Ein erschreckend ähnlicher Saisonstart liegt hinter der SG BBM Bietigheim und dem TBV Lemgo. Beide Teams gewannen in den ersten beiden Spieltagen gegen die HSG Wetzlar und verloren gegen den THW Kiel mit acht Toren. An diesem Sonntag treffen die beiden Teams nun um 16.30 Uhr in der Ege-Trans-Arena aufeinander und für einen Mann ist es ein besonderes Duell. Domenico Ebner stand von 2016 bis 2019 für die SG BBM im Tor, machte dort seine ersten Schritte als Profi und feierte im Ellental 2018 den Aufstieg in die Bundesliga. „Meine ersten Zweitligaspiele, den Aufstieg mit Bietigheim und dieses Abstiegsfinale mitzumachen, das war krass“, erinnert er sich. Nach Stationen in Hannover und zuletzt Leipzig hat es den Deutsch-Italiener vom Absteiger nun in das Lippische Land gezogen.
Handball-Bundesliga Bei Domenico Ebner „kommen Heimatgefühle auf“
Drei Jahre lang spielte der Torhüter bei der SG BBM Bietigheim. Nun steht er den Schwaben mit dem TBV Lemgo als Gegner gegenüber.
„Da kommen Heimatgefühle auf. Bietigheim war eine sehr prägende Zeit. Ich freue mich immer, von der Autobahn am Ikea runterzufahren und zu wissen: Gleich ist man in Bietigheim“, schwärmt der 32-Jährige über die Stadt und den Verein. Nicht nur auf Grund der Bietigheimer Vergangenheit ist Ebner gut mit der Region und dem Verein vernetzt. Seine Freundin Nicole Roth spielte selbst ebenfalls im Ländle, zuletzt 2024/25 bei der HB Ludwigsburg, bevor diese insolvent ging. Daher schielt der Torhüter regelmäßig auf die Ergebnisse seiner alten Jungs: „Bietigheim hat einen geilen Job gemacht. Dieses Jahr bin ich sehr überrascht, wie sie Wetzlar runtergekämpft haben. Wir sind letzte Saison auch dort gestartet, ich weiß, wie schwierig es da ist.“
Eine Sammlung alter Bekannter
Zum Klub ist Ebner daher noch immer gut vernetzt: „Ich habe immer noch sehr sehr guten Kontakt nach Bietigheim, der ist nie abgebrochen.“ Gerade mit seinem ehemaligen Torwart-Trainer Hans-Ulrich Kämpf, Ex-Kapitän Julius Emmerich und dessen Familie oder dem heute noch aktiven Dominik Claus spricht er häufig. Mit Letzterem feierte er 2018 den Aufstieg ins Oberhaus, damals auch dabei waren der zurückgekehrte Trainer Hartmut Mayerhoffer, der heutige Torwart-Coach Jürgen Müller (damals noch Ebners Keeper-Kollege) oder Nikola Vlahovic, aber auch mit Jonathan Fischer spielte er zusammen.
„Bei Dominik Claus merkt man schon, dass man schon viele Würfe nach dem Training genommen hat“, erinnert sich Ebner und weiß die Leistung des Linkshänders in den letzten Monaten und Jahren sehr zu schätzen: „Er hat sich krass zurückgekämpft nach seiner schweren Schulterverletzung. Er ist einer der Leader schlechthin. Ich kann mich nicht zurückerinnern, wann er mal ein schlechtes Spiel gemacht hat.“
Am Sonntag wird sein Ziel aber sein, Claus und Co. mal wieder das Leben schwer zu machen. Doch das liegt nicht nur an Ebner allein. In den ersten beiden Spielen der Saison hatte Ebners Keeper-Kollege Constantin Möstl die Nase vorne. Nicht nur, was die Spielzeit angeht (im Schnitt 35 zu 16 Minuten), sondern auch, was die Paraden angeht (elf zu sechs). Dennoch harmoniert das Duo sehr gut. „Wir verstehen uns sehr gut. Ich mag Constantin sehr, weil er das ausstrahlt, was ich auch ausstrahlen möchte“, erklärt Ebner und beschreibt den Österreicher als „positiv verrückt“. Beide Torhüter kommen über eine enorme Emotionalität und zünden bei jeder Parade die Halle an.
Harte Tage liegen zurück
Diese Emotionen benötigen die Lemgoer am Wochenende wohl auch, denn wie auch die SG BBM spielte der Vorjahresfünfte erst am Donnerstag in einer kräftezehrenden Parte gegen Wetzlar. „In der Bundesliga ist das Alltag. Wer das mal mitgemacht hat weiß, dass es schon öfter vorkommt“, blickt Ebner aber einigermaßen gelassen auf die Aufgabe. Am Freitag gab es für die Männer von Florian Kehrmann nur eine kleine regenerative Einheit, am Samstag dann vor der Busfahrt ein Videostudium. Der TBV reist nämlich bereits einen Tag früher ins Ländle, bleibt in Ludwigsburg im Nestor-Hotel stationiert und trifft dort auch auf den THW Kiel, der am Wochenende in Göppingen spielt und daher gleich mehrere Tage hierbleibt.
Zeit für Ausflüge, wie zum Beispiel zum Pferdemarkt, bleibt aber nicht für Ebner und die Lippischen. „Dafür sind wir Profi genug, da ist voller Fokus auf das Spiel angesagt“, macht der Keeper deutlich, der aber dennoch von einigen Freunden und Bekannten eingeladen wurde: „Wenn man länger bleiben würde, könnte man es sich überlegen. Aber so nicht.“
