Erst am vergangenen Freitag haben die Handballerinnen der HB Ludwigsburg ihr erstes Testspiel gegen FA Göppingen mit 31:26 gewonnen. Als erstes Saisonhighlight ist für den 23. August der Supercup in München angesetzt. Doch die sportliche Entwicklung beim amtierenden deutschen Meister und erfolgreichsten Team der vergangenen Jahre rückt mit einem Schlag plötzlich in den Hintergrund.
Handball HB Ludwigsburg stellt Antrag auf Insolvenzverfahren
Paukenschlag beim deutschen Meister: Die HB Ludwigsburg GmbH & Co KG hat einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt und steht vor einer ungewissen Zukunft.
Denn offenbar plagen die Barockstädter ungeahnte finanzielle Schwierigkeiten. Die scheinen ein derart großes Ausmaß angenommen zu haben, dass am Montag beim Amtsgericht Ludwigsburg (Aktenzeichen: 6 IN 510/25) der Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt wurde. Wie der öffentlichen Bekanntmachung zu entnehmen ist, wurde der Stuttgarter Rechtsanwalt Dr. Holger Leichtle (Kanzlei Görg) zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Ihm fällt laut Wortlaut des Beschlusses nun die Aufgabe zu, „durch Überwachung der Schuldnerin deren Vermögen zu sichern und zu erhalten.“
Offizielles Statement soll folgen
Bei der HB Ludwigsburg wollte man sich am Dienstag nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern. Nur soviel war aus der Geschäftsstelle an der Pflugfelder Straße 22 zu hören: Man arbeite derzeit an einem offiziellen Statement, das nach Rücksprache mit dem Insolvenzverwalter und Anwalt voraussichtlich am Mittwoch veröffentlicht werden soll.
Erst dann dürfte klarer werden, wie und ob es mit Spitzenhandball in der Barockstadt weitergeht. Bis dahin bleibt noch völlig unklar, welche unmittelbaren und langfristigen Konsequenzen der nun bestrittene Weg für den Klub haben wird. Denn ob ein Insolvenzverfahren überhaupt eröffnet wird, ist noch unklar. Es handelt sich zunächst nur um die Eröffnung eines Verfahrens, in dem eben genau geprüft werden soll, „ob ein nach der Rechtsform der Schuldnerin maßgeblicher Eröffnungsgrund vorliegt und welche Aussichten für eine Fortführung des schuldnerischen Unternehmens bestehen“, wie sich dem Beschluss des Amtsgerichts Ludwigsburg entnehmen lässt.
Ursachen noch unklar
Schlussfolgerungen auf die tatsächlichen Auswirkungen auf den Klub und die Fortführung des Spielbetriebs können allein durch einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren nicht getroffen werden. Doch den Schritt zur Eröffnung eines solchen Verfahrens macht man sich in der Regel nicht leicht, ganz egal ob als Sportverein oder mittelständisches Unternehmen. Geschäftsführer Sebastian Götz ist am 30. Juni aus seinem Amt ausgeschieden. Ein Nachfolger wurde nicht präsentiert.
Eine gewisse (im Idealfall temporäre) finanzielle Schieflage scheint jedenfalls vorzuliegen bei den deutschen Vorzeige-Handballerinnen der letzten Jahre. Denn den Frauen-Handball hat national kein anderer Verein so geprägt wie die HB Ludwigsburg, die aus der SG BBM Bietigheim hervorgegangen ist.
Nonplusultra in Deutschland
Seit Mitte der 2010er Jahre waren die ursprünglich in Bietigheim beheimateten Handballerinnen das Nonplusultra im deutschen Frauen-Handball. Größter Unterstützer des Teams war und ist als Hauptsponsor die Firma Olymp. Als Mitbegründer und -gesellschafter der Olymp Bezner KG fungierte der Bietigheimer Eberhard Bezner auch als Beiratsvorsitzender der SG BBM Frauen GmbH. Auf Anfrage der BZ wollte auch Bezner sich nicht zu den aktuellen Entwicklungen äußern.
Noch in Bietigheim und unter dem Namen SG BBM feierte man vier Deutsche Meisterschaften, drei Pokalsiege, und vier Triumphe im HBF-Supercup. Auch international wurde der Gewinn der EHF European League erreicht. Erst im vergangenen Jahr wurde die Lizenz an die HB Ludwigsburg übertragen. Auch in der Barockstadt blieben die Handballerinnen erfolgreich und gewannen sämtliche nationale Titel.
Wie gravierend nun die Folgen für die HB Ludwigsburg nun sind, wird sich erst noch zeigen müssen. Allein die Nachricht hat für viel Wirbel gesorgt und lässt Arges befürchten.
