Gummersbach steigt nach Sieg in Bietigheim auf Eine Aufstiegsparty in Blau und Weiß

Von Andreas Eberle
Die Mannschaft des VfL Gummersbach feiert vor der Fankurve den vorzeitigen Aufstieg in die Erste Handball-Bundesliga. ⇥ Foto: Marco Wolf

Der VfL Gummersbach bejubelt nach dem 34:26 in Bietigheim die Bundesliga-Rückkehr. Trainer Romero vermisst bei der SG BBM die Frechheit – und der am Kopf verletzte Claus muss ins Krankenhaus. Von Andreas Eberle

In der Bietigheimer EgeTrans- Arena herrschte am Samstagabend der blau-weiße Ausnahmezustand. „Nie mehr, Zweite Liga“, sangen die 50 mitgereisten Fans des VfL Gummersbach und feierten ihre Mannschaft – und die feierte kräftig mit. Kreisläufer Ellidi Vidarsson schlüpfte dabei in die Rolle des Taktgebers. Der Isländer schnappte sich eine riesige VfL-Fahne und schwenkte sie in bester Fan-Manier, während die Mitspieler und die Schlachtenbummler immer wieder gemeinsam die Arme zum Jubel in die Höhe rissen. Eine „Humba“ durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Mit einem souveränen 34:26-Sieg bei der SG BBM Bietigheim hatte der zwölfmalige Deutsche Meister in den 60 Minuten zuvor die Rückkehr ins deutsche Handball-Oberhaus perfekt gemacht. Nach den Patzern der Konkurrenz am Freitagabend ist dem VfL der Aufstieg bei fünf ausstehenden Saisonspielen nur noch rein theoretisch zu nehmen: wenn der Spitzenreiter nun alles verliert und die beiden Verfolger ASV Hamm-Westfalen und HSG Nordhorn-Lingen alles gewinnen und so nebenbei auch noch eine Tordifferenz von 125 und 137 Treffern aufholen. „Gummersbach war die beste und konstanteste Mannschaft in dieser Saison und hat sich den Erfolg verdient. Das ist ein Erstliga-Team“, stellte SG-Trainer Iker Romero anerkennend fest.

Wie schon beim 25:32 in der Vorrunde standen seine Schützlinge auch im zweiten Kräftemessen mit dem Überflieger der Liga auf verlorenem Posten. Die Gäste  aus dem Bergischen Land nutzten die  Abwehrschwächen der Schwaben vor allem in der ersten Hälfte gnadenlos aus. Selbst der zuletzt so stark haltende Nick Lehmann brachte diesmal kaum eine Hand an den Ball, weshalb ihn Coach Romero bereits nach einer Viertelstunde beim Stand von 7:11 (15.) auswechselte und Aushilfskeeper Pascal Welz nach acht Jahren Abstinenz zu einem Comeback für seinen Heimatklub verhalf (Extrabericht folgt).

Rückraum-Riesen treffen 16 Mal

Kurz vor der Pause ließ Christian Schäfer die Hoffnung auf einen Bietigheimer Außenseitersieg mit zwei Toren zum 16:19 wieder aufflackern. Der Rechtsaußen war auch noch zum 21:23 (38.) erfolgreich. Danach trumpften vor den 1810 Zuschauern aber wieder die Gummersbacher auf, allen voran die beiden Rückraum-Riesen des VfL: 2,03-Meter-Mann Janko Bozovic und der deutsche Nationalspieler Julian Köster (2,00 Meter) waren kaum zu bändigen und erzielten je acht Tore. Bietigheims Topwerfer war der spanische Spielmacher Juan de la Pena mit fünf Treffern. „Wir sind eine Mannschaft, die mit Selbstvertrauen und Frechheit auftritt. Das hat heute gefehlt. Wir hatten zu viel Respekt vor dem Gegner“, sagte Romero.

Verdacht auf Gehirnerschütterung

Besonders bitter endete der Abend für Dominik Claus. Der 26-jährige Rückraum-Rechte der SG kam nach einem Zweikampf mit Köster zu Fall und prallte mit dem Kopf gegen das Knie seines Teamkollegen Tim Dahlhaus. Nach einer längeren Behandlungspause wurde Claus schließlich benommen vom Feld geleitet und mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht. Die Aufstiegsparty des VfL und den blau-weißen Ausnahmezustand bekam er also nicht mehr mit. „Für mich ist heute wichtig, dass die Verletzung von Dominik nicht so schwer wird, wie wir zuerst befürchten mussten“, sagte Romero mit sorgenvoller Miene. „Ich hoffe, er wird schnell zurückkommen.“

Gummersbacher Fynn Herzig überwindet sein Bietigheim-Trauma

Die Bundesliga-Rückkehr ist dem VfL Gummersbach am Samstag ausgerechnet in der Arena gelungen, in der die Blau-Weißen den bittersten Moment ihrer Klubgeschichte erlebt haben: Im Juni 2019 stiegen Gummersbach und die SG BBM Bietigheim am letzten Spieltag nach einem denkwürdigen Herzschlag-Finale und einem 25:25-Unentschieden gemeinsam aus der Ersten Liga ab. „Als ich die Halle betreten habe, hatte ich gleich wieder die Bilder vor Augen, was hier vor drei Jahren passiert ist. Dass ich mit dem VfL jetzt wieder den Aufstieg geschafft habe, macht mich stolz. Wir haben Geschichte geschrieben – und ich habe mein Bietigheim-Trauma überwunden“, sagte Spielmacher Fynn Herzig, der als einziger Akteur aus dem aktuellen Kader schon damals im Ellental dabei war.

Die EgeTrans-Arena könnte für den gebürtigen Gummersbacher auch künftig ein schicksalsvoller Ort bleiben. In der neuen Runde spielt er für den HSC Coburg und somit weiterhin in Liga zwei. Nach 16 Jahren verlässt Herzig am Saisonende seinen oberbergischen Heimatverein, bei dem er alle Nachwuchsteams durchlaufen hat und es zu den Profis geschafft hat. „Natürlich ist der Abschied schade, und ich bin traurig. Aber einen besseren Abschluss hätte es für mich nicht geben können“, stellte das 23-jährige VfL-Eigengewächs fest.

 
 
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