Gemeinsamer Antrag für den Amateurfußball Landesverbände plädieren für einen Saisonabbruch

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Die Amateurkicker müssen ihre Fußballschuhe an den vielzitierten Nagel hängen – oder wie hier an die Eckfahne. Die Saison 2019/20 kann wegen der Corona-Pandemie nicht zu Ende gespielt werden. Das Foto zeigt den Sportpark Ellental mit dem Bietigheimer Viadukt im Hintergrund. ⇥ Foto: Martin Kalb

Ein gemeinsamer Antrag sieht Aufsteiger nach der Quotientenregelung und keine Absteiger vor. Bei drei Verbandstagen fällt die endgültige Entscheidung.

Saison-Aus, Aufsteiger gemäß der Quotientenregelung, keine Relegation, keine Absteiger und ein verschärfter Abstieg in der Spielzeit 2020/21 – das sind die Eckpunkte, die die drei Fußball-Landesverbände in Baden-Württemberg in einer Beschlussvorlage verankert haben. Am Mittwoch informierten der Badische, der Südbadische und der Württembergische Fußballverband die Vereine und die Öffentlichkeit über ihre gemeinsame Linie.

Das letzte Wort haben nun die Delegierten eines außerordentlichen Verbandstages, den alle drei Verbände am 20. Juni abhalten wollen. Zuvor sollen aber noch die Amateurklubs angehört werden. „Mir ist bewusst, dass sich viele Vereine eine frühere verbindliche Entscheidung wünschen. Aber es ist uns wichtiger, dass auch die Delegierten eines außerordentlichen Verbandstages durch ihr Votum unsere Haltung bestätigen“, stellte WFV-Präsident Matthias Schöck fest.

In einer Mitteilung an Medien und Vereine sowie im Rahmen einer Video-Pressekonferenz sprachen sich die Verbände am Dienstag einhellig für die Beendigung der Saison 2019/20 zum 30. Juni aus – so wie es auch die jeweiligen Spielordnungen vorsehen. Nach dem Stufenplan der Landesregierung sei weiterhin „nicht abschätzbar“, wann Mannschaftssport – also auch Fußballspiele im eigentlichen Sinne – wieder erlaubt sein würde, heißt es in der Verlautbarung des WFV. Die Gremien aller drei Landesverbände sehen darum keine Möglichkeiten mehr, die Meisterschaftsrunden regulär zu beenden.

„Wir haben Zeit gebraucht, um alle Parameter zu erfassen, die für so eine Entscheidung relevant sind“, sagte BFV-Präsident Ronny Zimmermann mit Blick auf den seit gut sechs Wochen andauernden Abstimmungs- und Diskussionsprozess, in den auch ein Rechtsgutachten eingeflossen ist. Dabei hatten sich die drei Verbände um eine landesweit einheitliche Regelung bemüht. Ihrem Antrag zufolge sollen die direkten Aufsteiger nun dadurch festgestellt werden, dass der Quotient aus erzielten Gewinnpunkten und ausgetragenen Spielen ermittelt wird. Meister und direkter Aufsteiger ist die Mannschaft mit dem höchsten Quotienten – also nicht zwingend der Spitzenreiter beim Abbruch im März. Als alternative Variante war auch im Gespräch, den Aufsteiger anhand der Vorrundentabelle zu küren.

Absteiger soll es dagegen keine geben. Dies hat allerdings zur Folge, dass es in der neuen Runde aufgrund der Aufstockung der einzelnen Ligen einen verschärften Abstieg geben wird. „Die eine Wunschlösung, die alle Probleme beseitigt, die keine Probleme hinterlässt und jeden glücklich macht, kann und wird es nicht geben und kann auch keiner von uns aus dem Hut zaubern“, sagte BFV-Chef Ronny Zimmermann.

Gelten sollen die Regelungen in allen Spielklassen der Männer und der Frauen von den Verbandsligen bis zu den Kreisligen. Der WFV will sich zudem dafür einsetzen, dass auch die Gesellschafterversammlungen der Oberliga Baden-Württemberg (Männer, Frauen, Jugend) und der Regionalliga Südwest in diesem Sinne entscheiden. Bei der Jugend soll die Wertung überbezirklich analog erfolgen, auf Bezirksebene seien aber unter Umständen noch andere Lösungen nötig.

Bayern-Modell ist keine Option

Geprüft hatten die Verbände auch, ob die Spielzeit 2019/20 nach einer längeren Pause zu einem späteren Zeitpunkt, frühestens ab 1. September, fortgesetzt werden soll – so wie dies etwa Bayern plant. Nach Abwägung aller Aspekte sei dieses Modell aus Sicht der Gremien aber weniger interessengerecht, heißt es in der WFV-Mitteilung. „In jedem Szenario besteht die Gefahr und das Risiko, dass ein Verein uns verklagt, weil er der Auffassung ist, wie hätten ihn sportlich benachteiligt“, sagte Hauptgeschäftsführer Frank Thumm. „Wir glauben, dass unser Szenario vor diesem Hintergrund und im sportlichen Kontext das beste ist.“

WFV-Pokal-Spiele über den 30. Juni hinaus?

Offen gelassen hat der WFV die Möglichkeit, die verbleibenden Spiele im WFV-Pokal auch noch nach dem 30. Juni auszutragen. „Hier können individuelle Lösungen mit den wenigen im Pokal verbliebenen Vereine gesucht werden“, teilt der Verband mit. Dies gelte auch für die Wettbewerbe der Jugend und der Frauen sowie die Bezirkspokal- Wettbewerbe.

Für den FV Löchgau als einzigen im WFV-Pokal noch vertretenen Teilnehmer aus dem Bezirk Enz/Murr ist das eine gute Nachricht. Denn der Klub steht erstmals seit langer Zeit wieder im Viertelfinale, wo er auswärts auf den Landesliga-Rivalen TSV Pfedelbach treffen würde. Für die Oberliga- Frauen des FVL steht noch das Achtelfinale beim TSV Albeck aus. ⇥ae

In welchem Spielmodus die Saison 2020/21 ausgetragen wird, ist derweil noch offen. Nach WFV-Angaben bleibe es das Ziel, die Meisterschaftsrunden in der kommenden Saison im gewohnten Rahmen mit Hin- und Rückspielen unter Zuschauerbeteiligung auszutragen.

 
 
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