Gemmrigheims Bürgermeister zieht Bilanz Trotz Corona viel erreicht

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Einen wichtigen Schritt vorwärts ging es in Gemmrigheim 2020 an der Straße Am Holzplatz. Dort entsteht bis zum Sommer 2022 eine neue Kita. Nach Fertigstellung soll sie für rund 80 Kinder Platz bieten.⇥ Foto: Martin Kalb

Die Pandemie hat der Gemeinde laut Bürgermeister Jörg Frauhammer zwar zugesetzt, aber wichtige Projekte konnten dennoch auf den Weg gebracht werden.

Die Bevölkerung Gemmrigheims ist stark von Corona betroffen, wie Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer verrät. Eine ganze Reihe von Einwohnern haben schon eine Infektion hinter sich. Der Schultes weiß aber auch eine ganze Menge an Positivem in seinem Jahresrückblick zu berichten. Vor allem in Sachen (digitaler) Infrastruktur hat sich in der Gemeinde 2020 viel getan.

Wie fällt Ihre Gesamtbilanz für das Corona-Jahr 2020 aus?

Jörg Frauhammer: 2020 war in vielerlei Hinsicht ein denkwürdiges Jahr, das seines Gleichen sucht. Zweifellos wird es zum einen als das „Corona-Jahr“ in die Geschichte eingehen. Gemmrigheim ist insbesondere von der zweiten Corona-Welle sehr stark getroffen worden. Mittlerweile sollte der letzte gemerkt haben, dass Corona kein Hirngespinst ist. Über drei Prozent der Gemmrigheimer Bevölkerung haben schon eine Infektion durchgemacht.

Das Jahr aber alleine darauf zu reduzieren, wäre viel zu kurz gesprungen. Für Gemeindeverwaltung und Gemeinderat war es vor allem ein arbeitsreiches Jahr. In Gemmrigheim ist im vergangenen Jahr sehr viel passiert.

Was waren im Jahr 2020 die wichtigsten Investitionen?

Unser Radweg nach Besigheim ist nach 25-jähriger Diskussion endlich umgesetzt worden – nicht ganz so, wie wir uns das gewünscht hätten, aber immerhin. 80 Prozent der Gemeinde wurden mit Glasfaser versorgt. Die Beteiligung der Bürger war bundesweit rekordverdächtig. Leider hat es noch nicht für 100 Prozent Ausbau gereicht, aber der Förderantrag für das verbleibende Gemeindegebiet ist gestellt.

Der Bau der Kita am Holzplatz hat begonnen. Ab Sommer 2022 sollen dort etwa 80 Kinder betreut werden können. Das ist ein großer Wurf in Sachen Kinderbetreuung. Mit der Sanierung der Waldstraße haben wir ein großes Straßenbauprojekt hinter uns gebracht. Insbesondere auch unser Bauhof hat ganze Arbeit geleistet.

In der Schule wurde bei der EDV ein großer Schritt nach vorne gemacht. Innerhalb von zweieinhalb Jahren haben wir den vierten Haushalt in den Gemeinderat gebracht. Endlich sind wir wieder im richtigen Turnus. Außerdem haben wir das Parkraumkonzept auf den Weg gebracht. Die Resonanz in der Bevölkerung auf die Umfrage war sehr gut.

Worüber haben Sie sich 2020 besonders gefreut?

Glücklicherweise konnten einige schöne Veranstaltung durchgeführt werden. Dabei wurde auch viel Neues etabliert. Der Neujahrsempfang und die Einwohnerversammlung fanden vor der ersten Pandemiewelle mit guter Resonanz noch statt. Gut angekommen sind auch wieder die Neubürgerrundgänge und die erstmals stattfindenden Gemmrigheimer Lesewochen. Unsere Seniorenbeauftragten haben ihr erstes Jahr hinter sich und können auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken.

Und das alles geschah trotz Corona und vor dem Hintergrund, dass Gemmrigheim mit einem Zuwachs von 15 Prozent seit 2012 die am stärksten wachsende Gemeinde im Kreis Ludwigsburg ist. Neben vielem Negativen hatte die Pandemie aber auch etwas Gutes. So wurde zum Beispiel die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten ausgebaut.

Wie schätzen Sie die Aussichten für 2021 ein?

Es zeichnet sich heute ab, dass wir in den nächsten Jahren den Gürtel etwas enger schnallen müssen. Sowohl die Einnahme-, besonders aber die Ausgabesituation der Gemeinde müssen hinterfragt werden. Der Erhalt unserer sehr guten Infrastruktur muss finanziert werden. Und unser Wachstum gipfelt insbesondere im Bereich der Kinderbetreuung in einer unvermeidlichen Steigerung der Personalkosten. Das sind Aufgaben, an denen wir nicht vorbeikommen.

Möglicherweise müssen wir so auch in Bereichen eingreifen, die wir bisher nicht angetastet hatten. Die Überlegungen dazu haben mit der Erstellung des Haushaltes für 2021 schon begonnen, werden sich in den nächsten Jahren aber sicher fortsetzen. Die nächste Klausurtagung des Gemeinderats im Frühjahr des kommenden Jahres wird sich insbesondere auch diesen Fragestellungen widmen.

Was sind die wichtigsten Projekte im neuen Jahr?

Ich hoffe für das kommende Jahr, dass die Anstrengungen, die Corona-Pandemie einzudämmen, greifen werden, damit wir wieder davon unberührt unsere vielen angestrebten Aktivitäten um „mein Gemmrigheim“ aufnehmen können und damit die Vereine wieder ungestört ihrer wichtigen Arbeit in und für Gemmrigheim nachgehen können. So stehen 2021 auch die Vereinsmesse und das Fleckenfest an. All das ist mit Pandemie kaum denkbar.

Darüber hinaus warten wichtige Projekte der Gemeinde auf Umsetzung. So hoffen wir, dass das Parkraumkonzept gute Ergebnisse liefert, die schnell und wirkungsvoll umgesetzt werden können, und wir endlich die Baugenehmigung für unseren Naturkindergarten erhalten. Unser zartes Pflänzchen der Tourismusaktivitäten soll weiterwachsen. Unser Steillagenwanderweg und eine Starkregenmaßnahme wollen wir angehen, ebenso wie den nächten Schritt der Schulsanierung, die weitere Optimierung des Brandschutzes. Auch das sind nur einige Beispiele. Sie sehen, es gibt genug zu tun.

Was sind Ihre persönlichen Wünsche fürs kommende Jahr?

Dass wir alle Projekte, die wir uns vorgenommen haben, umsetzen können. Ich wünsche mir, dass wir bald wieder in einen „Normalbetrieb“ kommen, in dem wir alle Aktionen, die wir insbesondere im Rahmen von „mein Gemmrigheim“  im Bürgerschaftlichen Engagement planen, auch tatsächlich angehen können und nicht von Corona immer wieder daran gehindert werden. Gleiches gilt auch und besonders für die vielen Vereine und Organisationen, die für das dörfliche Leben so wichtige  Arbeit leisten. Es wäre schön, wenn die wieder ungehindert ihrer wertvollen Arbeit nachgehen könnten. Insbesondere hoffe ich hier, dass unser Fleckenfest und die Vereinsmesse stattfinden können. Ich wünsche mir darüber hinaus, dass wir uns trotz knapper werdender Mittel die Freiräume für wichtige Investitionen und Erhaltungsmaßnahmen erhalten können.

Gibt es spezielle „Sorgenkinder“ in Gemmrigheim?

Große „Sorgenkinder“ sehe ich nicht. Wir suchen händeringend nach Tagesmüttern und Wohnungen, die für die Kinderbetreuung genutzt werden können.

Vielen Dank für das Gespräch.

 
 
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