Häfnerhaslacher Ortschaftsrat sagt Ja zu „Talaue“ Naturschutz kritisiert Baugebiet

Von Michaela Glemser
Hier soll gebaut werden und das neue Wohngebiet Talaue entstehen. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Der Planentwurf zur Häfnerhaslacher „Talaue“ mit 17 neuen Wohneinheiten ist trotz Einwänden erneut beschlossen worden.

Das öffentliche Interesse an der Sitzung des Ortschaftsrats in Häfnerhaslach war groß. Einziger Tagesordnungspunkt war der erneute Entwurfsbeschluss des Bebauungsplans „Talaue“.

Gegen das kleine Baugebiet mit insgesamt 17 Wohneinheiten am nordwestlichen Ortsrand von Häfnerhaslach regt sich in der Bevölkerung und bei den Anwohnern des benachbarten Wohngebiets „Gallenmichel“ Widerstand. Rund 170 Bürger haben eine Petition unterzeichnet, in der mehrere Kritikpunkte am neuen Baugebiet zur Sprache gebracht wurden. Auch bei der ersten öffentlichen Auslegung des Planentwurfs gab es zahlreiche Einwände.

Unter anderem haben die Fachleute von der Naturschutzbehörde des Landratsamts Ludwigsburg in ihrer Stellungnahme betont, dass es wünschenswert wäre, drei Flurstücke aus dem Planbereich herauszunehmen, um eine Pufferzone zwischen der Bestandsbebauung und den Naturschutzgebieten zu haben.

Baugebiet grenzt an Biotop

Das neue Baugebiet grenzt an die Riesenklinge mit ihrem Gehölzbestand, der als gesetzlich geschütztes Biotop kartiert ist. An dieses Gewässer II. Ordnung reichen das Vogelschutz- und FFH-Gebiet „Stromberg“ und das Landschaftsschutzgebiet „Kirbachtal“ heran. Mehrere Anwohner haben bei der Stadtverwaltung Fotos von geschützten Reptilien- und Amphibienarten eingereicht, die im Plangebiet oder der Riesenklinge vorkommen sollen. Ein von der Stadt beauftragtes Artenschutzgutachten kam zum Ergebnis, dass das intensiv genützte Grünland, auf welchem das Baugebiet entstehen soll, nicht als Habitat dieser Tierarten festgestellt werden konnte. Auch Beeinträchtigungen auf die Schutzgebiete seien durch die Bebauung nicht zu erwarten.

Allerdings muss entlang des Bachlaufs der Riesenklinge ab Uferoberkante ein fünf Meter breiter Gewässerrandstreifen eingehalten und geschützt werden. Eine „Umweltbaubegleitung“ soll die Baumaßnahmen im Plangebiet beaufsichtigen und an geeigneten Stellen Schutzzäune für Amphibien errichten lassen.

Die Erschließungsarbeiten dürfen nur vom 1. September bis 28. Februar umgesetzt werden, um die Vögel beim Brüten nicht zu stören. Der Hochbau darf außerhalb dieser Schutzzeit stattfinden. Die Beleuchtung der Baustellen und des späteren Wohngebiets soll tierökologisch verträglich sein. „Naturschutz ist mir ganz wichtig. Trotzdem handelt es sich hier, meiner Meinung nach, um ein kleines, feines Baugebiet, das sorgsam und behutsam entwickelt werden wird. Es geht uns darum, neuen Wohnraum zu schaffen und Häfnerhaslach weiterzubringen“, machte Bürgermeister Holger Albrich deutlich.

Retentionszisternen erforderlich

Einen weiteren Kritikpunkt zahlreicher Bürger, den der zuständige Planer Uwe Müller zu entkräften versuchte, war die drohende Überlastung der bestehenden Kanalsysteme und Retentionsbecken durch Oberflächenwasser des Baugebiets. „Private Retentionszisternen sind erforderlich und müssen neben einer  Regenwassernutzung auch ein Rückhaltevolumen vorhalten. Das Überlaufwasser ist an das zentrale Regenwassersystem anzuschließen. In das vorhandene Mischwassersystem wird das häusliche Schmutzwasser eingeleitet“, erklärte Müller. Moniert wurde ebenfalls die starke Neigung der Erschließungsstraße, die von der Straße „Im Gallenmichel“ abzweigt und an einem Wendehammer im neuen Baugebiet endet. Die Straße könne von einem dreiachsigen Müllfahrzeug befahren werden, das an der Wendeplatte auch drehen könne, so Müller. Wie der öffentliche, landwirtschaftliche Weg, der an der Wendeplatte verläuft, ausgebildet werden soll, soll bei der Erschließungsplanung festgelegt werden.

Bürgermeister beschimpft

Mit vier Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen haben die Häfnerhaslacher Ortschaftsräte den Planentwurf gebilligt, der im Januar 2022 erneut öffentlich ausgelegt wird. Um die Jahreswende 2022/2023 soll die Erschließung des Baugebiets „Talaue“ durchgeführt werden, sodass im Frühjahr 2023 die ersten privaten Baumaßnahmen beginnen können.

Zu einem kleinen Zwischenfall kam es noch zu Beginn der Ortschaftsratssitzung, als ein Bürger Bürgermeister Holger Albrich aufforderte, eine Bürgerfragestunde durchzuführen. Diesen Wunsch lehnte Albrich jedoch ab, worauf der Bürger mit einer Beschimpfung des Rathauschefs den Saal verließ.

 
 
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