Es ist Immanuel Gröninger anzumerken, dass die Bottwartaler Winzer eine schwere Entscheidung treffen mussten. Die Genossenschaft hat ihre Weintanks mit einem Fassungsvermögen von mehr als zehn Millionen Litern verkauft, bestätigte der Vorstandschef gegenüber der BZ: Sie gibt damit den Ausbau ihrer eigenen Weine zu einem großen Teil aus der Hand. Rund 300 Stahltanks in den Hallen der Genossenschaft haben den Besitzer gewechselt. Verkauft wurden sie an eine spezialisierte Handelsgesellschaft, über den Preis schweigt sich der Vorstandschef aus.
Großbottwar Bottwartalkellerei verkauft ihre Tanks
Flächenschwund und Absatzrückgang: Die Genossenschaft bekommt die Krise am Weinmarkt zu spüren und muss handeln.
Der deutsche Wein verliert an Boden
Die Bottwartaler Genossenschaft reagiert damit auf die aktuelle Krise im Weinbau auf drastische Weise. Mit dem Verkauf baut sie Überkapazitäten ab. Die Gründe sind vielfältig: Immer weniger Menschen trinken immer weniger Wein. Zudem verliere der deutsche Wein an Boden gegenüber Weinen aus dem Ausland, erläuterte der Vorstandschef.
Das Problem betrifft die ganze Branche, alle verarbeitenden Betriebe seien auf eine gewisse Größe ausgelegt, sagt Gröninger. Erst vor einiger Zeit hatte beispielsweise die Besigheimer Felsengartenkellerei angekündigt, ihre Kapazitäten zurückzufahren, weil sie schlicht nicht mehr dem Volumen an Wein entsprechen, der in der Kellerei verarbeitet wird (die BZ berichtete).
Hinzu kommt der Verlust an bewirtschafteter Weinbau-Fläche. Der Bottwartalkellerei sind in den vergangenen Jahren rund 200 ihrer ehemals 500 Hektar Weinberge am Harzberg, am Forstberg, auf dem Wunnenstein und am Lichtenberg weggefallen. Entsprechend niedriger ist die Menge an angelieferten Trauben. Zwar ist die Zahl der Mitglieder laut Gröninger in etwa gleich geblieben, doch die Zahl der Bewirtschafter sei gesunken. In dieser Situation die Überkapazitäten zu halten, sei sinnlos.
Ein Grund ist die Altersstruktur der Mitglieder. Häufig bewirtschaften sie Weinberge im Nebenerwerb und haben bereits die Grenze von 70 Jahren überschritten. Jüngere Familienmitglieder rücken nicht nach. Und wenn fremdes Personal bezahlt werden muss, „dann reichen die Erlöse nicht aus“, sagt der Vorstandschef. Wie anderswo auch, zahlt die Genossenschaft weniger als 50 Cent für das Kilo Trauben, genauer wollte sich Gröninger nicht äußern.
Trollinger-Anlagen drücken den Absatz
Nicht jedem aufgegebenem Weinberg trauert der Vorstandschef hinterher. Viele alte Trollinger-Anlagen befinden sich darunter. Sie sind schwer vermarktbar und „drücken schon mal nicht mehr im Absatz“, sagt Gröninger. In den vergangenen Jahren habe die Bottwartalkellerei etwa zehn Prozent ihres Umsatzes verloren. Ein Rückgang, der durchaus „marktkonform“ sei, so die Wertung des Vorstandschefs.
Schon seit Jahren arbeiten die Bottwartaler Winzer mit der Württembergischen Zentralgenossenschaft in Möglingen, WZG, bei Verarbeitung und Verkauf des Weins zusammen. Etwa zwei Drittel des jährlich erzeugten Weins entstand bisher nach Vorgaben aus Großbottwar in den Kellern der WZG. Jetzt wird diese Kooperation verstärkt.
In der Kellerei selbst will man sich künftig auf die Premium-Weine konzentrieren. Sie werden in den Holzfässern erzeugt, die in Summe zwischen 50.000 und 60.000 Liter fassen und nicht verkauft wurden. Dagegen wird die gesamte Palette der „Schnellläufer im Sortiment“, die leichten und fruchtigen Weine, künftig in Möglingen verarbeitet. „Durch die WZG haben wir unseren Kostenanteil extrem gesenkt“, sagt Gröninger.
Noch sind die stählernen Tanks nicht aus den Hallen der Bottwartaler Winzer verschwunden. Das kann noch ein halbes bis ein dreiviertel Jahr dauern. Die frei werdenden Flächen sollen danach vermietet werden
