Geschwindigkeit Smiley bremst Raser aus

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Ein grünes Smiley zeigt an: Die Geschwindigkeit passt. Der Autofahrer ist 50 Stundenkilometer oder langsamer gefahren. Dieses sogenannte Dialog-Display ist in der Schwarzwaldstraße in Bietigheim-Bissingen angebracht.⇥ Foto: Martin Kalb

Eine Tafel in der Schwarzwaldstraße zeigt an, ob man zu schnell fährt oder nicht. Ein Blitzer soll vorerst nicht folgen.

Wer die Schwarzwaldstraße in Richtung Japangarten in Bietigheim mit dem Auto entlang fährt, dem wird im Wechsel seine Geschwindigkeit angezeigt und ein Smiley. Abhängig von der Geschwindigkeit ist der Smiley rot und traurig oder grün und fröhlich. Seit rund drei Wochen ist die Tafel, das sogenannte Dialog-Display, bereits an einem Pfosten zwischen den Kreuzungen Hölderlinstraße und Pforzheimer Straße angebracht. „Die Tafel wurde dort angebracht, weil es immer wieder mal Beschwerden hinsichtlich des Verkehrslärms beziehungsweise überhöhter Geschwindigkeiten gibt“, erklärt Ina Klein vom Presseamt der Stadt. Erlaubt sind hier 50 Stundenkilometer.

Soziale Kontrolle

Wer diese Begrenzung einhält, wird mit einem grünen lachenden Smiley belohnt. Wer zu schnell fährt, wird mit einem traurigen roten Smiley abgestraft. Daher auch der Name, die Displays treten sozusagen in einen Dialog mit den Autofahrern. Noch haben die Smileys keine weitreichenden Folgen für die Autofahrer, sagt die Stadtverwaltung. Denn die Tafeln werten zwar die Geschwindigkeiten aus, seien aber nicht geeignet, objektive Rückschlüsse zu ziehen. Grund dafür ist paradoxerweise, dass die Displays Wirkung zeigen und die gefahrenen Geschwindigkeiten abnehmen. Dennoch: „Konkrete Studien zur Wirksamkeit sind nicht bekannt“, sagt Klein. „Aber wir haben schon oft die Erfahrung gemacht, dass solche Tafeln die Geschwindigkeiten reduzieren können. Hintergrund dürften zum einen eine soziale Kontrolle, andererseits aber auch eine Motivation der Autofahrer sein, einen grünen Smiley zu erreichen“, ergänzt sie.

In der Fachwelt waren Dialog-Displays, die beispielsweise „Danke“ oder „Langsam“ anzeigen eher umstritten. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft hat deswegen 2010 mit mehr als 9,4 Millionen Geschwindigkeitsmesswerten die Wirkung von zehn verschiedenen Dialog-Displays getestet. Untersuchungsstandort waren viele Orte in Berlin. Je nach Ort reduzierte sich die Durchschnittsgeschwindigkeit um 1,8 bis 6 Stundenkilometer. Zusätzlich verringerte sich der prozentuale Anteil der Fahrer, die zu schnell fuhren. Untersucht wurden Displays, die die Geschwindigkeit anzeigen und eben Dialog-Displays. Deutlich wurde dabei, dass sich während der Untersuchung bei den Dialog-Displays keine Gewöhnungseffekte zeigten, allerdings bei den konventionellen schon. Eine Schwachstelle der Dialog-Displays ist jedoch, dass ihr Effekt nicht von Dauer ist. Werden sie wieder abgebaut, kehren die Verkehrsteilnehmer zu ihrem ursprünglichen Verhalten zurück, ergaben die Untersuchungen der UDV.

In der Bietigheim-Bissingen habe man jedoch andere Erfahrungen mit Gewöhnungseffekten gemacht, sagt Ina Klein. In der Stadt bleiben die Tafeln immer nur mehrere Wochen an einem Standort, weil sie mit der Zeit ihre Wirkung verlieren, erklärt die Pressesprecherin. Noch hält sich die Verwaltung bedeckt, ob dem Dialog-Display ein Blitzer folgt. Dafür müssten noch weitere Messungen durchgeführt werden, auf denen verkehrsrechtliche Maßnahmen begründet werden können, erklärt Ina Klein. Bis dahin können die Autofahrer in der Schwarzwaldstraße weiter (grüne) Smileys sammeln.

 
 
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