Gottesdienste dürfen stattfinden „Pfarrer sind sehr gefordert“

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Beten mit Maske: Die Kirchen, wie hier die Stadtkiche in Bietigheim, sind geöffnet, auch Gottesdienste dürfen stattfinden. Eine Frau nutzt die Zeit, alleine in der Kirche zu sein.⇥ Foto: Martin Kalb

Der Dekan des Kirchenbezirks Besigheim, Eberhard Feucht, bemerkt eine höhere Nachfrage nach Seelsorge.

Der Dekan des Kirchenbezirks Besigheim, Eberhard Feucht, sieht einen erhöhten Bedarf für seelsorgerische Tätigkeiten in der Pandemie.

Herr Feucht, Restaurants, Museen und Sportvereine müssen in diesem Lockdown schließen. Die Kirchen dürfen offen bleiben, ist das nicht ungerecht?

Eberhard Feucht: Ja, das kann man durchaus so empfinden, zumal Gastronomie, Kultureinrichtungen und sicher auch Sportvereine wirksame Schutzkonzepte haben. Hinzu kommt, dass freie Religionsausübung ein Grundrecht ist, dem hier vom Gesetzgeber Rechnung getragen wurde. Andererseits merken wir, wie wichtig, gerade in diesen Zeiten der Kontakt untereinander ist. Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen Möglichkeiten der Begegnung. Die Kirche bietet einen Schutzraum für die Menschen und die Möglichkeit, für kurze Zeit aus diesem Getriebe der Angst auszusteigen. Unser Auftrag ist es gerade in Krisenzeiten in den Gottesdiensten Trost und Stärkung anzubieten.

Wie reagieren die Kirchen auf den Lockdown? Gibt es besondere Angebote oder ändert sich etwas in den Gottesdiensten und Kirchengebäuden?

Als Kirche stehen wir aus Liebe zum Nächsten hinter allen Maßnahmen, die geeignet sind, das Virus einzudämmen. Wir tun alles dafür, die Besucher zu schützen und angemessen auf das Infektionsgeschehen zu reagieren. Dafür haben wir strenge Schutzkonzepte erarbeitet, so sind unsere Gottesdienste anders als gewohnt. Es gibt zum Beispiel keinen Gemeindegesang, aber es gibt immer Musik im Gottesdienst, da Musik für die Ausübung der Religion elementar ist. Wir beschränken uns bei allen Angeboten. Soweit möglich weichen wir auf Online-Formate aus, wir haben einen Predigtbriefkasten, dem man die jeweils aktuelle Predigt entnehmen kann. Wir tun weiterhin alles, damit alte, kranke und sterbende Menschen Kontakt mit den Seelsorgern haben.

Wie wichtig ist die Seelsorge in Zeiten des Lockdowns und mit welchen Problemen kommen die Menschen zu Ihnen?

Es besteht erhöhter Handlungsdruck und Gesprächsbedarf, das merken wir. Die Anliegen spiegeln die Lage der Gesellschaft wider. Existenzielle Sorgen finden sich ebenso wie Zukunftsängste oder auch materielle Nöte. Wir stellen einen erhöhten Beratungsbedarf fest in unseren diakonischen Beratungszentren oder bei der Telefonseelsorge. So ist die Kirche ein Rückzugsort, das gemeinsame Gebet ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht ist es eine Zeit, in der traditionelle Formen der Besinnung, wie das Beten beim Abendläuten, Mut machen. Im Kirchenbezirk Besigheim haben wir einen Krisenstab unter den Pfarrern eingerichtet, so dass wir sofort auf neue Gegebenheiten reagieren können.⇥

 
 
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