Genuss Geselliger Höhepunkt seit 29 Jahren

Von
Christa und Rolf Häußer (links) haben die kulinarische Weinprobe des Weinbauarbeitskreise mit Spaßsommeliére Elke Ott und André Butz,. Chefkoch des Adlers Botenheim, organisiert.⇥ Foto: Susanne Yvette Walter

Rolf und Christa Häußer vom Weinbauarbeitskreis Bönnigheim und Umgebung hatten am Samstag zur kulinarischen Weinprobe eingeladen.

Schlemmen und dazu die besten Tropfen hiesiger Wengerter auf der Zunge zu spüren, diese Aussichten locken viele Stammgäste inzwischen zur kulinarischen Weinprobe des Weinbauarbeitskreises Bönnigheim und Umgebung in den Strombergkeller. Als Bonbon setzte die Spaßsommeliére Elke Ott aus dem Remstal diesmal ihre humorigen Sahnehäubchen rund um den Wein obendrauf. Der Abend wird wieder einmal zum Fest für die Sinne, denn ausgewählte Weine, kulinarische Leckereien und die Späße der charmanten Weinfee gehen am Samstagabend im Strombergkeller eine gelungene Verbindung ein.

Elke Ott, die Spaßsommeliére aus dem Remstal steht im Pettycoatkleid mitten im Saal und referiert über Männertypen, Haarpracht und Weinsorten. „Ein typischer Grauburgunder“, erklärt sie und streicht einem Gast übers Haupthaar. Wenig später entdeckt sie einen Herrn mit Glatze und ruft erfreut aus: „Blanc de Noir“. Eine Lachsalve erfüllt den Saal.

Elke Ott ist zum ersten Mal zu Gast bei der kulinarischen Weinprobe und setzt in der 29. Ausgabe ganz neue Akzente. „Eigentlich hatten wir vor, das mal zwei, drei Jahre zu machen. Dann kam das so gut an“, erzählt Rolf Häußer, Vorsitzender des Weinbauarbeitskreises und zusammen mit seiner Ehefrau Christa Organisator von „Essen und Wein“. Die Spaßsommelière sorgt unterdessen für weitere Lacher: „Männer, die ihren Frauen den Kaffee ans Bett bringen, werden seltener anonym bestattet“, witzelt sie und zeitgleich tischen die guten Geister des Gasthauses Adler in Brackenheim-Botenheim einen Traum an Vorspeise auf: Mit „Duett von der Roten Beete mit Black Tiger Garnele“ ist er überschrieben. Die Teller sind ausgelegt mit feinsten Rädern aus weißem Rettich durchzogen mit pinkfarbenen Spiralen. Darauf treffen sich Garnelen und ein Gugelhupf aus rote Beete und Frischkäse. Die Weine, die der Arbeitskreis für dieses Geschmackserlebnis ausgesucht hat sind stimmig: ein Trollinger Weißherbst aus den Steillagen der Weingärtner Stromberg-Zabergäu, ein Pinot Noir und ein Muskattrollinger aus der 2018er Serie „Fantasie“.

Nach diesem Auftakt freuen sich spürbar alle im Saal auf die Fortsetzung und die sollte keinen enttäuschen: Selleriesalat mit hausgemachtem Wildschweinschinken und Preiselbeeren, ein auf der Haut gebratener Eismeersaibling mit Karottenmousse und Orangensauce und als finaler Hauptgang ein „Hanging Tender“ vom Rind in Lembergersauce mit Kartoffel-Gemüse Tortilla, aus der den Feinschmecker die Zucchinischeiben anlachen.

Trockene Weine ausgewählt

Die Mitglieder des Arbeitskreises haben für dieses Gourmetvergnügen in der Mehrzahl trockene Weine ausgesucht. Nur der Schlusspunkt ist richtig süß: eine Lemberger Weißherbst Beerenauslese von 2015. Doch bis die schließlich die Kehle hinunterrinnt ist Mitternacht nicht mehr weit.

Das gesellige Vergnügen dieses Abends will Zeit. Deshalb werden „Hanging Tender“ und Tortilla erst nach 22 Uhr serviert. Keiner hat es eilig. An den Tischen wird viel gelacht und geschnattert, und Elke Ott sprudelt so bei ihrem Besuch in Bönnigheim. „Mann schlag‘ dir den Ranzen voll. Dann gehen die Falten aus dem Gesicht“, ruft sie frei weg ins Publikum. Elke Ott ist ein Publikumsliebling – auch in Bönnigheim. 2003 hat sie als Weindozentin bei der Dehoga angefangen und Kunden in der Gastronomie unterhalten. Heute ist sie eine gefragte Entertainerin rund um den Wein. Auf das Weinwissen pfeift sie frei nach dem Motto: „Wer nichts weiß, kann auch nichts vergessen“, und sie steigt viel lieber in ein spannenderes Thema ein: Welcher Wein passt zu wem oder besser gefragt „Kann man mit einer älteren Dame nur Spätlese trinken?“.

Als Elke Ott anfängt aus dem Nähkästchen zu plaudern sind alle ganz aufmerksam. Sie erzählt wie sie mit ihrem „Baba“ im „Besenwirtschäftle“ versunken ist und ihn tatsächlich unter den Tisch getrunken habe. „So etwas nennt man eine Erzeugerabfüllung“, schmunzelt sie selbst, und alles lacht schon wieder.

„Für uns ist es immer wieder eine Freude zu erleben, wie gut den Leuten das hier gefällt. Wir bekommen so viel positive Resonanz auf diese Veranstaltung. das motiviert uns, weiterzumachen und jedes Jahr die kulinarische Weinprobe erneut auf die Beine zu stellen“, macht Rolf Häußer deutlich. Chefkoch René Butz vom Adler in Brackenheim-Botenheim sieht sich ebenfalls in jedem Jahr vor einer neuen Herausforderung: „Ich muss mir immer wieder etwas Neues ausdenken. Und es sollte möglichst noch eine Steigerung zum Vorjahr sein“, lässt er wissen.

Auch die Arbeit im Vorfeld nimmt etliche Tage in Anspruch: Die Tischdekoration nimmt Christa Häußer mit ihren Helfern gern selbst in die Hand. Diesmal ziert golden angemaltes Rebenholz in kleinen Stücken die Tische. „Jedes ein Unikat“ lächelt Christa Häußer und dreht einen der Rebenabschnitte zwischen den Fingern.

 
 
- Anzeige -