HB Ludwigsburg „Es hilft, wenn man weiß, dass die WM kommt“

Von Niklas Braiger
Sowohl auf als auch neben dem Feld sind Viola Leuchter (rechts) und Mareike Thomaier ein schier unzertrennliches Duo. Nun könnten sie erstmals seit 2019 getrennte Wege gehen. Foto: Marco Wolf

Talent Viola Leuchter ist von der Insolvenz der HBL schockiert, blickt aber bereits nach vorne. 

„Es geht mir relativ bescheiden“, sagt Viola Leuchter am Telefon. Die junge Rückraumspielerin der HB Ludwigsburg, die sonst lebensfroh und zumeist gut gelaunt durch das Handball-Leben geht, klingt geknickt. Die Insolvenz des Bundesligisten macht ihrer Karriere erst einmal einen Strich durch die Rechnung, eigentlich hätte die 21-Jährige in ihre zweite Saison am Neckar gehen sollen. Wo es nun hingeht, ist noch unklar. „Wir müssen uns umschauen, aber fest ist noch nichts“, erzählt sie.

Zu Vestergaard nach Odense?

Mit ihrem Berater zusammen schaut sie sich aktuell nach Optionen um, laut der Handball-Insider-Website handball-world.news wird sie mit dem neuen Klub ihres Ex-Trainers Jakob Vestergaard in Verbindung gebracht, Odense. Gerade für sie als junge Spielerin zum Start ihrer Karriere ist es hart, erst Ende Mai hat sie mit ansehen müssen, wie ihr Ausbildungsverein Bayer 04 Leverkusen als Liga-Dino und Gründungsmitglied erstmals in die zweite Liga abstieg. „Die Situation ist für mich natürlich anders, als für manche meiner Kolleginnen“, sagt Leuchter, der als junges Talent noch die ein oder andere Tür offensteht.

Für ihre erfahreneren Mitspielerinnen ist es eine ganz andere Lage: „Für mich ist es schlimm, weil ich sehr an den Menschen hier hänge. Karolina Kudlacz-Gloc oder Johanna Bundsen haben Kinder, da hängen ganz andere Existenzen dran.“

WG könnte auseinanderbrechen

Ihre Gedanken sind auch in dieser harten Zeit nicht nur bei sich selbst, sondern bei ihren Teamkolleginnen, Mannschaftskameradinnen und Freundinnen. „Es ist für uns alle super traurig, weil wir als Gruppe, als Team eng zusammengewachsen sind. Dass das vorbei sein soll, ist super schwer zu akzeptieren“, erklärt die Nationalspielerin. Denn auch gemeinsam hat man sich innerhalb des Teams Trost gespendet, als die Nachrichten kamen. „Wir sind viel zusammen. Aber auch meine Familie ist mit an Bord.“ Allen voran ihre beste Freundin und langjährige Mitspielerin Mareike Thomaier könnte nun einen anderen Weg gehen als Leuchter. Seit ihrer Ankunft in Leverkusen 2019 waren die beiden ein schier unzertrennliches Duo, auch in der Barockstadt lebten die beiden in einer WG. „Das ist natürlich extra schwierig, wenn man darüber nachdenkt, dass die WG aufgelöst werden könnte“, sagt die zweitjüngste des HBL-Kaders.

Kraft hat sie sich nicht nur bei der eigenen Familie und der handballerischen Familie geholt, auch Bundestrainer Markus Gaugisch stand in engem Kontakt mit ihr. „Er ist sehr bemüht und besorgt, nicht nur wegen der Nationalmannschaft und was mit uns passiert, sondern auch einfach menschlich“, erzählt Leuchter. Denn ihr Ziel ist die Weltmeisterschaft ab dem 26. Dezember im eigenen Land. „Es hilft, wenn man weiß, dass die WM kommt. Das hat eine der höchsten Prioritäten und wir versuchen für uns alle die bestmögliche Lösung zu finden“, weiß die Halbrechte.

Leuchter muss nun eine gute Trainingsumgebung finden, um zum ersten Gruppenspiel gegen Island in der Stuttgarter Porsche-Arena fit zu sein. „Dann hoffe ich, dass wir eine gute Zeit haben werden. Weil der Frauenhandball in Deutschland, wenn es Ludwigsburg nicht mehr geben sollte, sehr viel verliert“, blickt sie mit gemischten Gefühlen voraus. „Man hatte schon das Gefühl, dass eine Aufwindstimmung herrscht und es nach vorne geht. Da tun wir alles, um diese Welle aufrecht zu erhalten.“

 
 
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