. Zudem wurden bereits Gespräche mit den Vertretern der örtlichen Vereine, der Jugendmusikschule Vaihingen, der zuständigen Schulsozialarbeit und der Kirchen angebahnt.
Auch das Team der Kernzeitbetreuung soll mit ins Boot geholt werden. Aber um das notwendige Ganztagsangebot auf die Beine stellen zu können, will Bürgermeister Jürgen Scholz zusätzlich eine Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement anstreben. Diese Privat-Hochschule mit bundesweit über 8000 Studenten ermöglicht duale Studien mit Bachelor- oder Masterabschluss mit Präsenz- und Online-Veranstaltungen sowie vor allem praktischen Anteilen in Unternehmen, Vereinen oder Kommunen. „Unsere Studenten können von Anfang an in der Ganztagsbetreuung an den Grundschulen eingesetzt werden. Sie stehen an rund 200 Tagen im Jahr zur Verfügung. Unsere Studieninhalte sind speziell auf Kinder im Grundschulalter ausgerichtet“, erklärte der Geschäftsführer der Hochschule, Johannes Marx, in der Gemeinderatssitzung.
Nach dreieinhalb Jahren kann die Kommune entscheiden, ob sie den Studenten nach Abschluss seines Studiums fest übernimmt.
Die jährlichen Gesamtkosten für die Kommune belaufen sich auf rund 15.000 Euro pro Studenten. Seit acht Jahren laufen in diesem Bereich bereits entsprechende Pilotversuche der Hochschule.
Es gibt auch Skepsis
Dennoch zeigte sich der Sersheimer Gemeinderat Bastian Zeeb skeptisch gegenüber der angestrebten Zusammenarbeit. „Haben wir in der Gemeinde die Kapazitäten, um die Studenten anzulernen? In den Vereinen haben wir diese nicht. Dort gibt es niemanden, der die Aufgabe übernehmen kann“, betonte Zeeb.
Bürgermeister Scholz erwiderte, dass zunächst Constanze Schweizer die zuständige Ansprechpartnerin für die Studenten bei der Verwaltung sein werde. Schweizer ist ebenfalls für die Kindertageseinrichtungen zuständig. Aber mittelfristig müsse bei dieser Koordinierungsstelle aufgerüstet werden, so Scholz. „Wir brauchen als Kommune das nötige Personal für die Betreuung mit höchstens 20 Schließtagen pro Jahr. Wo sollen wir dieses hernehmen?“, fragte der Bürgermeister. Er verwies darauf, dass dieses Modell für alle Neuland sei.
Weiterhin würden die Studenten in der Hofäckerschule auch unter Anleitung der Lehrer arbeiten, und Schulleiterin Katja Kraft stehe dem Projekt sehr aufgeschlossen gegenüber. Zunächst solle im kommenden Jahr mit ein bis zwei Studenten begonnen werden, so Scholz. Die übrigen Gemeinderäte standen dem Vorhaben sehr aufgeschlossen gegenüber und stimmten ihm schließlich einhellig zu. Bisher ist die Hofäckerschule eine teilgebundene Ganztagsschule, bei der die Schüler an einem Nachmittagsprogramm verpflichtend teilnehmen müssen. An weiteren zwei Tagen können die Eltern aus Angeboten frei wählen. Durch die Kooperation mit den Studenten soll sich die Ganztagsbetreuung als Lebens-, Bildungs- und Bewegungsort etablieren. Gemeinderat Gerd Langer regte dabei an, nicht nur Vereine und Kirchen mit ins Boot zu holen, sondern auch den Sportkreis. Michaela Glemser
