Handball-Bundesliga Mit neuem Namen und neuen Spielern

Von Niklas Braiger
Als die SG BBM Bietigheim 2024/25 in der Handball-Bundesliga antrat, spielte Julian Köster (am Ball) noch in Gummersbach. Nun läuft er für den Rekordmeister THW Kiel auf. Foto: /Marco Wolf

Die Handball-Bundesliga startet in die neue Saison. Welche Teams haben nachgelegt, welche Teams mussten Spieler abgeben und welche Teams starten mit neuem Anstrich?

Es hat sich viel getan, seitdem die SG BBM Bietigheim letztmals in der Handball-Bundesliga zu Gast war – obwohl das nur zwei Jahre her ist. Damals trug die Liga noch den Namenssponsor Daikin, inzwischen ist nur noch von der Opel-HBL die Rede. Die Teams sind größtenteils gleichgeblieben, die Spieler in den Vereinen jedoch im schnelllebigen Handball-Geschäft keineswegs. Und auch auf den Bänken und hinter den Kulissen hat sich einiges getan. So ist Handball-Kultspieler Stefan Kretzschmar nicht mehr Sportlicher Leiter der Füchse Berlin, auch Erfolgstrainer Jaron Siewert, der 2024/25 noch Meister mit den Reineckendorfern geworden ist, musste den Fuchsbau überraschend vor einem Jahr verlassen.

Magdeburg eine Liga für sich

Auch deshalb ist Meisterschaftskandidat Nummer eins in diesem Jahr wieder der SC Magdeburg, der sich bereits im Supercup am vergangenen Wochenende den ersten Titel der Spielzeit sichern konnte – gegen die massivst überforderten Füchse. Der SCM hält unter Trainer Bennett Wiegert weiterhin an der gewohnten Marschroute fest: Den Spielerkern zusammenhalten, an ein bis zwei Stellschrauben drehen und leichte Veränderungen im Kader tätigen. So hat Magdeburg mit Sergey Hernandez im Tor (Barcelona) und Tim Hornke auf Außen (Karriereende) nur zwei wirkliche Stützen der vergangenen Saison verloren, auch wenn die Abgänge von Nikola Portner oder Christian O’Sullivan schmerzen. Mit Dominik Kuzmanovic vom Ligakonkurrenten aus Gummersbach oder Rückkehrer Antonio Serradilla aus Stuttgart konnte der amtierende Meister diese Lücken adäquat stopfen.

Ganz anders sieht es bei den Füchsen aus. Das Team von Handball-„Napoleon“ Bob Hanning scheint sich verzockt zu haben und nun in einem Übergangsjahr zu sein. Denn für die Saison 2027/28 kommen mit Dika Mem (Barcelona) oder Simon Pytlick (Flensburg) zwei absolute Ausnahmespieler für den Berliner Rückraum. Bis dahin ist allerdings Schadensbegrenzung angesagt. Denn Lasse Andersons Abgang konnte Berlin nicht kompensieren, so stehen die Männer aus der Hauptstadt mit einem eng gestrickten Rückraum-Korsett da. Auch der Verlust von Top-Keeper Dejan Milosevljev könnte noch sehr teuer werden.

Die Nordrivalen rüsten auf

Das öffnet die Tür zu Platz zwei und einem Champions-League-Startplatz für die Konkurrenz. Der THW Kiel (vergangene Saison nur enttäuschender Sechster) hat aufgerüstet, Domen Makuc (Barcelona) und Julian Köster (Gummersbach) als Verstärkungen für die Halb-Positionen geholt und kaum Qualität verloren. Einzig bleibt abzuwarten, wie der neue Trainer Börge Lund bei den Zebras einschlägt, nachdem Filip Jicha im Sommer entlassen wurde. Aber auch der größte Rivale, die SG Flensburg-Handewitt schläft nicht. Die Abgänge von Nationalmannschaftskapitän Johannes Golla und dessen Kreisläufer-Kollegen Lukas Jörgensen lassen zwar kritisch auf die SG blicken, dafür ist der Rückraum mit dem neuverpflichteten Aymeric Minne so stark wie nie.

Wieder oben mitmischen will auch der Vorjahresvierte VfL Gummersbach, der zwar Köster, Kuzmanovic und auch Olympiasieger Kentin Mahe (Rhein-Neckar Löwen) verloren hat, dafür aber mit Alex Dujshebaev viel Erfahrung, sowie Nikola Roganovic und Gardar Sindrason spannende Talente an Land gezogen hat. Auch der European-League-Sieger Melsungen hat berechtigte Ansprüche auf die Top vier. Mit Golla, Alex Dujshebaevs Bruder Daniel und dem Schweizer Talent Luca Sigrist ist der Kader in der Spitze verstärkt, allerdings haben die Nordhessen in der Breite viel Qualität abgegeben.

Beständigkeit im Schwabenland

Unter anderem ging Amine Darmoul zum TVB Stuttgart, der dort nun mit den beiden Häfner-Brüdern Max und Kai im Rückraum schalten und walten soll. Die Männer aus der Landeshauptstadt könnten ebenso wie Lokalrivale Frisch Auf Göppingen noch eine Schippe drauflegen im vergleich zum Vorjahr. In beiden Kadern gab es kaum Bewegungen, die Trainer Misha Kaufmann (TVB) und Ben Matschke (Göppingen) können ihr gewohntes System in der Sommerpause also nun weiter verfeinern und den Blick auf die obere Tabellenhälfte wagen. Das soll auch den Männern aus Hamburg gelingen. Die sorgten im Sommer allerdings nicht durch Transfers für aufsehen, sondern durch einen kompletten Neuanstrich. Ab dieser Spielzeit heißt der frühere HSV Hamburg nun HC Hamburg. Inklusive neuem Logo und neuen Trikots wolle man sich damit noch deutlicher vom Fußballverein an der Elbe abgrenzen und in eine neue Ära starten.

Sextett gegen den Abstieg

Das Image als Kellerkind haben in dieser Saison derweil sechs Teams inne. Neben der SG BBM ist auch Mitaufsteiger HBW Balingen-Weilstetten natürlich mitten im Mix. Auch das nächste schwäbische Team baut auf Konstanz, Trainer Matti Flohr stellt einem Neuzugang, dem Champions-League-Erfahrenen Keeper Valdimir Cupara, nur zwei Abgänge gegenüber. Cupara steht künftig neben dem früheren Bietigheimer Daniel Rebmann im Kasten. Deutlich mehr Aufruhr gab es dafür bei der HSG Wetzlar. Sieben Neue, zwölf Abgänge und Kapitän Dominik Mappes hat sein Amt niedergelegt sorgen für Unruhe in Hessen.

Auch der ThSV Eisenach und vor allem der HC Erlangen sind nach einer holprigen Rückrunde wieder im Abstiegs-Mix dabei. Der HCE litt aber vor allem unter heftigem Verletzungspech. Beim Bergischen HC bleibt abzuwarten, wie der Klub zum ersten Mal mit dem internationalen Geschäft klarkommt. Die Männer aus Wuppertal sind nach dem überraschenden zweiten Platz im DHB-Pokal 2025/26 für die European-League qualifiziert.

 
 
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