Seit Mittwochabend ist die Handball-Weltmeisterschaft der Frauen in Deutschland und den Niederlanden in vollem Gange. Insgesamt 108 Spiele gibt es beim Heim-Turnier, auch die Stuttgarter Porsche-Arena war zum Auftakt der deutschen Nationalmannschaft gegen Island restlos ausverkauft. Doch wer nicht in der Halle sitzt, schaut in die Röhre. Denn weder ARD und ZDF, noch der eigentliche Handball-Streamingdienst DYN übertragen die Spiele – nicht einmal die des DHB. Lediglich per Turnierpass oder als Ein-Mal-Kauf pro Spiel bietet der Sender sporteurope.tv (ehemals sportdeutschland) die Spiele an. Frei empfangbar würden maximal die Partien der Deutschen werden, sollten sie in das Viertelfinale und darüber hinaus kommen.
Handball-Weltmeisterschaft Smits hofft auf Reichweite dank starker Spielweise
Da die Spiele der DHB-Frauen nicht frei empfangbar sind, wollen Xenia Smits und Co. zeigen, dass es ein Fehler war, die Rechte nicht zu kaufen.
DYN, ARD und ZDF im Tiefschlaf
Und das, wo das Turnier eigentlich unter dem Motto der Gleichberechtigung steht. Mit „Hands Up for More“ macht die WM Werbung gegen Sexismus. Die Prämie der DHB-Spielerinnen wurde im Zuge dessen angehoben und hat nun fast das Männer-Niveau erreicht – immerhin ein kleiner Schritt. Doch bei den TV-Rechten scheint keine Emanzipation in Sicht. Denn die Europameisterschaft der Männer im kommenden Januar in Skandinavien wird hingegen komplett von DYN verfolgt, zudem laufen hier alle Spiele mit deutscher Beteiligung bei ARD und ZDF. Dazu kommt, dass der Livestream auf sporteurope.tv zum Auftaktspiel der DHB-Frauen gegen Island wohl prompt nicht richtig funktionierte und immer wieder ins Stocken geriet. Dem Unmut machten die Fans und Zuschauer im Live-Chat auch gleich Luft.
Dafür hagelte es von DHB-Präsident Andreas Michelmann schon harte Kritik an den Öffentlich-Rechtlichen. Der Handball-Chef spricht im Interview mit der Bild von einer Schande. „Das haben unsere Frauen nicht verdient“, heißt es dort. „Da wird von ARD und ZDF das Thema Gleichberechtigung gleich wieder ins Gegenteil verkehrt. Die Zuschauer sehen kein Spiel unserer Frauen in der Vorrunde und auch kein Spiel in der Hauptrunde, erst im Viertelfinale wollen die beiden Sender einsteigen“, so der DHB-Präsident.
Smits nutzt es als Schub
Spielerin Xenia Smits gibt die Übertragungs-Thematik nur noch mehr Motivation mit. Die Ex-Spielerin und langjährige Kapitänin der SG BBM Bietigheim und HB Ludwigsburg sagt nach dem 32:25-Auftaktsieg gegen Island: „Wir versuchen jetzt absolut abzuliefern, damit es in der Zukunft überall gestreamt wird und kein Weg an uns vorbeiführt.“ Doch weiß sie auch: „Das ist etwas, was wir nicht beeinflussen können.“ Um eine weiteren Schritt in Richtung Main-Stream zu machen, muss an diesem Freitag nun erst einmal der zweite Sieg in Vorrundengruppe C gelingen. Dann geht es gegen den klaren Außenseiter – aber auch Publikumsliebling – Uruguay (18 Uhr).
