Geschmückte Kreisverkehre „Kaputtsparen“: Ditzingens Rat kämpft für bunte Kreisel

Von Franziska Kleiner
Die Kreisverkehre am Ortsrand von Schöckingen werden weiterhin von der Stadt selbst gestaltet. Foto: Simon Granville

Die Pflege der Kreisverkehre sollte in Ditzingen dem Rotstift zum Opfer fallen. Doch der Gemeinderat zog eine klare Grenze. Warum der Beschluss überrascht.

Kreisverkehre erhöhen die Sicherheit im Kreuzungsbereich und drosseln das Tempo der Autofahrer zum Beispiel an Ortseingängen. Doch im Lauf der Jahre wurden sie auch zu einem Ort der Kunst: Die Städte und Gemeinden gestalten und schmücken die Innenflächen der Kreisel, um Besucher willkommen zu heißen. Aber kommt es darauf wirklich an? Oder ist der Schmuck am Ortseingang lässlich?

Dergestalt polarisierend diskutiert in Ditzingen niemand über den Schmuck im Kreisverkehr. Gleichwohl schlug die Verwaltung nun als Sparmaßnahme vor, die Pflege einiger Kreisverkehrsinnenflächen aufzugeben. Mehrere Kreisel liegen an Kreisstraßen, sind daher in der Verantwortung des Landkreises. Weil die Stadt aber die Flächen in ihrem Sinne hübscher und daher selbst gestalten wollte, hatten Stadt und Landkreis eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Jetzt wollte die Stadtverwaltung diese Aufgabe an den Landkreis zurückgeben, um zu sparen. Der Gemeinderat entschied bei einer Gegenstimme aber anders. Gleichwohl beauftragte der Rat die Verwaltung, Vorschläge zu einer kostengünstigen Gestaltung der Flächen vorzulegen.

EU ließ Kreisverkehre auf Sicherheit überprüfen

Um die Gestaltung der Kreisel war vor mehr als zehn Jahren vor allem im Landkreis hart gerungen worden. Daran erinnerte Bürgermeister Ulrich Bahmer die Stadträte in der vorberatenden Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt. Damals war nicht über das Ob sondern das Wie der Gestaltung diskutiert worden. Anlass war eine EU-Richtlinie, die von Bund und Land umgesetzt wurde. Im Rahmen des Konzepts „Vision Zero“ – null Tote im Straßenverkehr – waren die EU-Staaten angemahnt worden, auch die Kreisverkehre auf ihre Sicherheit hin zu überprüfen.

Das baden-württembergische Verkehrsministerium hatte damals 54 Kreisverkehre als besonders gefährlich eingestuft: Autofahrer könnten bei Unfällen auf sie prallen und durch berstende Fahnenmasten wie in Gerlingen oder spitze Säulen wie in Herrenberg (Kreis Böblingen) verletzt werden. Der Gerlinger Kreisverkehr hielt einer Überprüfung mit den neuerlichen Vorgaben letztlich stand. Die Fahnenmasten konnten bleiben.

In Ditzingen entstand später auf Basis der EU-Richtlinie ein Konzept unter anderem zur Bepflanzung zweier Kreisverkehre in Schöckingen. Anlass für die Umgestaltung war ein Maischerz: Unbekannte hatten einen der beiden Kreisverkehre zum 1. Mai 2018 in „Makurath-Kreisel“ umgetauft und ihn als hässlichsten Kreisverkehr Deutschlands bezeichnet.

Mai-Scherz im Kreisverkehr hat Veränderung zur Folge

Bis zu diesem Zeitpunkt war die Straßenmeisterei des Landkreises für die Gestaltung zuständig gewesen, nach dem Mai-Scherz einigten sich Kreis und Stadt darauf, die Flächen neu zu planen. In den Schöckinger Kreisverkehren sollten die Rabenkrähen ihren Platz bekommen– auf Reliefs aus Cortenstahl oder als kleine Skulpturen. Im Schwäbischen wird die schwarze Rabenkrähe als „Krabb“ bezeichnet. Daher rührt auch der Schöckinger Neckname „Krabba“, der manchem Dorfbewohner lange als Schimpfwort galt.

Auf der Gemarkung der Stadt Ditzingen liegen sieben Kreisverkehre an überörtlichen Straßen, für fünf waren bereits entsprechende Vereinbarungen mit dem Landkreis getroffen, die Pflege ging jeweils auf die Stadt über, mehrere Tausend Euro im Jahr dafür bezahlte. Die Räte überzeugte die Aufstellung nicht: von „Kaputtsparen“ war die Rede und von der Forderung, die Bewirtschaftung weiterhin selbst, wenn auch günstiger zu machen. Für die Rückgabe an den Straßenbaulastträger hätte dieser den Rückbau und Abräumen sämtlicher Pflanzen verlangt.

 
 
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