Grünflächenmanagement in Bietigheim-Bissingen Es summt und brummt im Verkehrsgrün

Von Heidi Vogelhuber
Der Kreisverkehr im Gröninger Weg im Stadtteil Buch ist eine bunte Wiesenfläche und Teil des Grünflächenmanagements. ⇥ Foto: Martin Kalb

Kommunale Grünflächen können einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt leisten und Insektensterben entgegenwirken. Bietigheim macht seit den 1980ern vor, wie’s geht.

„Die kommunalen Grünflächen sind wichtig. Durch sie kann so viel geleistet werden für die Artenvielfalt“, erklärt Elke Grözinger vom Fachbereich Naturschutz und Landschaftspflege der Stadt Bietigheim-Bissingen im Gespräch mit der BZ. Bei einem Seminar kamen kürzlich die Vertreter von Stadt, der Umweltakademie Baden-Württemberg sowie des Landschaftserhaltungsverbands Landkreis Ludwigsburg im Kronenzentrum zusammen, um Kommunen, Bauhöfe, Straßenmeistereien und Stadtgärtnereien aus dem Kreis über nachhaltiges Grünflächenmanagement zu informieren. Die Stadt Bietigheim-Bissingen nämlich habe eine Vorreiterrolle eingenommen und könne von ihren Erfahrungen berichten, sagt Grözinger.

Vorreiterrolle der Stadt

Von den 31 Quadratkilometern Markungsfläche Bietigheim-Bissingens sind 190 Hektar kommunale Grünflächen, also etwa sechs Prozent. Bereits seit Mitte der 80er-Jahre pflege die Stadt ihr kommunales Grün im Außenbereich nachhaltig. Schon damals seien Rasenbereiche in Wiesenflächen umgewandelt worden, die nur zwei Mal jährlich gemäht und weder gedüngt noch gespritzt werden. „Das ist eine kostenlose Maßnahme mit großer Wirkung“, erklärt die Expertin. Der Wildbiene sei es egal, ob sie Pflanzen in einer Verkehrsinsel oder auf einer anderen Fläche anfliege – die Hauptsache sei, dass ihr ein Angebot gemacht werde. Man könne nicht über das Insektensterben klagen und nichts dagegen unternehmen. „Jeder Quadratmeter zählt“, fasst Elke Grözinger zusammen.

Bei der zweischürigen Hochgrasmahd ist entscheidend, dass die erste Mahd nicht vor der Blüte der Gräser und Wiesenkräuter (nicht vor Ende Mai, besser nicht vor Mitte Juni) erfolgt. Der zweite Schnitt sollte im Lauf des Septembers durchgeführt werden. Schmale Ränder zur Straße oder zum Weg hin, werden mehrschürig gemäht (Rasen).

Verkehrsinseln in Bietigheim-Bissingen etwa werden mit heimischem Saatgut und Wildkrautarten eingesäht, erklärt sie. Es komme zur Aussamung und die Pflanzen verbreiten sich eigenständig. Verunkrautete Pflasterflächen gehören auch zum Konzept dazu.

Ob es Probleme mit der Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung gebe? Nicht wirklich, sagt die Mitarbeiterin der Stadtgärtnerei. Natürlich gebe es immer jemanden, dem es zu viele „wilde Ecken“ im Stadtgebiet seien, aber auch Menschen, die gerne noch mehr Wildwuchs hätten. Wichtig sei jedoch, so Grözinger, dass beim Verkehrsgrün die Schilder nicht verdeckt und die Sicherheit nicht gefährdet werde, etwa an Zebrastreifen. Das behalten der Bauhof und die Stadtgärtnerei im Auge, kontrollieren und mähen gegebenenfalls regelmäßig. Auch werde von den Mitarbeitern darauf geachtet, nicht alles zeitgleich zu mähen. Für die Staffelmahd müsse zwar mehr geplant und koordiniert werden, für Insekten sei das aber entscheidend.

Das Hauptproblem bei der naturnahen Pflege des kommunalen Grüns sei das Mähgut. Der lange Grünschnitt, der durch das seltene Mähen entsteht, sei schwer loszubringen. „Wünschenswert wäre ein Kreislauf“, sagt Elke Grözinger. Wenn das gemähte Gras als Futter oder für die Biogutvergärung genutzt werden könnte, wäre das ideal. Die schlechteste Option sei die Entsorgung. Ganz davon abgesehen, dass es für die CO2-Bilanz nicht zuträglich ist, das Mähgut zur Deponie zu fahren, sei die Entsorgung auch noch teuer.

Was von Bürgern nicht so gerne gesehen werde, seien verblühte Streifen. Aber auch wenn bunte Blumen optisch natürlich ansprechender sind, seien verdorrte Stängel und verwelkte Pflanzen wichtige Rückzugsorte für Insekten.

Zusätzlich zum kommunalen Landschaftspflegeprogramm, für das der Gemeinderat jährlich 150 000 Euro bereitstellt, existieren seit 1992 auch die Förderprogramme Biotopverbund (die BZ berichtete). Diese fördern naturnahe Bewirtschaftung und Neuanlage von Biotopen auf Privatflächen. Dafür stellt die Stadt 40 000 Euro bereit.

 
 
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