HB Ludwigsburg Verein gibt den Spielerinnen den Wechselwunsch frei

Von Niklas Braiger
Eine Schocknachricht für Xenia Smits (rechts) und die Spielerinnen der HB Ludwigsburg. Sie ist nicht mehr an ihren Vertrag gebunden. Foto: Marco Wolf

Nach nur einem Jahr in der Barockstadt ist das Experiment HB Ludwigsburg vor dem Aus. Die Spielerinnen können sich nun neu orientieren.

Xenia Smits ringt am Montagabend mit den Worten. Der Kapitänin der HB Ludwigsburg wurde es freigestellt, den Vertrag bei den Handballerinnen aus der Barockstadt zu beenden und sich einen neuen Verein zu suchen. So ergeht es auch ihren Mitspielerinnen, die damit allesamt von der Insolvenzanmeldung der HB Ludwigsburg betroffen sind.

Es fehlt die „wirtschaftliche Grundlage“

Erst berichten am frühen Nachmittag die Fans und Handballer in unterschiedlichen Foren im Internet aus wohl gesicherten Quellen vom Aus des Klubs, auf ein offizielles Statement des Vereins wartet man zu diesem Zeitpunkt noch vergebens. Doch um 19.13 Uhr dann ein Lebenszeichen der HBL: „Die bestehende, über einen längeren Zeitraum entstandene, Finanzierungslücke konnte seit Anordnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens vor rund zwei Wochen nicht geschlossen werden. Vor diesem Hintergrund fehlt es an einer wirtschaftlichen Grundlage, um die Spielerinnen der HB Ludwigsburg weiterhin an ihre bestehenden Verträge zu binden“, heißt es in der Pressemeldung des Vereins.

„Die Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, aber sie war nach sorgfältiger Prüfung unumgänglich“, wird Holger Leichtle, vorläufiger Insolvenzverwalter, weiter zitiert. „Unter diesen Bedingungen ist es den Spielerinnen nicht zumutbar, weiterhin an ihre Verträge gebunden zu bleiben. Wir haben die Mannschaft heute über die Lage informiert.“

Wie es für die Spielerinnen weitergeht, ist noch gänzlich unklar. Smits klingt nur 10 Minuten nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung am Boden zerstört. „Wir haben noch gar keine Ahnung, was jetzt passiert. Wir müssen erst einmal alle richtig sammeln und nicht zu schnell entscheiden“, sagt Deutschlands Handballerin des Jahres am Telefon. „Klar habe ich Zukunftssorgen, aber meine größeren Sorgen und Emotionen gehen in Richtung meiner Mannschaft“, macht sie deutlich und ergänzt: „Mit meiner Mannschaft und den Girls habe ich in den letzten fünf Jahren so eine geile Zeit verbracht. Ich sage es immer wieder, es ist mehr als eine Familie. Aber das ist eben genauso. Wir sind mehr als nur Kolleginnen.“

Team bekommt die Meldung als versammelte Gruppe

Die Nachricht erhalten die Spielerinnen größtenteils gemeinsam. Zusammengetrommelt stehen sie am Montagabend gegenseitig zur Seite. Auch der Wunsch, dass die Nachricht zeitnah an die Öffentlichkeit und das Team kommt, war eine Ansage des gesamten Kaders, wie Smits verlauten lässt. „Wir haben gefordert, dass zwei Wochen, nachdem wir informiert wurden, eine klare Aussage kriegen. Wir brauchen eine ehrliche und klare Antwort für die weitere Zukunft“, sagt die Nationalspielerin.

Und die hat sie nun. „Den Spielerinnen wurde angeboten, sollten sie einen neuen Verein finden, werden ihnen keine Steine in den Weg gelegt“, wird aus einem Gespräch mit den Vereins-Verantwortlichen deutlich. Einen neuen Klub zu finden wird aber schon schwer genug: „Die Kaderplanung ist bei den meisten Vereinen weitestgehend abgeschlossen“, weiß Smits.

Komplett weg vom Fenster ist die HB Ludwigsburg aber noch nicht. „Es gibt eigentlich keinen Zwischenstand. Es wurde nur mitgeteilt, dass es noch nichts Neues gibt und die Spielerinnen jetzt eben gehen können. Im Hintergrund wird aber weiter geackert“, heißt es von Seiten des amtierenden Deutschen Meisters. Ob die finanzielle Lücke also noch geschlossen werden kann und inwiefern die HBL in der nächsten Saison in der Bundesliga, dem Pokal und der Champions-League angreifen wird, steht noch in den Sternen.

 
 
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