Hangabrutsch am Wurmberg Der Hang ist in Bewegung

Von knz
Immer mehr Steillagen-Weinberge werden nicht mehr bewirtschaftet, da die aufwendigen und anstrengenden Arbeiten keinen adäquaten wirtschaftlichen Ertrag bringen. Foto: /Oliver Bürkle

Der Erhalt von Trockenmauern ist von der Öffentlichkeit gewünscht, aber teuer. An machen Stellen ist die Geologie einfach stärken.

Bei einem Starkregen im Januar 2018 sind bekanntlich am Wurmberg in Hessigheim sechs Terrassen mit jeweils etwa 25 Quadratmetern Trockenmauern abgerutscht.  Immer noch ungelöst ist aber die Frage, ob und wie die Terrassen und Mauern wiederhergestellt werden können. Bei Kosten von 500 Euro pro Quadratmeter Trockenmauer geht es um eine Investition von 75 000 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Erdarbeiten. „Aus der Traubenerzeugung lässt sich so ein Projekt nicht erwirtschaften“, sagt Dr. Herbert Müller, Inhaber der ExNicrum Weinmanufaktur in Hessigheim und Initiator des Consortium Montis Casei, einer Gruppe von Weinliebhabern, die seit 2014 einen Hektar Weinberge in terrassierten Steillagen am Mundelsheimer Käsberg und Hessigheimer Wurmberg gekauft und die Bestockung mit internationalen Rebsorten finanziert hat.

Der Fall hatte eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit erlangt, weil das Geologische Landesamt das Technische Hilfswerk (THW) mit der Verkehrssicherung beauftragt hatte. Das THW hat die unterste Terrasse der Abrutschung durch eine Holzkonstruktion abgesichert, damit keine Steine auf die Straße herab rollen können. Auf den Terrassen findet ein kontrollierter Bewuchs statt, damit die Erosion durch Verwurzelung aufgehalten wird. „Dieser Zustand kann so beibehalten werden“, schätzt Müller die Situation ein.

„Der Berg will ins Tal“

Claus-Peter Hutter, Präsident der Umweltstiftung NatureLife-International, bringt es auf einen einfachen Nenner: „Der Berg will ins Tal.“ In diesem Fall könne man eben nichts gegen die Geologie unternehmen und müsse sie hinnehmen. Dennoch müsse der sinkenden Bereitschaft, Steillagen zu bewirtschaften, entgegengewirkt werden, betont Hutter: „Die große Herausforderung ist es, wenn Steillagen aufgegeben werden. Dann machen sich Brombeere, Hartriegel und Buschrosen breit. Die Steillagen sind dann nicht mehr zu halten.“

Grundsätzlich liege es im öffentlichen Interesse, so Müller, das einmalige Kultur- und Naturerbe der terrassierten Steillagen am Neckar zu erhalten. Die Trockenmauern der Weinberge bieten Lebensraum für eine mediterran anmutende Flora und Fauna. Der ästhetische, kulturelle und ökonomische Wert der Landschaft soll durch Weinbau erhalten werden.

Für die Neuanlage von Weinbergen in Steillagen gibt es eine öffentliche Förderung von 32 000 Euro pro Hektar, erklärt Müller, der mit der ExNicrum Weinmanufaktur und dem Consortium Montis Casei durchaus Erfolge bei einer notwendigen Neuausrichtung der Steillagen-Bewirtschaften vorweisen kann.

Eine Möglichkeit den Erhalt der Steillagen zu finanzieren, ist der Verkauf von Ökopunkten. Das Landratsamt könne für die Sanierung von Trockenmauern Ökopunkte anerkennen, die der Eigentümer eines Weinbergs an jemanden verkaufen kann, der seinerseits in die Natur eingreift und dafür eine Ausgleichsmaßnahme ergreifen muss. Eine rechtliche Hürde ist die Regelung im Naturschutzrecht, wonach der Träger der Ausgleichsmaßnahme verpflichtet ist, diese zu sichern, solange der Eingriff besteht, also dauerhaft. „Diese Verpflichtung wird niemand übernehmen“, ist sich Müller sicher.

Verkauf von Ökopunkten

„Wir hatten von der Stadt Kornwestheim die Zusage uns Ökopunkte abzukaufen, um mit diesem Geld die Trockenmauer zu finanzieren“, sagt Müller, die dauerhafte Verpflichtung zur Sicherung der Ausgleichsmaßnahme sei aber für einen Privatmann nicht zu leisten. Zumal im konkreten Fall am Wurmberg nach Feststellungen des geologischen Landesamts der Wurmberg an der betroffenen Stelle alljährlich um zwei Zentimeter abrutscht. Der Hang ist also in Bewegung und es besteht die Gefahr einer schleichenden Erosion.

„Niemand wird sich angesichts der unsicheren Zukunft zu einer dauerhaften Sicherung von Terrassen verpflichten lassen. Deshalb wird man sich in dieser Situation damit abfinden müssen, dass die Natur beziehungsweise die Geologie sich im konkreten Fall eben gegen die Erhaltung der Kulturlandschaft stellt“, bedauert Müller.

Mediterrane Rebsorten in den Steillagen am Neckar

Zum Beginn
des Jahres 2021 haben Fabian Alber und Dr. Herbert Müller ihr Weingut in Firma exNicrum Weinmanufaktur in Hessigheim gegründet. Die exNicrum Weinmanufaktur erzeugt Wein aus insgesamt fünf Hektar Rebfläche. Sie bewirtschaftet neben Direktzuglagen auch die Weinberge des Consortium Montis Casei, einer Gruppe von Weinliebhabern, die seit 2014 einen Hektar Weinberge in terrassierten Steillagen am Mundelsheimer Käsberg und Hessigheimer Wurmberg gekauft und die Bestockung mit internationalen Rebsorten finanziert hat. Es ging um das Experiment mit den Rebsorten Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Sangiovese, Tempranillo, Albarino, Marselan und Weißburgunder in den Terrassen am Neckar, auf denen traditionell vorwiegend Trollinger steht. 2022 wurden acht weitere Investoren dafür gewonnen, Weinberge in den Steillagen zu übernehmen. Mit deren Hilfe kann ein zweiter Hektar mit zukunftsfähigen Rebsorten neu bestockt werden. Damit entwickelt sich exNicrum zu dem Weinbaubetrieb mit der größten Rebfläche in den terrassierten Steillagen zwischen Mundelsheim und Besigheim. „Die neuen mediterranen Rebsorten wachsen wunderbar“, betont Müller, und inzwischen habe man eine „grandiose Weinkollektion“. Für ist sind diese Sorten der Weg nach vorne in den Steillagen. Der Anbau wurde von der Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau begleitet. Müller: „Der Abschlussbericht liegt vor und eine Empfehlung.“

 
 
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