HB Ludwigsburg Untergang offiziell: HB Ludwigsburg zieht sich vom Spielbetrieb zurück

Von Niklas Braiger
Fassungslosigkeit im Lager der HB Ludwigsburg. Der deutsche Top-Klub meldet die Mannschaft vom Spielbetrieb ab und wird nicht in der Liga an den Start gehen. Foto: /Marco Wolf

Nach langem Hin und Her ist es nun klar, dass es keine Zukunft mehr für die HB Ludwigsburg geben wird. Der Verein zieht sich vom Spielbetrieb in der Bundesliga zurück.

Für viele war es nur eine Frage der Zeit, bis die Nachricht schließlich die deutsche Handballwelt erreichen soll. Am Dienstagvormittag ist es dann besiegelt: Die HB Ludwigsburg zieht sich aus dem Spielbetrieb der Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) zurück. Damit verliert die Beletage und der Frauenhandball im allgemeinen ein Zugpferd, das über die vergangenen Jahre die Liga dominiert hat und selbst in den europäischen Wettbewerben mit den internationalen Topklubs mithalten konnte.

Keine Chance auf einen Verbleib

„Trotz aller Bemühungen ist auch die Hoffnung auf eine Fortführung des Spielbetriebs der Handballerinnen des HB Ludwigsburg im kleineren Rahmen gescheitert“, heißt es in einer Pressemitteilung des Insolvenzverwalters Holger Leichtle und weiter: „Auch für eine abgespeckte Lösung konnte die bereits in der zurückliegenden Saison entstandene Finanzierungslücke nicht geschlossen werden.“.

Der Mann mit dem Überblick über die Lage wird in der Mitteilung wie folgt zitiert: „Wir haben in den vergangenen Wochen mit Hochdruck an verschiedenen Szenarien gearbeitet. Doch auch in einem deutlich reduzierten Rahmen ist es uns nicht gelungen, eine tragfähige Finanzierung auf die Beine zu stellen. Vor diesem Hintergrund war jetzt eine verantwortungsvolle Entscheidung erforderlich.“

Auch die Vereinsführung der Barockstädterinnen kommt hier zu Wort. „Diese Entscheidung ist alles andere als leichtgefallen. Aber nach intensiven Gesprächen mit der Stadt, mit Sponsoren und potenziellen Unterstützern müssen wir anerkennen, dass die Voraussetzungen schlicht nicht mehr gegeben sind“, wird darin der Vorstand der HB Ludwigsburg zitiert. Vorsitzender Christian Köhle ist am Dienstag nicht persönlich erreichbar. Stattdessen äußert sich der bis zum 30. Juni noch als Geschäftsführer im Amt gewesene Sebastian Götz zur Lage. „Ich habe mich zurückgezogen und wenig an dem Prozess mitgewirkt. Das waren hauptsächlich der Insolvenzverwalter und Christian Köhle“, sagt er auf Nachfrage. Sein Plan ist es, wenn sich der ganze Staub gelegt hat und die Nachforschungen vorüber sind, die Lage mithilfe eines Anwalts aufzuklären und ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Statement der Bundesliga

Auch die Liga selbst hat sich bereits zum Ausscheiden des Top-Klubs geäußert. „Wir bedauern, dass es trotz aller Versuche der Verantwortlichen, den Spielbetrieb in Ludwigsburg aufrecht zu erhalten, zu dieser Entscheidung kommen musste. Wir werden nun zusammen mit den Klubs der Ersten Bundesliga die Auswirkungen auf den Spielbetrieb und das weitere Vorgehen im Detail besprechen”, heißt es von HBF-Geschäftsführer Christoph Wendt. Die Liga wird nun mit elf Teams im Regelspielbetrieb gestartet und durchgeführt. Wenn Mannschaften eigentlich auf die Insolvenz-Truppe treffen würde, haben sie spielfrei. Einen Absteiger gibt es in dieser Spielzeit auch keinen, die HBL nimmt diesen Platz automatisch ein. Wie es in der nächsten Saison dann weitergeht, ist noch unklar.

Spielerlage weiterhin unklar

Wie es mit den verbleibenden Spielerinnen weitergeht bleibt abzuwarten. Dorottya Faluvegi ist nach einem Kreuzbandriss noch immer in der Reha, Karolina Kudlacz-Gloc hatte ihr Karriereende bereits durchklingen lassen und aktuell laut BZ-Informationen wohl in der polnischen Heimat. Sofia Hvenfelt, die jüngst ihr Jura-Studium absolviert hatte, könnte Gerüchteweise dem Handball den Rücken zuwenden oder in einer deutlich niedrigeren Spielklasse weiterspielen. Ansonsten haben sich alle weiteren 13 Spielerinnen bereits einem neuen Verein angeschlossen, darunter unter anderem Ex-Kapitänin Xenia Smits oder Talent Viola Leuchter.

 
 
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