Handarbeit Falz für Falz zum kleinen Kunstwerk

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Carola Rück macht aus alten Büchern kleine Kunstwerke. Jede Seite wird dabei nach einer bestimmten Vorlage geschnitten und gefalzt, bis am Ende ein Motiv zu sehen ist.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Carola Rück hat circa 180 Buch-Origami erstellt. Dabei wird jede Seite nach einem Muster gefalzt, bis ein Bild auf dem Buchblock entsteht.

Fein säuberlich wird das Blatt mit dem verschobenen langen Muster zwischen die Buchseiten gelegt. Hier ein Schnitt, da ein Schnitt, schon werden an den Schnittkanten kleine Ecken im rechten Winkel umgeklappt. Noch 200 Seiten, dann ist das Kunstwerk von Carola Rück fertig. Mit ein paar Handkniffen fertig sie beim Buch-Origami liebevoll gestaltete Bilder in Buchblöcke.

„Einige häkeln, sticken oder machen Puzzle. Ich falze Bilder in einen Buchblock,“ erklärt sie ihr Hobby. Was als Freizeitbeschäftigung vor drei Jahren begann, hat sie vor Kurzem als Kleingewerbe angemeldet. Immer mehr Freunde haben nach einem von ihr gestalteten Buchexemplar gefragt. Und so kam die Idee, diese auch zu verkaufen.

Bei der Herstellung sind keine Grenzen gesetzt, sagt sie. „Man kann zum Beispiel die Seiten bunt anmalen oder einzelne Buchstaben hervorheben.“ Je nachdem, welcher Effekt am Ende gewünscht ist. So sind die Ansätze der Buchstaben zu erkennen, wenn man den Falz der Seite recht tief legt. Oder ein Einhorn entsteht mit einem bunten Farbverlauf, da jede Seite eine andere Farbe besitzt.

Einige Exemplare, deren Muster nicht ganz so filigran und aufwendig sind, gehen Carola Rück schneller von der Hand. Dabei zeigt sie auf ein Buch, auf welchem ein Notenschlüssel erkennbar ist. „Das hat etwa zwei Stunden gedauert.“ Während sie bei ihrem Ehrenamt beim Technischen Hilfswerk oder der Tiernothilfe auf Einsätze wartet, hat Carola Rück Zeit, sich dem Buch-Origami zu widmen. Dabei ist auch besagter Notenschlüssel entstanden. Andere Exemplare hingegen nehmen viel mehr Zeit in Anspruch. So sitzt sie an den aufwendigeren Falzarbeiten bis zu 30 oder gar 60 Stunden. Sie zeigt ein Bild von einem Buch, das eine Uhr darstellt und bei dem sie sogar ein Uhrwerk eingearbeitet hat.

Grenzenlose Mustervielfalt

Meist arbeitet sie parallel an fünf bis sechs Büchern. „Ich lege auch mal eins für vier Monate weg wenn es sehr aufwendig ist. Dann mach ich eins was schneller geht.“ Insgesamt hat sie schon etwa 160 bis 180 Bücher-Origami fertiggestellt. Das war auch der Moment, an dem eine Freundin sie überredet hat, das Ganze professionell aufzuziehen und ein Gewerbe anzumelden. Über ihre Facebookseite „Caro’s Zeitvertreib“ sind viele ihrer Arbeiten zu sehen. Darunter auch Gesichter, verschiedene Tiere, Fahrzeuge wie ein Motorrad, Skylines, Fabelwesen, Herzen.

Die Muster entstehen allerdings nicht durch Ausprobieren oder Einzeichnen auf dem Buchblock. Als Carola Rück vor drei Jahren im Internet auf das Hobby gestoßen ist, kam sie auch auf ein bestimmtes Programm, das auf Excel basiert, welches beim Erstellen der Bilder hilft. „Ohne das Programm ist es schwierig“, sagt sie. Man habe ja nur das schmale Buch. Sobald das Muster entsteht, werde das Buch auf das Drei- bis Vierfache aufgefächert, erklärt sie. So hat man einen drei Zentimeter breiten Buchrücken, der später 12 Zentimeter vorne aufgeht. „Das umzurechnen ist sehr kompliziert.“ Das kostenpflichtige Programm „Orimoto“ hilft, die Vorlagen für das Buch-Origami zu erstellen. Anhand von Höhe, Seitenzahl und dem Muster wird eine Schablone produziert. Diese sieht wie das langgezogene Bild des späteren Faltwerks aus. Jede Seite erhält eine eigene Linie, auf der genau markiert wird, wo ein Schnitt oder ein Falz gemacht werden muss. Viel Werkzeuge braucht man für dieses Hobby also nicht. Ein Buch mit Hardcover, eine Schere und eine Klemmschiene.

Das Falzen der Seiten ist für sie ein bisschen wie meditieren. Vor allem in der aktuellen Zeit, sagt sie. „Das Schöne ist, die Bücher finden nochmal eine Verwendung. Es ist etwas besonderes.“  Man kann auch etwas Gutes damit erreichen, erzählt Rück. So hat sie für eine Freundin ein Buch-Origami erstellt, welches ein Frettchen zeigt. Bei einer Spendenaktion für den Tierschutz wurde das Buch für etwa 50 bis 60 Euro ersteigert. Das freut auch die Tierschützerin und lacht. „Meine Freundin hat dann wieder ein neues bekommen.“

 
 
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