Handballerinnen spazieren durch die Spielzeit Chronologie einer perfekten Saison

Von Sebastian Klaus
Nach dem Europapokaltriumph feiert die SG BBM in einer Bar im dänischen Viborg. Foto: /Marco Wolf

Ohne eine einzige Niederlage ist die SG BBM Bietigheim in dieser Spielzeit zu gleich vier Titeln spaziert. Die BZ hat die Schlüsselmomente der letzten zehn Monate zusammengetragen.

Supercup, Deutsche Meisterschaft, Europapokal und schließlich der DHB-Pokal: Meilensteine gab es in dieser mit vier Titeln und keiner einzigen Niederlage sensationellen Saison für die Bundesliga-Handballerinnen der SG BBM Bietigheim so einige. Die BZ hat die historische Spielzeit der Mannschaft von Trainer Markus Gaugisch noch einmal rekapituliert.

17. bis 21. August 2021: Die Neugierde auf ihre neuen Mitspielerinnen mit der klangvollen Vita dürfte bei den Handballerinnen der SG BBM groß gewesen sein. Doch zunächst müssen sie sich noch etwas gedulden, bis ihre niederländischen Superstars Kelly Dulfer und Inger Smits nach ihren Olympiaeinsätzen im Trainingslager im österreichischen Kappl eintreffen. Unweit von Ischgl setzt Trainer Markus Gaugisch dann für die mit sieben Neuzugängen neu formierte Mannschaft auf teambildende Maßnahmen wie eine Wanderung zum rund 2100 Meter hoch gelegenen Almstüberl oder einen gemeinsamen Hüttenabend. Die Trainingseinheiten sind kurz, aber knackig. „Im Trainingslager hatte ich bemerkt, wie wahnsinnig viel Potenzial in der Mannschaft steckt und dass sich hier ein richtiges Miteinander entwickeln kann“, so Gaugisch.

25. August 2021: Bei der offiziellen Saisoneröffnung gegen den Zweiten der französischen Liga, Metz HB, setzt die SG BBM mit einem 28:25-Heimsieg eine erste Duftmarke. Schon zur Pause liegen die Gastgeberinnen gegen den französischen Vizemeister und Champions-League-Teilnehmer mit 15:10 vorne. Dulfer und Smits überzeugen bei ihrem Debüt auf Anhieb mit jeweils drei Treffern. Noch besser machen es toretechnisch die frisch als Nachfolgerin von Kim Naidzinavicius zur neuen Kapitänin gekürte Danick Snelder und Xenia Smits, die gegen ihren langjährigen Ex-Klub viermal einnetzt.

28. August 2021: Das Oranje-Trio um Inger Smits, Dulfer und Snelder sticht beim souveränen 31:21 im Supercup gegen den Deutschen Meister Borussia Dortmund mit insgesamt 15 Treffern heraus. Schon in der Partie gegen den großen Rivalen im Kampf um die Meisterschaft wird deutlich, dass sich das Gesicht der Startformation bei der SG BBM im Vergleich zur Vorsaison völlig verändert hat.

Während die zuvor gesetzten deutschen Internationalen um Naidzinavicius, Xenia Smits, Julia Maidhof, Antje Lauenroth oder Luisa Schulze auf der Bank Platz nehmen müssen, setzt Gaugisch auf eine komplett internationale Startformation. Daran soll sich im Großen und Ganzen bis zum Saisonende auch nichts mehr ändern. Während Gaugisch im Rückblick den Achtungserfolg als „klasse Einstieg, der viel Selbstvertrauen gebracht hat“ beschreibt, schwärmt Bundestrainer Henk Groener bereits unmittelbar nach der Begegnung: „Bietigheim ist ganz klar der Favorit auf den Titel.“

4. September 2021: Mit 33:19 haut die SG BBM im ersten Saisonspiel die jungen Wilden von der HSG Blomberg-Lippe in der Viadukthalle von der Platte. Mit einer überragenden Inger Smits, die Trainer Gaugisch nach dem Spiel als „beste Spielerin der vergangenen Bundesligasaison“ adelt, kommt der SG-BBM-Express schnell ins Rollen.

11. September 2021: Unerwartet schwer tut sich die SG BBM bereits am zweiten Spieltag bei ihrem Gastspiel beim frech aufspielenden SV Union Halle-Neustadt. Nach einem 11:15-Rückstand zur Pause stellt Maidhof eine Viertelstunde vor dem Ende mit dem 20:19 die erste Bietigheimer Führung her. 27:22 gewinnt die SG BBM am Ende.

29. September 2021: Nach einem fast schon historischen 41:23 gegen Bad Wildungen am vierten Spieltag kommt es für Bietigheim vier Tage später zur ersten richtigen Standortbestimmung gegen den siebenmaligen deutschen Meister Thüringer HC. Dank einer herausragenden Abwehrleistung ist der Drops schon zur Halbzeit beim 20:12 für die Gäste aus Bietigheim gelutscht. „Das war definitiv ein Schlüsselmoment. Da haben wir das erste Mal in der Deckung wie aus dem Lehrbuch agiert“, erinnert sich Gaugisch.

14. November 2021: Mit einem lockeren 39:18-Heimsieg gegen das junge norwegische Team von Tertnes Bergen startet Bietigheim in die dritte Quali-Runde der European League. Durch den deutlichen Erfolg kann es die SG BBM im Rückspiel deutlich gemächlicher angehen lassen. Mit 21:20 entscheidet die Gaugisch-Sieben dennoch die Partie für sich.

2. Januar 2022: Beim lang erwarteten Showdown mit Borussia Dortmund hat die SG BBM in der Stuttgarter Scharrena nur eine Halbzeit lang Probleme mit dem Dauerkonkurrenten der letzten Jahre. Denn nach 60 Minuten steht es 33:22 für den Pokalsieger. Ein Sieg, bei dem Erinnerungen an den Supercup wach werden. Es ist die erste Niederlage für den BVB nach sage und schreibe 39 Bundesligasiegen in Folge.

9. Januar 2022: Zum Auftakt der Gruppenphase der European League behält Bietigheim in Nantes mit 27:25 die Oberhand. Gegen den Titelverteidiger erzielt Kim Naidzinavicius 16 Sekunden vor dem Ende per Strafwurf den erlösenden Treffer.

29. Januar 2022: Nach dem Supercup und der Liga fügt die SG BBM dem BVB auch im DHB-Pokal eine Niederlage zu. Und wieder ist sie krachend. Im Viertelfinale watscht der Pokal-Titelverteidiger die Borussia dank eines Blitzstarts (inklusive Zehn-Tore-Führung nach 20 Minuten) in eigener Halle mit 32:24 ab und zieht erneut ins Final Four ein.

3. Februar 2022: Da gleich mehrere Spielerinnen coronabedingt passen müssen, geht die SG BBM mit kleinem Kader in die erste Partie der Rückrunde bei der HSG Blomberg-Lippe. Zwar setzt sich Bietigheim mit 27:24 durch, muss dafür aber hart kämpfen. „Es war ein schweres Spiel für uns. Körperlich waren wir nicht zu 100 Prozent da. Der Substanzverlust durch den Ausfall der vier Spielerinnen war bemerkbar“, sagt Gaugisch nach dem Spiel.

3. April 2022: Nachdem die SG BBM durch die Gruppenphase der European League spaziert, schlägt Bietigheim nach einem 29:23-Sieg im Viertelfinal-Hinspiel in Frankreich den Gegner ES Besançon auch im Rückspiel deutlich mit 30:20 und zieht zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte ins Final Four des Wettbewerbs ein.

14. April 2022: Der Deutsche Handball-Bund (DHB) gibt die Ernennung von Markus Gaugisch als neuen Bundestrainer der Frauen bekannt. Der SG-BBM-Coach wird damit Nachfolger von Henk Groener. Zunächst soll Gaugisch in einer Doppelrolle beide Teams betreuen, bevor er Anschluss an die Saison 2022/23 komplett zum DHB wechselt.

18. April 2022: Durch einen umkämpften 33:28-Heimsieg im Topspiel gegen den Dritten Buxtehude und der gleichzeitigen überraschenden Niederlage von Dortmund in Blomberg baut die SG BBM ihren Vorsprung vor dem letzten verbliebenen Meisterschafts-Konkurrenten auf vier Punkte aus.

30. April 2022: Nach dem lockeren 32:24 in Dortmund feiert die SG BBM den Sieg schon wie die Meisterschaft – ausgerechnet beim Dauerrivalen. Bei sechs Punkten Vorsprung und einem nicht aufholbaren Torverhältnis kann die Gaugisch-Sieben schließlich drei Spieltage vor Schluss nur noch theoretisch vom ersten Tabellenplatz verdrängt werden.

4. Mai 2022: Nach dem 33:21-Heimsieg gegen den VfL Oldenburg feiert die SG BBM nun auch offiziell vor eigenem Publikum den dritten Meistertitel ihrer Geschichte.

15. Mai 2022: Mit einem 31:20-Kantersieg gegen Gastgeber Viborg krallt sich die SG BBM zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Europapokal. Es ist der erste Titel einer deutschen Mannschaft in der European League seit 30 Jahren. Dank eines Treffers in letzter Sekunde von Altmeisterin Karolina Kudlacz-Gloc gegen das dänische Spitzenteam Herning-Ikast im Halbfinale hatte sich Bietigheim am Vortag für das Endspiel qualifiziert.

21. Mai 2022: Die SG BBM bleibt durch das souveräne 38:25 gegen Metzingen auch im letzten Bundesligaspiel der Saison unbesiegt. Der ungefährdete Erfolg in der Stuttgarter Scharrena ist der 51. Sieg in Serie für den frisch gekürten Deutschen Meister.

29. Mai 2022: Durch einen 40:30-Erfolg im Endspiel des Final Four gegen den VfL Oldenburg verteidigt die SG BBM ihren Titel im DHB-Pokal. Es ist der 53. Sieg der Bietigheimerinnen in Folge. Nummer 52 hatte es am Vortag im Halbfinale beim 32:28 gegen den Thüringer HC gegeben.

 
 
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