Geschwindigkeitsbeschränkungen in Bietigheim-Bissingen Am Tempolimit scheiden sich die Geister

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In der Schwarzwaldstraße gilt jetzt Tempo 40. Im Bild Mitarbeiter des Bauhofs beim Anbringen eines Schildes vergangene Woche. Foto: Mathias Schmid⇥ Foto: Mathias Schmid

In Bietigheim-Bissingen wurde in etlichen Straßen die erlaubte Geschwindigkeit reduziert. Das hat zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen, vor allem in den sozialen Medien.

Seit eineinhalb Wochen gilt der Lärmaktionsplan in Bietigheim-Bissingen, der Geschwindigkeitsreduzierungen in elf Straßenabschnitten zur Folge hatte (die BZ berichtete). Tempo 30 gilt nachts auf einem Abschnitt der Heilbronner Straße/B 27 in der Kammgarnspinnerei, auf weiteren Strecken wurde teils Tempo 30 ganztägig, teils Tempo 40 ganztägig verhängt. Dass es sich dabei um ein sehr emotionales Thema handelt, wird daraus ersichtlich, dass auf der städtischen Facebook-Seite inzwischen mehr als 600 Kommentare zu dem Thema eingegangen sind.

Viele davon sind kritisch. So werfen viele Facebook-Nutzer der Verwaltung vor, es gehe eher darum, mit Bußgeldern die leeren Stadtkassen zu füllen. Wenn man mit 50 ankomme und auf 40 bremse, werde eine Schlange nicht wirklich kürzer und die Autos ständen länger auf der Straße, ist zu lesen. Ein Kommentator meint, es wäre besser, sich um den Verkehrsfluss ordentlich zu kümmern. „Der tägliche Stau macht das Problem und nicht, ob die Menschen 30 oder 50 fahren.“

Kritik am Schilderwald

Ein anderer stört sich an der „Vielschilderei“, die nur Chaos bringe. „Hätte der Städtetag besser auf die Novellierung der Straßenverkehrsordnung mit generellen Geschwindigkeitsregelungen hingearbeitet, könnte man sich viele Schilder sparen“, so ist zu lesen. Der Flickenteppich an Tempo 30 und Tempo 40 Zonen verwirre die Autofahrer. Der Verkehrssicherheit sei nicht oder nur wenig gedient.

Sie verstehe Tempolimits in Wohngebieten, aber nicht auf den Hauptstraßen, erklärt eine Nutzerin. Ein anderer meint, man dürfe sich dann auch nicht wundern, wenn niemand mehr in die Stadt zum Einkaufen fahre.

Wieder andere bemängeln, dass bestimmte Straßen kein Tempolimit bekommen haben. Angeführt wird beispielsweise die Geisinger Straße, in der die Lärmbelästigung stark angestiegen sei. Außerdem wird darauf verwiesen, dass Ausweichverkehr entstehen könne. Einige meinen, dass die Beschränkungen sowieso nicht eingehalten würden.

Angeführt wird auch, dass die Tempolimits gar nichts bringen würden. „Dann fahren alle im zweiten Gang in den neuen 30er- und 40er- Zonen“, so ein Kommentar, was viel mehr Lärm verursache.

Die Stadt verweist in diesem Zusammenhang indes auf Ausführungen des Umweltbundesamtes. Dieses stellt in seinem „Handbuch Lärmaktionspläne“ fest, dass eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 Stundenkilometer bei den Kraftfahrzeugen im Mittel zu einer Pegelminderung von etwa zwei bis drei Dezibel führe. Letzteres entspreche einer Halbierung der Verkehrsmenge.

Dank aus Untermberg

Doch es gibt auch viele Befürworter. „Danke, liebe Stadt Bietigheim! Gerne auch überall 30. Ist es mit dem Fahrrad auch sicherer“, schreibt ein Nutzer, der sich wünscht, auch den Gröninger Weg zur ganztägigen Tempo-30-Zone zu machen. „Ich hoffe, das wird auch kontrolliert“, lautet ein anderer Kommentar. Die Freude liegt nicht nur bei den Anwohnern: „Ich wohne zwar nicht an einer dieser Straßen, benutze die aber sehr oft und finde die Beschränkungen sehr gut“, so ein Facebook-Nutzer. „An vielen Stellen geht es eh meist nicht viel schneller“, so ein anderer Beitrag.

Bei der Stadtverwaltung liegen nach Auskunft von Pressesprecherin Anette Hochmuth noch keine Erfahrungen über die Einhaltung der Tempolimits vor. Kontrollen sollen erst nach einer Eingewöhnungsphase starten. Sie bestätigt, dass es viele Reaktionen gab. Neben den Facebook-Posts seien auch Mails und Briefe, die sich kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt haben, bei der Stadtverwaltung eingegangen. Doch ebenso habe es auch Dankschreiben gegeben, in denen die Maßnahmen begrüßt wurden. Hochmuth: „In Untermberg hat uns ein Anwohner mitgeteilt, dass es sich jetzt schon viel besser leben lässt. Es scheint also doch zu wirken.“

 
 
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