Gemmrigheim Barrierefreie Bushaltestellen noch in der Warteschlange

Von Helena Hadzic
Gemmrigheims Bürgermeister Jörg Frauhammer vor dem örtlichen Rathaus. Foto: /Oliver Bürkle

Bürgermeister Jörg Frauhammer bezeichnet das Jahr 2023 als ein Jahr des Wartens. Auch die barrierefreien Bushaltestellen hängen in der Warteschlange.

Im Großen und Ganzen war das vergangene Jahr 2023 ein „passables Jahr“, findet Gemmrigheims Bürgermeister Jörg Frauhammer. Langwierige Verfahren in Bausachen und Projekte haben sich über die letzten zwölf Monate hingezogen – etwas, was den Gemmrigheimer aufbringt. „Mit ihren langen Prozessen schafft sich die Bürokratie ab“, macht Frauhammer deutlich. Dennoch kann die etwa 4900 Einwohner große Gemeinde einige Erfolge für sich verbuchen, immerhin konnte die Kita am Holzplatz eingeweiht werden. Das freue ihn, so Frauhammer.

Die Gemeinde zeichne sich in in den letzten zehn Jahren durch ein Bevölkerungswachstum von 20 Prozent aus, das liege nicht zuletzt am neuen Wohn- und Mischgebiet auf dem alten Gelände der Papierfabrik, wo es auch im Jahr 2023 viele junge Familien hinzog. „In Gemmrigheim geht der Trend zum zweiten und dritten Kind“, erklärt er, allein im letzten Jahr habe es 58 Geburten gegeben. Damit gehen jedoch auch neue Herausforderungen einher, die die Gemeinde in 2024 angehen möchte. „2023 war das Jahr des Wartens, dieses Jahr gehen wir in Aktion über“, betont Frauhammer. Das bedeutet auch, dass die ins neue Jahr komplett schuldenfrei gestartete Gemeinde 2024 in einige Sanierungen investieren wird, darunter auch ein neuer Kreisverkehr im nördlichen Ortsteil.

Fertiger Fußgängerweg

Ein Höhepunkt im Jahr 2023 war das Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde: Die Gemmrigheimer Vereinsmesse. Diese fand erstmalig in der Wasenhalle statt, weil es dort schlichtweg mehr Platz für teilnehmende Vereine gibt. „Der Zuspruch war riesig“, sagt Frauhammer. Viele Vereine konnten ihre Aktivitäten präsentieren und auf diesem Wege neue Mitglieder gewinnen. Daneben gab es ein Jubiläum – genauer sogar das erste. Denn die Seniorenzeit feierte gegen Ende des Jahres ihren ersten Geburtstag. „Das Angebot hat sich sehr gut etabliert, uns war es wichtig, in der Seniorenarbeit tätig zu werden“, sagt Frauhammer.

Besonders freue er sich über die Fertigstellung des Fußgängerwegs am Haus der Gesundheit, wenngleich die Geschichte auch ein wenig tragisch war: „Wir hatten dort Schwierigkeiten mit dem Stromanschluss und haben ewig auf diesen gewartet“, sagt der Gemmrigheimer Schultes, bald könnten dort nun endlich die Lichter angehen.

Freude gibt es auch über die Biotop-Verbundplanung, die fertiggestellt wurde, oder auch über den verabschiedeten Flächennutzungsplans sowie über eine Schuppenanlage für die örtlichen Winzer und Landwirte, die vorangebracht werden konnte und sich derzeit im Bau befindet.

Was die Klimaneutralität betrifft, hat die Gemeinde beschlossen, die Straßenbeleuchtung auf LED umzustellen sowie eine kommunale Wärmeplanung im Konvoi mit Mundelsheim, Besigheim und Walheim. „Das ist eine ganz tolle Sache“, sagt Frauhammer. Auch weitere Fotovoltaik-Anlagen auf geeigneten Gebäuden, wie etwa auf dem Bauhof oder der Feuerwehr, sind in Planung.

Sanierungsstau an vielen Stellen

Insgesamt gibt es einen Sanierungsstau in Gemmrigheim, die Frage nach der Grundschule stand 2023 im Fokus. „ Die Schule ist architektonisch sehr schön, aber seit Jahrzehnten ist da nichts saniert worden“, erzählt Frauhammer. Die Klärung der Frage, ob die Treppen im Gebäude Bestandsschutz haben oder ein Neubau erforderlich ist, hat die Gemeinde das ganze Jahr gekostet. Die Warterei auf Bauprojekte und Regularien hat sich auch auf Frauhammers Gemüt niedergeschlagen: „Oft lagen die Anträge sehr lange in den zuständigen Behörden, oder es kamen lange keine Angebote herein, das war nervenaufreibend“, sagt er. Auch waren stockende Lieferketten immer wieder ein Problem. „Es war zum Mäuse melken. Gelder wurden bereitgestellt, der Beschluss gefasst und trotzdem konnte nicht gestartet werden“, beklagt der Bürgermeister. Das gilt auch für die barrierefreien Bushaltestellen, die in der Warteschlange hängen. Dementsprechend mache sich auch Ungeduld bei den Bürgern breit, was Frauhammer aber auch nachvollziehen könne.

In diesem Jahr soll für den Hangrutsch eine nachhaltige Lösung gefunden werden, im Nacken sitzt die Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Walheim, die kommen soll: „Ich hoffe, dass die Auseinandersetzung friedlich verläuft und für Gemmrigheim positiv ausgeht“, so Frauhammer. Spannend werde der Bau eines Genussplatzes an der Steillagenrunde, wofür ein artenschutzrechtliches Gutachten erstellt wird – das Baugesuch befindet sich bereits beim Landratsamt. Zudem sollen die restlichen 20 Prozent des Gemeindegebiets vollends mit Glasfaser versorgt sowie neue Projekte in Sachen Kinderbetreuung angegangen werden. Ideen über Standorte für eine neue Kita gebe es bereits.

„Es ist viel da, worauf man aufbauen kann – damit beginnen wir dieses Jahr“, so Gemmrigheims Bürgermeister. Sein persönlicher Wunsch: Vertrauen in die Arbeit der Verwaltung und Wertschätzung der Mitarbeiter in der Gemeinde.

 
 
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