Gymnasium Bönnigheim Märchen spannt den Bogen zwischen Bedrohung und Verlockung

Von Susanne Yvette Walter
Überall in Märchen drohen Gefahren, stellte die Märchencollage der Theater-AG des Alfred-Amann-Gymnasiums klar. Foto: /Oliver Bürkle

Die Theater-AG des Alfred-Amann-Gymnasiums führt eine Märchencollage auf.

Mit einem Satz springt der „Wolf“ mit sechs Menschenbeinen und einer Decke ins Bett der „Großmutter“ und lässt sie unter sich verschwinden - die Theater-AG des Alfred-Amann-Gymnasiums Bönnigheim hat am Mittwoch und am Donnerstagabend zu einer Märchencollage eingeladen und Rotkäppchen ist dabei.

Sinn und Logik von Märchen

Zwei Schülerinnen schlendern durch einen Märchenwald und diskutieren über Sinn und Logik im Märchen – das ist die Ausgangssituation. Sie kommen immer wieder an den Punkt, dass Märchen und Logik nicht zusammen passen, sondern dass die Handlung im Märchen symbolisch zu verstehen sei. Am Ende des Stückes, das die Theater-AG hat gemeinsam entstehen lassen, steht das Happy End, der Sieg des Guten über das Böse – wie so oft im Märchen. Im Wald verspeisen Hänsel und Gretel, Rotkäppchen, die Großmutter und Schneewittchen mitsamt ihrer Zwerge die Lebkuchen, die Hänsel und Gretel nach ihrer Befreiung aus dem Knusperhaus mitgenommen haben. Alle hocken zusammen, lernen sich kennen und wissen, dass sie vieles an Naivität ablegen dürfen.

Der Wald als Spielort

Nicht jedes angebotene Bett ist warm und sicher, nur weil es Federkissen hat. Der Wald als Spielort liefert neben weichem Moos, in das die Gretel so gern ihr Köpfchen bettet, besonders auch das Bedrohliche, Baumfratzen im Nebel und wilde Tiere. Das Publikum findet sich schnell in einer Welt zwischen Bedrohung und Verlockung wieder. Mystik und Romantik werden ohne belehrende Worte hinterfragt. Träumerei und Albtraum liegen ganz nah beieinander.

Es ist eine Traumwelt, die Weichen stellt. Das eigene Gewissen nimmt Gestalt an. Ein Engel versucht Schneewittchen noch davon abzuhalten, in den angebotenen vergifteten Apfel zu beißen und fühlt sich als Versager als dieser Versuch misslingt.

Die Premiere des Stückes „Im Märchenwald“ konfrontiert Eltern, Freunde der Schule und der Schauspieler mit dem eigenen Wunschdenken. Der rote Apfel symbolisiert Gesundheit und Vitalität – in Wirklichkeit ist er mit Gift gefüllt und bringt Schneewittchen beinahe um. Selbst Blumen und Vögel werden als Lockmittel missbraucht, um Schneewittchen von ihrem geraden Weg abzubringen. All das zeigen die jungen Schauspieler in kompakten Szenen mit schlichter Quader-Kulisse, die verschoben wird und schon öffnet sie einen Ofen, in den Gretel die Hexe stößt.

Am Ende darf das Hexenhaus aufgegessen werden und Lebkuchen werden verteilt. Philipp Albert und Regina Reitermayer, zwei Deutschlehrer, leiten die Theater-AG gemeinsam. Dabei sind Schüler von Klasse sieben bis zehn. Zehn Schauspieler entdecken hier ihr Talent: „Der Gedanke war, selbst ein Stück zu entwickeln, auf der Grundlage, die allen bekannt ist. Da diese Grundlage in Vergessenheit geraten kann, haben wir sie noch einmal zusammengefasst und eigene Texte aus der modernen Perspektive dazu gefügt“, erzählt Philipp Albert.

Seit Beginn des Schuljahrs tüftelt die Theater-AG des Bönnigheimer Gymnasiums an ihrem Stück. Zuerst betrachtete sie die drei Märchenklassiker unter der Lupe und schaute, was sie daran irritiert und was sie aus heutiger Perspektive anders erzählen würde.   Susanne Yvette Walter

 
 
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