Mit der HSG Blomberg-Lippe steht Nicole Roth aktuell auf Tabellenplatz eins in der Handball-Bundesliga. Ungeschlagen führt die letztjährige Torhüterin der HB Ludwigsburg aktuell das Oberhaus an und knüpft mit ihrer Leistung an die vergangene Saison in der Barockstadt an. Auch in der EHF European League, dem zweithöchsten internationalen Wettbewerb nach der Champions League, hat sich die HSG gegen Valur Reykjavik in Qualifikationsrunde Drei durchgesetzt und steht nun in der Gruppenphase. Nur ein Pflichtspiel verlor Roth diese Saison: Den Auftakt im Supercup gegen den Thüringer HC.
Handball Trotz Top-Saison nicht für den WM-Kader nominiert
Tabellenführerin, Pokal-Halbfinalistin, amtierende Double-Siegerin. Trotz dieser jüngsten Erfolge ist Nicole Roth nicht im Aufgebot für die Heim-WM.
Noch ein weiter Weg bis zum Titel
„Wir überwintern auf jeden Fall auf Platz eins, das ist schön zu sehen. Aber es ist immer noch die Vorrunde, wir wissen alle, dass die Playoffs noch mal etwas anderes sind“, erklärt die 30-Jährige, die auch 2017/18 schon im Ländle bei der SG BBM Bietigheim zwischen den Pfosten stand und damals ihren ersten Meistertitel als Zweiter nur knapp verpasste. In der vergangenen Saison holte sie sich mit der HBL dafür das erste Mal die Schale.
Gemeinsam mit Melanie Veith bildet die gebürtige Nürnbergerin eines der besten Torhüterinnen-Gespanne der Liga, für Bundestrainer Markus Gaugisch reicht das wohl dennoch nicht aus. In der vergangenen Rückrunde spielte sie sich fest ins National-Team und stand bei Lehrgängen im März und September noch im DHB-Kasten. Zur Heim-Weltmeisterschaft der Frauen in nicht einmal einer Woche steht Roth allerdings nicht im 17er-Kader. Stattdessen haben Sarah Wachter und Katharina Filter den Vorzug des Nationalcoaches bekommen, der selbst von 2020 bis 2023 bei der SG BBM an der Seitenlinie stand. „Markus wird seine Gründe haben. Wenn er das Duo für die WM dabei haben möchte, kann ich nichts dazu sagen“, erklärt Roth.
Trotzdem überrascht die Nicht-Nominierung etwas. Einerseits ist Katharina Filter nur zweite Wahl bei ihrem Klub Team Esbjerg in Dänemark. Hinter Anna Kristensen bekommt sie zwar in der Liga ihre Einsätze, in der Champions League ist hat die Dänin aber klar den Vorrang. Bis auf wenige Ausnahmen – wie das Heimspiel gegen Borussia Dortmund und Sarah Wachter, ist Kristensen klar die Nummer eins, teilweise sieht Filter hier nicht einmal das Feld. Andererseits nimmt Gaugisch statt drei möglichen Keeperinnen lieber zehn Rückraumspielerinnen mit zur Heim-WM, die ab dem 26. November auch in Stuttgart stattfinden wird. Der Bundestrainer baut also wohl mehr auf Alternativen im Rückraum und eine gute Rotation auf den Halb-Positionen, statt einer weiteren Absicherung im Kasten.
Zeit für sich nach viel Stress
Roth will in der WM-Pause aber nicht nur tatenlos ihren Nationalmannschaftskolleginnen zusehen. „Die Zeit wird mir gut tun zum Resetten und Verarbeiten“, erklärt sie. Denn hinter ihr liegen turbulente Monate: Nach dem Insolvenz-Aus der HB Ludwigsburg hat sie sich schnell in Blomberg einfinden müssen, „gerade der Supercup war super schwierig. Das war schon noch mal etwas anders, da es so frisch war“, sagt Roth.
Doch anstatt Trübsal zu blasen, blickt sie bereits nach vorne. Zwar wird sie nicht mit der Nationalmannschaft in der Stuttgarter Porsche-Arena bei den Vorrundenspielen gegen Island, Serbien und Uruguay zu Gast sein, dafür aber nächstes Jahr im Frühjahr. Denn am 14. und 15. März 2026 steht wieder das Final-Four im DHB-Pokal an, für das sich Roth und die HSG Blomberg-Lippe qualifiziert haben. „Ich freue mich jedes Mal, da zu spielen. Es ist immer wieder etwas Schönes, im Final-Four zu spielen und den Pokal zu verteidigen – oder ihn neu zu gewinnen“, so Roth, die bereits einiges an Pokal-Erfahrung hat. Die Auslosung für das Halbfinale steht noch aus.
Roth wartet noch auf den Gegner
Zum siebten Mal steht sie mit ihrem Team unter den besten vier. Ein Mal mit der SG BBM Bietigheim, dem Thüringer HC und der HB Ludwigsburg, zwei Mal mit der TuS Metzingen und dem HC Leipzig und nun zum ersten Mal mit Blomberg. Mit Leipzig und Ludwigsburg gewann sie den Pott am Ende auch. 2019/20 kam sie trotz Qualifikation nicht in den Genuss des Final-Fours, da das Turnier damals wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde.
