Grundsteinlegung EZM in Bietigheim-Bissingen Moderne Energiezentrale mit integriertem Reallabor

Von Heidi Vogelhuber
Bei der Grundsteinlegung (von links): OB Jürgen Kessing, Lucas Reiber, Technischer Leiter bei den SWBB, Bürgermeister Michael Hanus und SWBB-Geschäftsführer Richard Mastenbroek mit der aktuellen BZ-Ausgabe, die ebenso in die Grundstein-Zeitkapsel gelegt wird wie die blaue Tafel. Foto: /Oliver Bürkle

Am Dienstag wurde der Grundstein der Energiezentrale Mitte (EZM) auf dem ehemaligen DLW-Areal gelegt. Teil der EZM ist auch ein Reallabor, das Bürgerinnen und Bürgern die Funktionsweise näher bringen und über eine nachhaltige Energieversorgung mit regenerativen Energiequellen informieren soll.

Fünf Monate nach dem Spatenstich ragen auf dem ehemaligen DLW-Gelände mit einer Größe von rund fünf Hektar die Rohbauten der neuen Energiezentrale Mitte (EZM) auf, in die die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen (SWBB) 15 Millionen Euro investieren. „Ein wichtiger Schritt für die Energieversorgung in Bietigheim-Bissingen“, sagte Bietigheims Oberbürgermeister Jürgen Kessing am Dienstag bei der offiziellen Grundsteinlegung. Das Bauvorhaben gehe mit großen Schritten voran und soll noch im November fertiggestellt sein. Die meisten Gewerke seien schon vergeben, daher rechnet Lucas Reiber, Technischer Leiter bei den Stadtwerken, mit keinen negativen Überraschungen. Der erste Testlauf der EZM mit ihrer innovativen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage (iKWK) soll im ersten Quartal 2023 erfolgen.

Unabhängiger weil agiler

Die neue Energiezentrale habe „einen hohen Unabhängigkeitsansatz“, bejaht der SWBB-Geschäftsführer Richard Mastenbroek, dass die EZM Bietigheim-Bissingen unabhängiger werden lasse von russischem Gas. Besonders sei der sogenannte „Fuel switch“, also die Tatsache, dass mit Verschiedenem geheizt werden könne – je nachdem, was gerade verfügbar sei, ob Biomethan aus der Biogasaufbereitungsanlage in Oberriexingen (das seit 2006 genutzt wird), Holzhackschnitzeln oder künftig auch Wasserstoff. Andererseits entstehe eine Versorgungssicherheit durch die Koppelung der beiden bestehenden Fernwärmenetze Buch und Kreuzäcker/Innenstadt durch die EZM. Der Durchstich zum Poststräßle unter dem Bahndamm ist mittlerweile fertiggestellt und bereit, die bestehenden Wärmenetze zu verbinden. Der Vorteil: Falls ein Heizkraftwerk ausfällt, können die anderen einspringen, erklärt Mastenbroek. Die Anlage besteht aus einem modernen Blockheizkraftwerk, einer Großwärmepumpe sowie einem Elektrokessel mit fünf Pufferspeichern. So sollen Schwankungen bei der PV- und Windstromerzeugung abgemildert werden. Als Wärmequellen dienen Solarstrahlung, Luft und künftig auch Enz-Wasser.

Bürgern die Technik zeigen

Im Betriebsgebäude soll auch ein Reallabor eingerichtet werden. „Ein Think-Tank mit multimedialer Ausstattung, der Interessierten näher bringt, was wir hier machen“, erklärt Mastenbroek. Eine Glasfront soll den Blick über das Bogenviertel ermöglichen.

Die EZM befindet sich im Dreieck zwischen den Bahnlinien Sachsenheim/Mühlacker und Besigheim/Heilbronn in direkter Nachbarschaft zum Backsteingebäude des alten DLW-Kraftwerks mit dem markanten Schornstein. Das Gebäude ist in Privatbesitz. Was dort entstehen soll – im Gespräch ist eine Bar oder Disko – ist noch nicht bekannt.

Technisches

Technik Bauabschnitt 1:
Abwärme-Wärmepumpe: Diese Wärmepumpe nutzt die Abwärme der BHKWs als Wärmequelle und bringt diese auf ein nutzbares Temperaturniveau.

Technik Bauabschnitt 2:
Holzhackschnitzelkessel mit Hackschnitzellager, Fördersystemen und Abgastechnik (Zyklonabscheider, Elektrofilter, ...)

 
 
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