Handball Klare Rollenverteilung im Lokal-Duell

Von Niklas Braiger
Paul Krügele lief in der vergangenen Saison noch für die A-Jugend der SG BBM Bietigheim auf. Der 19-Jährige ist auch mit einem Profi-Vertrag im Ellental ausgestattet, aktuell aber an den HC Oppenweiler/Backnang ausgeliehen. Foto: Marco Wolf

Das Spiel zwischen Bietigheim und Oppenweiler ist die Begegnung zwischen dem Spitzenreiter und dem Schlusslicht der zweiten Bundesliga. 

Ein richtiges Derby ist es nicht, zwischen der SG BBM Bietigheim und dem HC Oppenweiler/Backnang. Denn dafür fehlt eine wirkliche Rivalität der beiden Vereine. Stattdessen ist die Partie der beiden tabellarischen Gegensätze in der 2. Handball Bundesliga an diesem Freitagabend (19.30 Uhr) ein reguläres Lokal-Duell. Abgesehen von der Fan-technischen Würze fehlt zudem noch die Spannung. Denn bei der Partie in der Ege-Trans-Arena erwartet der Spitzenreiter und Absteiger das zu dieser Saison aufgestiegene Schlusslicht.

Ungeschlagen gegen sieglos

Bietigheim thront nach dem Auswärtssieg in Hagen am vergangenen Wochenende über allen 17 anderen Teams. Zuhause haben die Ellentäler zudem noch keinen Punkt abgegeben – sechs Spiele, sechs Siege. Nun soll gegen Oppenweiler der siebte Heimerfolg her. Die Gäste kommen derweil mit dem Rücken an der Wand an die Enz. Sie tragen seit Saisonbeginn die Rote Laterne, haben insgesamt nur zwei Punkte dank zwei Unentschieden gesammelt, sind seit acht Spielen sieglos und konnten auswärts noch keinen Blumentopf gewinnen.

Dennoch darf die Sieben von Coach Iker Romero den kleinen Handball-Bruder aus der Nachbarschaft keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Zwar hagelte es schon deutliche Klatschen (28:41 in Großwallstadt), dafür haben sich die Männer von Tobias Klisch und Volker Blumenschein, die Mitte Oktober das Ruder übernahmen, auch bereits sehr gut präsentiert und die großen Namen beinahe ins Straucheln gebracht. Bietigheims ärgster Verfolger Dresden gewann in der Murrtal-Arena nur mit einem Treffer, auch Coburg (aktuell Achter) kam nicht über ein Remis hinaus.

Ein besonderes Duell wird es für gleich zwei Spieler. Ein Mal Paul Krügele. Der Flügelspieler kehrt am Freitagabend wieder in seine alte Heimat zurück. Seit neun Jahren ist er Teil der Bietigheimer Handball-Familie, durchlief sämtliche Jugendmannschaften und spielte sich in die A-Jugend-Bundesliga. Im Sommer verlängerte er seinen Vertrag um zwei Jahre, im ersten Jahr wurde er aber um Spielpraxis zu sammeln nach Oppenweiler ausgeliehen. Dort bekommt der Linksaußen auch einiges an Spielzeit, trifft regelmäßig und darf Selbstvertrauen tanken. Denn ab 2026 soll er fest im Kader der SG stehen – dann hoffentlich wieder zurück in der Bundesliga.

Krügele auf Vlahovics Spuren

Ein weiterer Akteur – aber auf der anderen Seite – kennt den Gegner am Freitag ebenfalls bestens. Nikola Vlahovic war in den Spielzeiten 2018/19, 2019/20 und 2021/22 für den HCOB unterwegs und war, so wie auch Krügele aktuell, von Bietigheim aus an den Nachbarn ausgeliehen. In diesen zweieinhalb Saisons kam Vlahovic auf 33 Spiele und erzielte 88 Treffer für Oppenweiler. Dieses Experiment ging bestens auf, der ursprüngliche Hemminger kam mit breiter Brust zurück ins Ellental und ist seitdem vor allen Dingen aus dem Abwehrverbund der SG nicht mehr wegzudenken.

Bollwerk dank Vertrauen

Auch er ist daher einer der Gründe, warum die Defensive aktuell so gut in Bietigheim steht. „Jeder weiß, was er in der Abwehr zu tun hat, und jeder vertraut dem anderen zu 100 Prozent. Wir setzen die Gegner durch viel Beinarbeit permanent unter Druck und zwingen sie so zu Fehlern“, erklärt der Abwehr-Spezialist und ergänzt: „Dazu kommt unser Torhüterduo, das super hält und sich perfekt ergänzt. Über die Jahre haben wir so viel Vertrauen in unser System entwickelt, dass wir uns in jedem Spiel darauf verlassen können.“

 
 
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