Zwischen Gewächshäusern, aufgereihten Jungpflanzen und liebevoll gestalteten Infotafeln schlenderten die Besucher bei meist sonnigem Wetter über das Gelände des Ingersheimer Landwirts Schäfer. Immer wieder blieben sie an den Stationen stehen, stellten Fragen, diskutierten oder warfen einen Blick in die offenen Gewächshäuser. Beim Hoffest auf dem Biohof wurde Landwirtschaft anschaulich erklärt und erlebbar gemacht.
Gläserne Produktion Ingersheim Biohof öffnet die Türen für Besucher
Wie viel Handwerk, Planung und Technik in moderner Bio-Landwirtschaft stecken, zeigte der Landwirt Maximilian Schäfer am Wochenende beim Hoffest im Rahmen der „Gläsernen Produktion“.
Bereits zum zweiten Mal fand das Hoffest des Familienbetriebs statt. Solche Veranstaltungen seien gerade für Direktvermarkter wichtig, sagte Betriebsleiter Maximilian Schäfer. „Die Leute wollen einfach wissen, wo die Produkte herkommen.“ Genau diesen Einblick wolle der Hof seinen Besuchern bieten.
Mitarbeiter standen für Fragen bereit
Statt großer Gruppenführungen leitete in diesem Jahr ein Rundgang mit zahlreichen Stationen über das gesamte Gelände. An den einzelnen Punkten informierten Tafeln über Themen wie Jungpflanzenanzucht, Pflanzenschutz, Kompostierung oder Anbauplanung. Mitarbeiter standen für Fragen bereit, die Besucher konnten sich im eigenen Tempo durch die Gewächshäuser und über den Hof bewegen.
Die Änderung hatte einen praktischen Hintergrund: Beim ersten Hoffest im vergangenen Jahr waren die Führungen zeitweise von mehreren hundert Menschen besucht worden, berichtete Schäfer. „Da mussten wir aufsplitten, und nicht jeder hat alles mitbekommen.“ Das neue Konzept schaffe deshalb mehr Raum für individuelle Fragen und Gespräche.
Der seit Januar 2024 bestehende Biolandbetrieb bewirtschaftet nach Angaben des Betriebsleiters 28 Hektar mit Ackerbauflächen, Wiesen, Freilandgemüse und geschütztem Anbau unter Gewächshäusern. Rund 27 Menschen arbeiten auf dem Hof, darunter vier Saisonkräfte und zahlreiche Minijobber, die vor allem auf den Wochenmärkten eingesetzt werden. Diese spielen für den Betrieb eine zentrale Rolle. Fast 60 Prozent der Produkte vermarktet der Hof inzwischen selbst – auf sieben Wochenmärkten und im Hofladen, den „wir genau heute vor einem Jahr eröffnet haben“, erzählt Schäfer und ergänzt: „Das ist das Herzensprojekt meiner Frau.“ Im Sortiment finden sich vor allem frisches Obst und Gemüse sowie Eier, Molkereiprodukte, Getränke, Aufstriche und weitere regionale Produkte.
Dass Bio-Landwirtschaft weit mehr bedeutet als der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel, wurde auf dem Rundgang schnell deutlich.
Der Betreib setzt auf Klimasteuerung und Handarbeit
Der Betrieb unterliegt jährlichen Kontrollen, setzt auf Klimasteuerung und Handarbeit, gedüngt wird ausschließlich organisch. Beim Pflanzenschutz setzt der Hof beispielsweise auf Nützlinge. Gärtnergeselle Paul Nieder, zuständig für Gemüsebau, Klimacomputer und Bewässerung, erklärte das Prinzip: „Wir schauen in der Natur nach den Gegenspielern von Schädlingen und setzen diese dann gezielt ein.“ Gegen Blattläuse kommen etwa Schlupfwespen zum Einsatz, gegen Spinnmilben Raubmilben.
Für die Anbauplanung arbeitet der Betrieb mit digitalen Systemen, in den Gewächshäusern helfen Klimacomputer bei Temperatursteuerung und Bewässerung. Auch bei der Wärmeversorgung setzt der Hof auf ein Zusammenspiel aus erneuerbaren Energien und Reserve-Technik: Die drei Gewächshäuser werden über eine Hackschnitzelheizung beheizt, die anteilig mit eigenem Material betrieben wird. In sehr kalten Nächten kann zusätzlich eine Ölheizung zugeschaltet werden, die jedoch nur für wenige Stunden im Jahr läuft. Doch auch die Technik hat ihre Grenzen, so Schäfer: „Das menschliche Auge ist unabdingbar. Automatisierung nimmt viel Arbeit ab, sie kostet aber auch viel Geld – und der Mensch wird einfach immer noch gebraucht.“
