Helfer vor Ort Knapp 300 Einsätze in einem Jahr

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Die Helfer vor Ort des Bönnigheimer DRK-Ortsvereins vor ihren beiden Einsatzfahrzeugen (von links): Winfrid Kübler, Simon Ranger, Marion Kübler, Jens Kübler und Dr. Valentin Dahler.⇥ Foto: Oliver Bürkle

Der DRK-Ortsverein bilanziert die Einsatzzahlen der Helfer vor Ort. „Die Zahlen für 2019 sind rekordverdächtig“, sagt Bereitschaftsleiter Jens Kübler.

Helfer vor Ort (HvO) sind vom Notfallplan vieler Gemeinden nicht mehr wegzudenken. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes halten sie beim Verunglückten nicht nur die Stellung, sie leisten auch Erste Hilfe. In Bönnigheim und den Teilorten hat es sich längst herumgesprochen, dass ehrenamtlich arbeitende Helfer, die Zeit zwischen einem Unglück und dem Eintreffen des Arztes sinnvoll überbrücken können.

„Wir hatten 2019 genau 285 Einsätze. So viele hatten wir noch nie“, stellt Jens Kübler, Bereitschaftsleiter beim Deutschen Roten Kreuz in Bönnigheim fest. Die Zahlen von 2019 seien rekordverdächtig, und er nennt die zehn häufigsten Gründe, die im letzten Jahr die Ersthelfer auf den Plan gerufen haben. Ganz oben in der Liste der häuslichen Notfälle stehen Stürze. 42-mal kamen HvO zu jemand nach Hause, der gefallen war oder wurden von Passanten alarmiert. Auf Stürze folgen Herznotfällen, auch kardiologische Notfälle genannt. 40 Herznotfälle begleiteten Bönnigheimer Helfer vor Ort im vergangenen Jahr. „Einige davon hatten mit der Anatomie des Herzens zu tun. 32 Mal sind Personen kollabiert. Sehr häufig waren es Schlaganfälle, die dazu geführt haben“, erklärt Jens Kübler.

Vitalwerte kontrollieren

„Es gibt beim Eintreffen am Unfallort gewisse Standardabläufe. Dazu gehört in erster Linie, sich ein Bild von der Situation zu verschaffen, die Anamnese durchzuführen und die Vitalwerte zu kontrollieren, den Blutdruck und den Zucker- und Sauerstoffgehalt im Blut zu messen“, zählt der Bereitschaftsleiter auf. Gerade bei Stürzen ist für die Ersthelfer vor Ort wichtig zu erfahren, wie es zum Sturz kam, was der Anlass ist und welche Körperpartien am Sturz beteiligt waren. „Eine erste Maßnahme beim Sturz könnte sein, eine Halskrause anzulegen, nachdem ich mir einen Blick darüber verschafft habe, wie es zum Sturz gekommen ist. Das können wir alles machen, bis der Notdienst kommt“, beschreibt Kübler die Tätigkeit der Ersthelfer.

In ganz besonderem Maß gefordert sind Ersthelfer bei Kreislaufstillständen. „Wir wurden 2019 genau 18 Mal wegen Kreislaufstillstand gerufen. Da zählt jede Sekunde. Da müssen wir sehr schnell handeln. In der Regel beginnen wir sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung“, erklärt Kübler. „Der Rhythmus geht so: 30-mal pumpen und dann zweimal beatmen. Da führt man gleichzeitig Sauerstoff zu. Ganz wichtig ist auch der externe Defibrillator. Der muss ganz schnell am Brustkorb angebracht werden.“

Zehn bis 15 Minuten sind HvO in der Regel mit dem Patienten alleine, bis der Notarzt eintrifft. Danach unterstützen sie den Rettungsdienst. Bei Herznotfällen sei es für den Helfer vor Ort oft nicht möglich festzustellen und zu unterscheiden, ob es sich um einen Herzinfarkt oder um die Folgen von Herzinsuffizienz handelt. „Wenn in der Anamnese Hinweise zu finden sind, dann können wir entsprechend handeln und Maßnahmen ergreifen wie den Puls messen und den Sauerstoffgehalt im Blut checken.“ Was die Altersstrukturen angeht, so sind es nicht hauptsächlich ältere Menschen, zu denen die Helfer vor Ort kommen. „2019 – da war jede Altersgruppe dabei. Es sind oft Jüngere, die verunglücken. Das kann man nicht pauschal sagen“, betont Kübler.

In der Liste der häufigsten Ursachen für ein Eingreifen der Helfer vor Ort stehen Verkehrsunfälle an nächster Stelle. 13 Mal haben HvO erste Maßnahmen ergriffen. „Gerade bei einem Verkehrsunfall ist es wichtig, dass sich der Helfer vor Ort schnell einen Überblick in einer meist chaotischen Situation verschafft. Im Idealfall kategorisiert man schon im ersten Moment, wie viele Schwerverletzte und wie viele Leichtverletzte es an einem Unfallort gibt. Dann geht eine Rückmeldung an die Leitstelle“, bringt es Kübler auf den Punkt. Das helfe den Rettungskräften bei ihrer Planung. Sie können dann direkt den Notarzt nachfordern. „Das Miteinander zwischen Helfern vor Ort und den Kollegen der Leitstelle vom Rettungsdienst ist ganz wichtig. Die Kooperation gelingt nur durch Kommunikation. Die muss gewährleistet sein“, so Jens Kübler.

In begrenztem Umfang zwar, aber immerhin, kann der Helfer vor Ort auch psychologische Erste-Hilfe leisten. „Die entsprechende Ausbildung bekommt, wer eine Weiterbildung macht. Auch die regelmäßigen Schulungen bei den Übungsabenden im Ortsverein oder auf Kreisebene stärken den Helfer vor Ort bei seinem Einsatz.“ Kübler erinnert sich an einen Verkehrsunfall in Bönnigheim im Spätherbst: „Da hat sich ein Auto überschlagen im Schlossfeld. Der Fahrer hatte mehrere Verletzungen. Die eigentlichen Verletzungen kriegen wir vor Ort gar nicht so mit“, erzählt Jens Kübler.

 
 
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