Handball-Bundesliga Bietigheim ärgert den Rekordmeister lange

Von Niklas Braiger
Es ist ein Hauen und Stechen zwischen der SG BBM Bietigheim um Nikola Vlahovic (rechts) und Kiels Lukas Zerbe (links). Die Gäste haben am Ende die Nase vorn. Foto: Marco Wolf

Gegen den THW Kiel zeigt Bietigheim eine gute Vorstellung, die Norddeutschen haben aber den längeren Atem, als die Ellentäler.

Julian Köster, Andreas Wolff, Lukas Zerbe, Domen Makuc. Es ist ein Star-Ensemble, mit dem der THW Kiel am Donnerstagabend in der Ege-Trans-Arena aufläuft. Und der Rekordmeister der Handball-Bundesliga wird seiner Favoritenrolle am zweiten Spieltag gegen die SG BBM Bietigheim auch gerecht. Doch für den 36:28-Sieg müssen sich die Zebras mächtig strecken, denn lange Zeit sind die Hausherren nicht nur ebenbürtig sondern sogar besser.

„Ich habe auf der einen Seite einen eine Mannschaft gesehen, die ihr Herz vollkommen auf dieser Platte gelassen und einen extrem großen Kampf abgeliefert hat. Auf der anderen Seite ist die Niederlage mit acht Toren schon verflucht hoch, da waren wir definitiv näher dran“, resümiert SG-Coach Hartmut Mayerhoffer nach der Partie und ergänzt: „Wir haben unheimlich viel investiert und das macht sich irgendwann mal bemerkbar.“

Neuzugang Wucherpfennig liefert

Von Anfang an zündet die SG BBM die gut gefüllte Halle im Ellental an, allen voran Torhüter Martin Tomovski und der zu Beginn gut funktionierende Innenblock feiern jede gelungene Aktion ab. Über Neuzugang Lukas Wucherpfennig auf Außen, der nun seine Spielberechtigung erhalten hat, und auch Kreisläufer Jonathan Fischer kommt Bietigheim immer wieder zu leichten Toren, Mathias Larson auf der Mitte ist der kreative Kopf des Teams.

So ist es Wucherpfennig, der sich nach 13 Minuten einem Abpraller hinterherwirft und den Ball scheinbar mehr will, als Makuc. Der Kieler kann sich nur mit einem Foul behelfen, sieht dafür die Zwei-Minuten-Strafe und im Anschluss erhöht der Rechtsaußen der Schwaben auf 8:5. Kiels Abwehr findet in den ersten 20 Minuten kaum statt, auch Torhüter Gonzalo Perez de Vargas ist nicht gut im Spiel. Beim 11:7 – wieder durch Wucherpfennig – sieht sich THW-Coach Børge Lund zu einer Auszeit gezwungen, stellt die Abwehr um und bringt wenig später auch Andreas Wolff in den Kasten.

Plus drei zur Halbzeit

Das bringt den gewünschten Erfolg, Bietigheim kommt nun nicht mehr so leicht zu den eigenen Toren, es scheint den Gastgebern ein wenig die Luft auszugehen. So gleichen die Norddeutschen beim 16:16 erstmals aus (27.), gehen mit 17:16 erstmals in Führung (28.) und forcieren das Time-Out von Lunds Gegenüber Hartmut Mayerhoffer. Mit 16:19 geht es dennoch in die Kabine, in der die Hausherren frischen Wind bekommen. Nach Halbzeit-Übergreifend fünf Minuten ohne eigenen Treffer beendet Wucherpfennig die Durststrecke.

Doch Kiel und auch Nationaltorhüter Wolff haben sich nun gut auf die Angriffe der SG eingestellt. Leichte Tore, wie noch in Durchgang eins, gibt es kaum. Wucherpfennig egalisiert aber dennoch zum 20:20, bei der Vorlage wird Maxim Orlov allerdings im Gesicht getroffen – eine Zeitstrafe bleibt aus. Beim Aufstehen peitscht der Rückraumspieler die Ege-Trans-Arena noch einmal an.

Und der Großteil der 3597 Zuschauer macht das Ellental nun zum Hexenkessel. Tomovski heizt mit jeder einzelnen Parade dem Tollhaus weiter ein, vorne scheint Bietigheim nun neuen Mut geschöpft zu haben und spielt völlig befreit und unbekümmert. Wucherpfennig zum 23:21 (40), Lund mit der Auszeit, die Halle kocht. Doch wie in Durchgang eins hat der THW den längeren Atem. Die Zebras gleichen wieder aus und ziehen 14 Minuten vor Schluss wieder auf 28:26 vorbei.

Am Ende wirds deutlich

Der Innenblock um Fynn Nicolaus, Nikola Vlahovic oder Fabian Wiederstein geht nun auf dem Zahnfleisch, so auch Larson oder Dominik Claus im Rückraum. Der THW rotiert derweil munter um Makuc, Köster oder Emil Johansson – wohl dem, der so wechseln kann. Zehn Minuten vor Schluss scheint die Messe daher schon gelesen, vorne wird Bietigheim nun hektisch und unsauber, hinten nicht mehr griffig genug. Auch Tomovski, der zu Beginn der Halbzeit noch der X-Faktor der SG war, bekommt kaum mehr eine Hand an den Ball. Rune Dahmke, Europameister von 2016, erhöht auf 32:27 und da Wolff im Anschluss noch einen Siebenmeter von Maxim Orlov pariert, ist die Vorentscheidung gefallen (52.). Trotzdem gibt sich Bietigheim nicht auf, spielt couragiert zu Ende und muss sich mit 36:28 geschlagen geben.

 
 
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