„Helfer vor Ort“ Sachsenheim Wenn Minuten Leben retten

Von Michaela Glemser
Das DRK Sachsenheim ist vor rund einem Jahr intensiv in das Projekt „Helfer vor Ort“ gestartet (von links:) Dr. Achim Ziegler, Jutta Berkemer-Ziegler, Daniel Fella und Thorsten Müller. Foto: /Oliver Bürkle

Zehn „Helfer vor Ort“ sind im Stadtgebiet Sachsenheim vor dem Rettungsdienst im Einsatz. Man hofft auf ein zweites Einsatzfahrzeug und Helfer für Häfnerhaslach. 

Wenn sein Melder piept, zählt jede Minute. Thorsten Müller ist bei gesundheitlichen Notfällen im Stadtgebiet häufig der erste der alarmierten Einsatzkräfte, die beim Patienten eintreffen. Seit Oktober vergangenen Jahres ist der Kleinsachsenheimer als „Helfer vor Ort“ beim DRK-Ortsverband Sachsenheim aktiv. „Ich war lange Zeit beruflich als Rettungsassistent tätig, habe mich jedoch später neu orientiert. Durch meine Tochter, die beim Jugendrotkreuz in Sachsenheim Mitglied ist, kam ich mit dem Projekt ‚Helfer vor Ort‘ in Kontakt und fand das eine sinnvolle Sache, bei der ich mich engagieren wollte“, sagt Müller.

Von den zehn „Helfern vor Ort“ im Stadtgebiet Sachsenheim, ist er einer, der die meisten Einsätze bewältigt. Da er mit dem eigenen Unternehmen in der Stadt ansässig ist, kann Müller derzeit am Tag und in der Nacht Einsätze bewältigen und hat auch das bisher einzige Einsatzfahrzeug der Sachsenheimer „Helfer vor Ort“ vor seinem Haus stehen.

Lage oft unvorhersehbar

„Schon auf der Anfahrt mache ich mir Gedanken darüber, was mich an der Einsatzstelle erwartet. Oft ist die Lage eine ganz andere, als die Stichworte vermuten lassen, die mit der Einsatzalarmierung von der Leitstelle übermittelt wurden. Da kann aus der akuten Atemnot auch schnell eine Reanimation werden“, sagt Müller. Wenn er als erster Helfer bei den Patienten eintrifft, gilt es nicht nur die medizinische Erstversorgung einzuleiten, sondern auch die aufgewühlten Angehörigen zu beruhigen. Für die lebenserhaltenden Sofortmaßnahmen steht Müller ein Notfallrucksack mit einer umfangreichen Ausrüstung zur Verfügung. Stolze 16,5 Kilogramm bringt ein solcher Erst-Helfer-Rucksack auf die Waage. Allein im vergangenen Jahr haben die Verantwortlichen des DRK-Ortsverbands sieben Notfallrucksäcke angeschafft.

„Wir sind dabei auf Spenden, auf die Unterstützung von Stiftungen oder den Erlös von Vereinsaktionen angewiesen. Unter anderem haben uns auch die Ortschaftsräte in Kleinsachsenheim mit ihrem Stadtteilbudget unterstützt“, betont die Bereitschaftsleiterin beim DRK Sachsenheim, Jutta Berkemer-Ziegler. Zu 34 Einsätzen sind die zehn „Helfer vor Ort“ im April 2026 im Stadtgebiet ausgerückt. Von Atemnot über Bewusstlosigkeit, einen neurologischen Notfall oder Verdacht auf Schlaganfall waren die Einsatzlagen ganz verschieden. „Die Zusammenarbeit mit den später eintreffenden Notärzten und den Mitarbeitern des Rettungsdienstes ist sehr gut. Wir werden von ihnen als wichtige Unterstützung akzeptiert, und manchmal gibt es auch noch später ein Angebot zum Gespräch“, sagt Müller.

Einsätze können belasten

Nicht immer seien die Einsätze einfach zu verarbeiten. Gerade, wenn die durchgeführte Reanimation nicht erfolgreich war oder Kinder Notfallopfer sind. Wer Bedarf hat, kann als „Helfer vor Ort“ nach dem Einsatz auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. „Der ‚Helfer vor Ort‘ muss eine Alarmierung nicht annehmen, wenn er erkennt, dass er nicht vor dem Rettungsdienst am Einsatzort sein wird oder anderweitig verhindert ist“, erklärt Berkemer-Ziegler. Derzeit gibt es im Stadtgebiet einen „Helfer vor Ort“ in Ochsenbach, zwei in Spielberg, einen in Hohenhaslach, drei in Großsachsenheim und drei in Kleinsachsenheim. Einer davon ist Daniel Fella, der während seines Zivildienstes vor 20 Jahren eine Ausbildung zum Rettungshelfer absolviert hat. „Als ich vom Aufbau des Projekts ‚Helfer vor Ort‘ in Sachsenheim gelesen habe, wollte ich spontan dabei sein“, sagt Fella. Er fährt meist mit seinem privaten Pkw zu den Einsätzen, kann also nicht mit einer Blaulicht-Sirene auf sich aufmerksam machen und muss die Regeln der Straßenverkehrsordnung einhalten.

„Wir bemühen uns um ein zweites Einsatzfahrzeug, damit wir noch schneller zu den Einsatzorten kommen können“, sagt Berkemer-Ziegler. Neben Rettungsassistenten und Rettungshelfern sind auch Rettungssanitäter und Sanitäter als „Helfer vor Ort“ in Sachsenheim tätig. Eine spezielle Grundausbildung für die „Helfer vor Ort“ hat jeder absolviert. Bei durchschnittlich über 30 Einsätzen in den vergangenen Monaten würde sich Bereitschaftsleiterin Berkemer-Ziegler über weitere „Helfer vor Ort“ vor allem im Stadtteil Häfnerhaslach freuen, wo es derzeit noch keine Einsatzkraft vor Ort gibt. Monatlich finden hier Einsätze statt, die mit einer längeren Anfahrt verbunden sind.

Doch in der sogenannten „therapiefreien Zeit“, die die „Helfer vor Ort“ bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken sollen, zählt oft jede Minute. „Im Durchschnitt bin ich zwei bis drei Minuten nach der Alarmierung in Kleinsachsenheim am Einsatzort, in Großsachsenheim wenig später und in neun bis zehn Minuten auch im Kirbachtal“, so Müller. In der Bevölkerung Sachsenheims würden die „Helfer vor Ort“ inzwischen sehr große Anerkennung genießen – häufig zeigten betroffene Patientenfamilien nach den Einsätzen mit einer Spende ihre Dankbarkeit. 

 
 
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