Germania, Croatia und Löchgau im Fokus „Die stärkste Landesliga seit Jahren“

Von Simon David
FV Löchgau, hinten von links: Alexander Sprigade, Paul Haile, Tim Schwara, Daniel Däschner, Mario Andric, Peter Wiens, Janis Lamatsch, Janis Feufel. Mitte von links: Athletiktrainerin Anna Strobel, Betreuer Marc Schmid, Clemens Seddon, Tyrone Reyinger, Terry Offei, Emmanuel Apler, Tom Kühnle, Co-Trainer Pascal Haug, Trainer Thomas Herbst. Vorne links: Paul Weber, Tim Falk, Teseo Gasparro, Simon Kretschmer, Sven Altmann. Mert Seker, Fabian Gurth, Kubilay Baki, Eugenio Del Genio. Es fehlen: Jannik Trautwein, Marco Stephani und Athletiktrainer David Pfahl. Foto: Ralf Poller/Avanti

Der SV Germania Bietigheim, Aufsteiger NK Croatia Bietigheim und der FV Löchgau starten mit unterschiedlichen Zielen in die neue Saison. Alle drei Teams müssen am Wochenende zum Auftakt auf zahlreiche urlaubende Spieler verzichten.

An diesem Wochenende startet die Fußball-Landesliga in die Saison 2022/23. Der SV Germania Bietigheim muss dabei zunächst auswärts ran, während der FV Löchgau und Aufsteiger NK Croatia Bietigheim mit Heimspielen starten. Die Zielsetzungen der drei Mannschaften sind dabei sehr unterschiedlich. In der Einschätzung, dass die Liga so stark und so interessant wird wie seit Jahren nicht, sind sich die Trainer aus Bietigheim, Metterzimmern und Löchgau einig.

SV Germania Bietigheim

Die Germanen gehen mit einem verjüngten Kader in die neue Spielzeit. Sieben Akteure, darunter erfahrene Kräfte wie Isa Gökmen, verließen den Verein. Dafür konnten fünf Neuzugänge verpflichtet werden. Beim Saisonstart in Ilshofen an diesem Samstag (17 Uhr) werden zwar mehrere dieser neuen Spieler urlaubsbedingt noch nicht zur Verfügung stehen, doch gaben Trainingseinheiten, Testspiele und das Auftreten im WFV-Pokal Grund zur Zuversicht. „Wir sind in der Breite besser aufgestellt und stabiler. Die Eindrücke sind durchweg positiv“, sagt SVG-Coach Holger Ludwig.

In der zweiten Pokalrunde scheiterten die Mannen aus dem Ellental nach ansehnlicher Leistung nur knapp an Oberligist Sport-Union Neckarsulm. „Wir haben ein gutes Spiel gemacht und wenig zugelassen“, lobt Ludwig seine Elf.

Saisonziel der Bietigheimer ist es, sich im Vergleich zur Vorsaison zu verbessern und möglichst früh nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Die vergangene Spielzeit schloss Germania als Elfter ab, wobei man nach einer durchwachsenen Hinrunde lange auf einem Abstiegsrang stand und erst nach einer deutlich stärkeren Rückrunde den Klassenerhalt schaffte. Gelingt es den Blau-Weißen, daran anzuknüpfen, stehen die Chancen auf den frühzeitigen Klassenerhalt gut.

Allerdings scheint auch die Konkurrenz besser als in der Vorsaison. „Die Liga ist stärker und ausgeglichener als letztes Jahr. Zum einen wegen der drei Absteiger aus der Verbandsliga, aber auch, weil die Aufsteiger schwer einzuschätzen sind“, bestätigt Ludwig. Gleich der Auftaktgegner TSV Ilshofen II sei als zweite Mannschaft eines Ex-Oberligisten „kein klassischer Aufsteiger“. Auch Stadtrivale Croatia dürfte für die ein oder andere Überraschung sorgen. „Wir freuen uns auf die Derbys gegen Croatia“, betont Ludwig.

Vor Saisonbeginn sei es grundsätzlich schwierig, eine zuverlässige Standortbestimmung abzugeben, doch gehen die Germanen zuversichtlich ins erste Duell. „Wir wollen unser Spiel durchbringen, sodass sich der Gegner nach uns richten muss“, so Ludwig. Noch nicht zur Verfügung stehen die Neuzugänge Haluk Senol und Markus Wörner sowie Routinier Riccardo Macorig.

NK Croatia Bietigheim

Ebenfalls mit einem deutlich jüngeren Kader geht der Aufsteiger in die Runde. Sieben Spieler haben Croatia verlassen, elf Neue wurden verpflichtet. Unter ihnen auch Fisnik Rama, der in der vergangenen Saison noch für den SV Germania auf Torejagd ging. Zugleich sind wichtige Stützen der Meistermannschaft in der Bezirksliga geblieben. So sind mit Zvonimir Zivic, Kresimir Trepsic und Mario Teutsch drei Angreifer für Croatia aktiv, die in der vergangenen Saison insgesamt 65 Tore erzielt haben. Doch auch auf allen anderen Positionen hat der Neuling aus Metterzimmern erfahrene Spieler halten können. Auf einen davon muss der älteste kroatische Fußballverein Deutschlands dennoch zunächst verzichten: Kordian Zieba befindet sich derzeit in Elternzeit.

Das Saisonziel ist klar. „Wir sind Aufsteiger, da geht es für uns um den Klassenerhalt“, betont der neue Trainer Daniel Zmpitas. Sein Engagement bei den Bietigheimern kam recht kurzfristig zustande. Meistertrainer Muhamed Bajrami war zurückgetreten, weil er nach eigener Aussage nicht mehr ausreichend Wertschätzung von Seiten des Vorstands empfunden habe (die BZ berichtete).

Mit Zmpitas fanden die Bietigheimer einen erfahrenen Trainer, der die Landesliga aufgrund seiner Trainertätigkeit beim TV Pflugfelden gut kennt. „Das ist die stärkste Landesliga seit sieben oder acht Jahren“, sagt Zmpitas. Er ist überzeugt, dass seine Mannschaft in der neuen Liga bestehen kann, wenngleich besonders der Saisonstart sehr schwer wird. „Noch mehr als andere Mannschaften sind wir davon betroffen, dass viele Spieler im August noch im Urlaub sind. Ab September, wenn wieder alle da sind, können wir auch gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel bestehen.“ Es werde dabei darauf ankommen, den Kampf anzunehmen und über das Kollektiv zu kommen. „Dabei sind alle gefordert, erfahrene wie junge Spieler“, betont er.

Croatia startet am Sonntag (15 Uhr) mit einem Heimspiel gegen die Spvgg Satteldorf in die Saison. „Ich kenne Satteldorf sehr gut. Sie haben viele Jahre oben mitgespielt, zuletzt lief es aber nicht so rund.“ Einfach wird es bei der Landesliga-Premiere für Croatia aber dennoch nicht.

FV Löchgau

Für den FV Löchgau war die vergangene Spielzeit eine Rekordsaison. Mit 102 erzielten Toren waren die früher vor allem defensivstarken Löchgauer nun auch im Angriff sehr erfolgreich. Trotz zum Teil sehr großer Verletzungssorgen wurden die „Roten“ am Ende Vizemeister und scheiterten erst in der Aufstiegsrelegation. Auch in der neuen Saison will man oben mitspielen.

Das Team ist weitgehend zusammen geblieben und verfügt über eine große mannschaftliche Geschlossenheit und ein gesundes Selbstbewusstsein. Dennoch ist man sich beim FVL bewusst, dass die Konkurrenz härter geworden ist. Neben der Zielsetzung „oben mitzuspielen“, soll vor allem die spielerische Qualität einzelnen Akteuren verbessert werden. Im Falle von Angreifer Wycliff Yeboah klappte das in der vergangenen Saison bereits so gut, dass er von Oberligist 1. CfR Pforzheim verpflichtet wurde. Von Yeboah abgesehen blieb die Mannschaft aber zusammen. Zwei neue Spieler verstärken künftig das Aufgebot von Trainer Thomas Herbst.

„Wir hoffen, dass wir den Schwung aus der Vorsaison mitnehmen und wollen möglichst lang oben dranbleiben. Wir können jeden schlagen, als Favorit sehen wir uns aber nicht“, sagt Herbst. Seine Trainerkollegen Holger Ludwig und Daniel Zmpitas stufen die Löchgauer dagegen schon als heißen Kandidaten für den Aufstieg ein. Die größten Chancen auf die Meisterschaft werden, nicht nur von Herbst, Zmpitas und Ludwig, dem Vorjahres-Dritten Türkspor Neckarsulm eingeräumt, der sich in der Sommerpause sehr verstärkt hat.

Für den FVL wird besonders der Start schwierig, da mehrere Spieler urlaubsbedingt fehlen. Beim Heimspiel gegen den SV Breuningsweiler am Sonntag (15 Uhr) werden deshalb wohl einige A-Junioren im Kader stehen. Verzichten muss Herbst unter anderem auf Torhüter Sven Altmann sowie erfahrene Feldspieler wie Tom Kühnle, Jannik Trautwein oder Alexander Sprigade. „Das wird ein offenes Spiel, weil auch Breuningsweiler jede Topmannschaft schlagen kann.“

Lage der Liga

Türkspor Neckarsulm ist der Topfavorit

In der Landesliga, Staffel 1, sind diesmal 18 Mannschaften am Start –  ein Team weniger als in der Vorsaison. In der Einschätzung vieler Trainer ist die Staffel so ausgeglichen wie lange nicht mehr. Mit dem VfB Neckarrems, dem TSV Crailsheim und dem TSV Heimerdingen kommen gleich drei Absteiger aus der Verbandsliga hinzu. Von ihnen werden vor allem Crailsheim Titelchancen zugetraut. Als größter Meisterschaftsfavorit gilt jedoch Türkspor Neckarsulm mit seinen hochkarätigen Verstärkungen.  Aber auch der Vizemeister  FV Löchgau zählt wieder zum Favoritenkreis.  Aus den Bezirksligen schafften der NK Croatia Bietigheim, der TSV Ilshofen II, die Aramäer Heilbronn, der VfR Heilbronn und die SG Oppenweiler-Strümpfelbach den Aufstieg.

 

 
 
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