Gemeinschaftsschule In Sachsenheim daheim, in Europa zuhause

Von Michaela Glemser
Die Gemeinschaftsschule hat am Erasmusprogramm teilgenommen. Das Bild zeigt Schulleiter Bernhard Dietrich und den Schüler Niilo Lichtenberger Foto: /Martin Kalb

Niilo Lichtenberger von der Gemeinschaftsschule hat am Schulen in Frankreich, Island, Litauen, der Slowakei und Schweden besucht. Ermöglicht hat das ein Förderprogramm der EU.

Er hat über den digitalen Fortschritt in Schule und Unterricht in Litauen gestaunt, im französischen Valréas einen Freund fürs Leben gefunden, die Natur Islands bewundert, sich von der slowakischen Lebensfreude inspirieren lassen und die Atmosphäre in der schwedischen Hauptstadt Stockholm genossen: Wenn Niilo Lichtenberger in den kommenden Wochen an der Gemeinschaftsschule am Sonnenfeld in Großsachsenheim seine Abschlussprüfungen nach der zehnten Klasse macht, wird er aus seiner Schulzeit mehr mitnehmen, als er in Schulbüchern oder im Unterricht gelernt hat: „Ich bin so dankbar für die Möglichkeiten und Erfahrungen, die mir die Gemeinschaftsschule und das Programm Erasmus Plus geboten haben. Ich bin dabei in meiner Persönlichkeit gereift und gewachsen.“

Wenn der Schüler zurückdenkt an den Übertritt von der Grundschule Kleinsachsenheim in die Gemeinschaftsschule, hat er heute mit dem damaligen Jungen, der nach eigenen Aussagen als „Klassenclown“ galt, kaum mehr etwas gemein. Er ist zu einem selbstbewussten jungen Mann geworden, der seit der achten Klasse Schülersprecher ist und sich auf eine Berufskarriere bei der Polizei freut. Wesentlichen Anteil an diesem gewachsenen Selbstbewusstsein und seiner positiven persönlichen Entwicklung hat seine Teilnahme am Förderprogramm der Europäischen Union Erasmus Plus, das den Austausch der Schulen und deren Zusammenarbeit in Europa unterstützen soll. Seit 2021/2022 nimmt auch die Sachsenheimer Gemeinschaftsschule an diesem Programm teil, und Niilo Lichtenberger gehörte zu den Schülern der ersten Stunde, die damals davon profitierten und sich im Mai 2022 auf die Reise nach Litauen machten. „Ich konnte nächtelang vor der Abreise nicht schlafen, weil ich mir so viele Gedanken über meine Gastfamilie, meinen ersten Flug und das fremde Land gemacht habe. Zudem habe ich kaum ein Wort in der englischen Sprache gesprochen“, erinnert er sich.

Erneut den Koffer gepackt

Doch die Sorgen des Kleinsachsenheimers waren unbegründet, seine Gasteltern nahmen ihn herzlich auf, seine Gastschwester brachte ihm das Schulsystem in Litauen näher, und Niilo Lichtenberger war überrascht von der modernen technischen Ausstattung der Schulen und den Kindergärten. Einmal auf den Geschmack gekommen, packte der Schüler im Oktober desgleichen Jahres erneut die Koffer, um gemeinsam mit Schülern der Eichwald-Realschule an einem Schüleraustausch mit einer Schule im französischen Valréas teilzunehmen. „Dabei knüpfte ich engeren Kontakt zu Aloïs, einem Schüler aus Valréas. Wir haben uns beide so gut verstanden, dass ich im Frühjahr 2023 insgesamt vier Wochen im Zuge des Erasmus-Programms in Valréas bei der Familie von Aloïs verbracht habe“, erzählt Niilo Lichtenberger.

Schulleiter Bernhard Dietrich hat ihm diese Chance gerne ermöglicht und ihn digital mit allen wichtigen Lernunterlagen versorgt und auch wichtige Klassenarbeiten in Frankreich schreiben lassen. „Niilo ist heute ein sehr offener Mensch, der von seinen Auslandsaufenthalten enorm profitiert hat“, lobt Dietrich. In Frankreich konnte Niilo Lichtenberger seine französischen Sprachkenntnisse verbessern, mit Aloïs hat er bis heute regelmäßigen Kontakt.

Im Mai 2023 brach Niilo Lichtenberger zu seinem vielleicht beeindruckendsten Auslandsaufenthalt nach Island auf. „Die Natur, die Geysire und diese landschaftlichen Höhepunkte der Reise haben meine Einstellung zum Umweltschutz deutlich verändert und geprägt. Nach Island werde ich sicher noch einmal reisen und könnte mir sogar vorstellen, dort für eine gewisse Dauer zu leben“, schwärmt er. Im November 2023 nahm er mit seiner Schule an einem internationalen Projekt über Nachhaltigkeit im slowakischen Námestovo teil und ließ sich vom Lebensgenuss und der Lebensfreude der Slowaken begeistern. „Dort kam ich bereits in Kontakt mit den Schülern einer Schule in Stockholm in Schweden, die wir im Mai 2024 bei diesem Projekt besucht haben. Mir hat es in Schweden aber so gut gefallen, dass ich auf eigene Faust noch einmal eine Verlängerung um zwei Wochen organisiert habe“, erzählt Niilo Lichtenberger. Er hat in Schweden am regulären Schulunterricht teilgenommen und das Leben in der Großstadt schätzen gelernt. „Auch Schweden mit seinem digitalen Fortschritt hat mir sehr gut gefallen“, sagt er.

Nach Straßburg geradelt

Im vergangenen Frühjahr schließlich radelte er noch zum Abschluss mit mehreren Schülern und Lehrern, unter ihnen auch Schulleiter Dietrich, nach Straßburg, um sich dort mit französischen Schülern zu treffen. „Ich blicke mit Dank auf alle diese Erfahrungen zurück, die mir an der Gemeinschaftsschule ermöglicht wurden. Ich konnte dabei nicht nur meine Sprachkenntnisse sehr verbessern, sondern auch mein Selbstbewusstsein enorm stärken“, sagt Niilo Lichtenberger. Er sieht es als großen Vorteil an, dass er sich so offen auf fremde Kulturen einlassen, die englische und französische Sprache in der täglichen Kommunikation und nicht nur im Grammatikbuch üben und in andere Schulsysteme schnuppern konnte. „Dass ich mich aus meiner Komfortzone bewegt habe, hat sich wirklich gelohnt. Ich habe Freundschaften fürs Leben geschlossen und mich weiterentwickelt“, sagt Niilo Lichtenberger, der nach seinen Abschlussprüfungen den Kontakt zu seinen Gastfamilien auffrischen will.

 
 
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