Helige Nacht in Bönnigheim Posaunen schallen vom Köllesturm

Von Gabriele Szczegulski
Aus den oberen Fenstern des Kölleturms spielen die Musiker. Foto: /Oliver Bürkle

Seit 2007 begleiten Musiker des Musikvereins die Menschen am 24. Dezember durch die Nacht.

„Das ist ein ganz besonderes Erlebnis, die Stadt ist ganz still, nur die Blasinstrumente sind zu hören“, sagt Ulrike Staudenrausch, Vorsitzende des Musikvereins Bönnigheim. Volker Wenz, Mitglied des Vereins, initiierte 2007 zum ersten Mal das sogenannte Köllesturmspiel.

Seither spielen jedes Jahr in der Heiligen Nacht ab ungefähr 23.15 Uhr vier oder fünf Musiker aus den oberen Fenstern des Köllesturms am Eingang zur Ortsmitte Weihnachtslieder für die Passanten. Diese sind meist auf dem Heimweg vom Heiligabend-Gottesdienst in der Cyriakuskirche oder der katholischen Kirche. „Mittlerweile kommen aber auch viele Menschen einfach so, um die Musik zu hören“, so Staudenrausch. Anfangs seien es nur an die 50 Zuhörer gewesen, mittlerweile kämen an die 300.  

Passanten werden durch die Nacht begleitet

„Viele denken, das Köllesturmspiel finde seit Jahrzehnten statt, sei eine alte Tradition“, sagt Staudenrausch. Wenz habe damals gedacht, es sei schön, wenn in der Heiligen Nacht die Passanten durch Musik begleitet würden, zudem habe sich der Köllesturm geradezu angeboten. Auch im Verein sei die Unterstützung groß. „Es finden sich immer Musiker, die gerne auf dem Köllesturm spielen“, sagt die Vereinsvorsitzende. Es sei schon eine Herausforderung für die Musiker, aus dem engen Fenster herauszuspielen. 20 Minuten circa dauert das kleine Konzert mit Posaunen, Trompeten und Hörnern.

Gespielt werden gängige Weihnachtslieder, sodass die Zuhörer unten auf der Hauptstraße mitsingen können. Anfangs hat eine Anwohnerfamilie noch Glühwein ausgeschenkt, diese könne das jedoch nicht mehr, so Staudenrausch. Der Verein überlege sich, ab nächstem Jahr selbst Glühwein oder Punsch auszuschenken. „Es ist ein Ort der Begegnung am Heiligen Abend“, sagt Staudenrausch. Familien würden sich treffen, alte Bekannte endlich wiedersehen. „Mittlerweile gehört es zum Heiligen Abend in Bönnigheim dazu.“

Staudenrausch ist froh, dass die Vereinsmitglieder solche Aktionen unterstützen, vor allem die jüngere Generation. Und von der hat der Musikverein jede Menge. Der Verein hat 440 Mitglieder, davon 150 aktive. Im Orchester, das auch die Funktion eines Stadtorchesters inne hat, liegt der Altersdurchschnitt bei 25 Jahren. Und auch im Verein engagieren sich die jungen Musiker, helfen mit, wo es geht. „Wir haben kein Nachwuchsproblem“, so Staudenrausch.

Der Musikverein hat keine Nachwuchssorgen

Das liegt aber auch an der Idee von Stadtmusikdirektor und Musikschulleiter Rainer Falk, Bläserklassen in den dritten und vierten Klassen der Grundschulen in Bönnigheim, Kirchheim und Erligheim zu etablieren. Derzeit, so Staudenrausch, seien es 100 Schüler, die ein Instrument erlernen und im Orchester spielen. „Einige wechseln dann nach der vierten Klasse in den Musikverein und bleiben uns erhalten.“

Im Verein sei vor allem der Zusammenhalt der Jugendlichen sehr eng, auch privat würden sie Treffen organisieren, gemeinsame Aktivitäten planen. „Das alljährliche Probenwochenende des Jugendorchesters in Kaisersbach legt dazu die Grundlage“, so Staudenrausch. Auch in den Vorbereitungen der Veranstaltungen des Vereins seien viele Jüngere involviert und brächten sich ein. „Das ist alles Rainer Falk zu verdanken“, lobt Staudenrausch den musikalischen Leiter des Orchesters. Im Herbst 2026 geht Falk in den Ruhestand. „Wie es dann weitergeht, steht in den Sternen“, sagt Ulrike Staudenrausch.

 
 
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