Handball regional Köhle: „Die Lizenz bleibt im Süden“

Von Niklas Braiger
Christian Köhle ist mittendrin, die abgestürzte HB Ludwigsburg wieder neu zu formen. Die Lizenz des Insolvenz-Klubs soll an einen anderen Verein gehen. Foto: Marco Wolf

25.000 Euro Strafe muss die HB Ludwigsburg an die EHF nach der Insolvenz zahlen.

Der Staub über der Insolvenz der HB Ludwigsburg hatte sich so langsam eigentlich gelegt. Lange hörte man nichts mehr aus dem Lager des Pleite-Meisters, nach dem Aus im Sommer. Doch nun hat die Europäische Handball Föderation den ehemaligen Frauen-Bundesligist noch einmal eine Strafe verhängt. 25.000 Euro muss das ehemalige deutsche Top-Team an die EHF zahlen. Grund dafür ist der Rückzug aus der Champions-League in Folge der Insolvenz. „Zusätzlich wird der Klub für zwei Saison von der Teilnahme in jeglichen EHF-Vereinswettbewerben, inklusive der Qualifikation, ausgeschlossen“, heißt es im Statement des Verbands.

Weitere Zahlungen stehen aus

Um diese Summe kümmert sich weiterhin der Insolvenzberater Holger Leichtle, der noch immer alle Hände voll zu tun hat. Allerdings ist er nicht der Einzige, der hinter den Kulissen am Neuaufbau arbeitet. Auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende Christian Köhle ist mächtig involviert. „Ich kann nur soviel sagen, dass noch Zahlungen von der EHF an die HB Ludwigsburg ausstehen, die diese Summe von 25.000 Euro überschreitet“, erklärt er.

Laut BZ-Informationen sollen auch noch andere Rechnungen unbezahlt auf dem Tisch liegen. So haben Mitarbeiter, Helfer oder Hallensprecher noch offene Beträge, die ihnen der Verein eigentlich überweisen müsste. „Das liegt alles bei Herrn Leichtle“, erklärt Köhle, der aber weiß: „Das Inventar wurde in einer professionellen Auktion versteigert.“ Was mit dem Erlös passiere, wisse er aber nicht und verweist wieder auf den Insolvenzverwalter.

Doch neben all der Geld-Thematik geht es für ihn und die Kollegen auch darum, für die Lizenz der HBL einen neuen Abnehmer zu finden und ein neues Team aufzubauen. „Es gab Pläne am Standort Ludwigsburg mit einer Drittliga-Mannschaft zu starten“, schildert Köhle. So habe man in einer Projektgruppe Konzepte erarbeitet und diese vor der Ludwigsburger GBR präsentiert. „Es gab einen kritischen Rückblick und einen positiven Ausblick auf einen Drittliga-Standort“, berichtet der Vorstandsvorsitzende. Nach einer Beratung sah die GBR jedoch nicht den Mehrwert einer Frauenmannschaft in Liga drei.

Welches Team wird es?

Seitdem werden neue Optionen abgewägt. „Wir haben zwei Interessenten, die sich selbst ins Spiel gebracht haben. Da sind wir in den finalen Zügen“, sagt Köhle und verspricht: „Die Lizenz bleibt im Süden und wird bespielt.“ Der Weg, die Lizenz auf einen anderen Verein zu übertragen, wäre der Gleiche wie damals von der SG BBM Bietigheim in die Barockstadt. Auch der Baden-Württembergische Handball-Verband (BWHV) sei an der Sache beteiligt, welche Mannschaft es am Ende wird, wolle man vonseiten der HBL aber nicht sagen.

Klar ist aber, dass eine neue Mannschaft nicht in Liga zwei starten wird. „Das Budget in der Kürze der Zeit nachhaltig zu generieren, wäre nicht möglich“, so Köhle, der nicht alleine am Projekt „Wiederaufbau“ arbeitet. Gemeinsam mit dem ehemaligen sportlichen Leiter Kornej Weibert, und Sportdirektor Gerit Winnen sind bekannte Gesichter an Bord. Auch ein „engagiertes Mitglied der HB Ludwigsburg, das Geschäftsführer in einem mittelständigen Unternehmen ist“, wirkt mit, wie Köhle verdeutlicht.

Keine Kraft für die WM

Der Stachel der Insolvenz sitzt bei dem 41-Jährigen noch immer tief und lässt ihn emotional nicht los. Auch deshalb konnte er bisher noch nicht in vollem Umfang die Heim-Weltmeisterschaft der deutschen Frauen genießen. Nur an einem Spieltag ohne deutsche Beteiligung war er in der Stuttgarter Porsche-Arena. Dennoch fiebert er auch mit den Ex-HBL-Spielerinnen mit, die am Freitag erstmals seit 18 Jahren wieder in einem Halbfinale stehen.

 
 
- Anzeige -