„Grünes Klassenzimmer“ in Ingersheim Lernen und Arbeiten im Freien

Von
Im Schatten des Windrades: Der Standort für das „Grüne Klassenzimmer“ der Schule Gröninger Weg liegt zwischen Kleiningersheim und Husarenhof. Im Vordergrund verläuft die Straße in Richtung Besigheim. ⇥ Foto: Jörg Palitzsch

Die Schule Gröninger Weg Bietigheim-Bissingen will auf einem Wiesengrundstück bei Kleiningersheim ein „Grünes Klassenzimmer“ einrichten.

Ein mit einem Holzzaun abgesperrtes Wiesenstück bei Kleiningersheim bot in der Sitzung des Ingersheimer Verwaltungsausschusses am Dienstag Grund zur Diskussion. Die Schule Gröninger Weg in Bietigheim-Bissingen, ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, ehemals Schule für Geistigbehinderte,  will auf dem Wiesenstück ein „Grünes Klassenzimmer“ einrichten. Schulleiter Heiko Brumme stellte  das Projekt im Ausschuss vor.  

Was ist geplant?

Das „Grüne Klassenzimmer“ soll einer Gruppe von sechs bis acht Kindern täglich die Möglichkeit bieten, mit Natur- und Bewegungserfahrungen außerhalb des Schulgebäudes zu lernen und zu arbeiten. Brumme will damit kein zusätzliches Klassenzimmer einrichten, sondern ein erweitertes Bildungsangebot für Schüler schaffen, weil sich viele zu wenig bewegen, ihre Bedürfnisse und Befindlichkeiten aber aktiv ausleben sollen. „Dies geht nur im praktischen Bereich“, so der Schulleiter.

Was steht auf dem Stundeplan?

Wie gewohnt Lesen, Schreiben, Rechnen, Sport, Musik und Kunst – aber gleichzeitig auch lebenspraktische und soziale Lernfelder mit klaren Arbeitsabläufen. Die Schülerinnen und Schüler werden individuell nach ihren Fähigkeiten unterrichtet und gefördert, daher gibt es in einer Klasse nur maximal sechs bis acht Schüler. 

Wie soll das „Grüne Klassenzimmer“ eingerichtet werden?

Auf dem Wiesengrundstück soll ein Bauwagen mit Solarzellen für Bücher und Spielmaterial Platz finden, ebenso sind eine Feuerschale, Hochbeete und ein WC vorgesehen. Zur Straße hin, die von Kleiningersheim in Richtung Besigheim führt, ist ein Maschendrahtzaun vorgesehen, aber auch höhere Hecken und Flächen mit Totholz, so Brumme. Entstehen soll ein Alljahresgarten, die Kinder sind somit bei jedem Wetter auf dem Grundstück.

Welche Aufgaben gibt es tagsüber für die Kinder?

Vermittelt werden sollen neben schulischen Inhalten und Projektarbeiten auch die Themen Naturschutz, Erfahrungen mit der Umwelt und Gartenarbeit. Der Umgang mit Werkzeugen gehört ebenso dazu wie das Arbeiten mit Ton, Erde und Steinen. Zu allen Arbeiten soll eine nachvollziehbare Beziehung hergestellt werden. „Alles soll mit der Natur einhergehen“, so der Schulleiter.

Wie wird für die Sicherheit der Kinder gesorgt?

Laut Heiko Brumme wird die Gruppe von zwei Erwachsenen betreut, und es sind immer zwei Pkw vor Ort.

Was meinen die Befürworter?
Christoph Leibrecht (FDP) sagte in der Ausschusssitzung, das „Grüne Klassenzimmer“ sei eine Bereicherung für die Kinder und für Ingersheim. Ursula Heinerich (CDU) rief dazu auf, an die Eltern zu denken, für die so eine Einrichtung eine große Entlastung darstelle, weil diese Eltern ein Vielfaches mehr leisten, als Eltern von Kindern, „die normal ticken“. 

Und die Kritiker?

Karl Seitz (FWG) sagte, das anvisierte Grundstück sei der „falsche Platz“. Man müsse an die landwirtschaftliche Nutzung der nahen Flächen denken. „Es wird gedüngt, gespritzt und es gibt Staub.“ Außerdem würde es ein reges Verkehrsaufkommen an der Straße geben, die direkt an dem Wiesenstück vorbeiführt. Dies sei zu gefährlich, „da oben nicht“, so Seitz. Brumme meinte darauf, man habe auch am Wald  gesucht, aber dort sei es mit der Einfriedung einer Fläche noch schwieriger.  Jürgen Fleischmann (FWG) warb um Verständnis. Man müsse die Bedenken der Landwirtschaft ernst nehmen, aber da man den Kindern  mit dem  „Grünen Klassenzimmer“ etwas Gutes tue, die Bedenken bezüglich der Verkehrssicherheit hinten anstellen. Das Projekt solle man  fördern.

Wie geht es weiter?

Nach der Vorstellung in Ingersheim ist das Projekt noch in der Planung, so  Brumme. Derzeit sei man im Stadium der Bauvoranfrage, Anträge müssen beim Bauamt gestellt werden, entscheiden werden letztendlich das Landratsamt und die Untere Naturschutzbehörde. Wenn alles klappt, könnte das „Grüne Klassenzimmer“ im Sommer 2022 in Kleiningersheim eingerichtet werden. 

 
 
- Anzeige -