Was Baustellen und Straßensperrungen angeht, kommt der Landkreis Ludwigsburg einfach nicht zur Ruhe. Seit einiger Zeit ist die Neckarbrücke bei Besigheim gesperrt (die BZ berichtete mehrfach). Anwohner ächzen unter der immensen Verkehrsbelastung, Pendler unter den kilometerlangen Staus. Die Entscheidung im Kreistag Ludwigsburg mit Blick auf die Wehrbrücke in Hessigheim klingt für die Betroffenen daher womöglich wie eine neue Hiobsbotschaft.
Hessigheim Firmeninhaber haben existenzielle Sorgen
Der Kreis muss die Hessigheimer Brücke und die K 1618 nach Ingersheim sanieren. Die Sperrungen belasten das Weingut Faschian, Gartencenter Rosen Hammer und Landgasthaus Schreyerhof.
In zwei Jahren soll nämlich die Hessigheimer Brücke saniert oder erneuert und vorher noch die daran angebundene Kreisstraße zwischen Kleiningersheim und Hessigheim ausgebaut werden. Die Krux daran: Die Besigheimer Brücke soll erst 2031, frühestens 2030 saniert werden. Möglicherweise kann sie vorher schon teilweise wieder geöffnet werden, sicher ist das aber noch nicht. Demnächst wird also zusätzlich zu der Verbindung zwischen Besigheim und Hessigheim auch noch die zwischen Hessigheim und dem Ingersheimer Ortsteil gekappt – und das für mehrere Jahre.
Kreistag beschließt
Abwarten, bis die Besigheimer Brücke fertig ist, ist aus Sicht des Landratsamts keine Option. Der Kreistag sah es ähnlich, die Entscheidung zum Ausbau der Straße erfolgte mit großer Mehrheit. Direkten Einfluss auf die Planungen in Besigheim hat der Landkreis jedenfalls keine, dort ist das Land Baden-Württemberg zuständig.
„Natürlich wird uns das massiv beeinträchtigen. Wir gehen davon aus, dass 30 Prozent unserer Kunden über Ingersheim anfahren“, sagt Bernd Hammer vom Gartencenter Rosen Hammer in Hessigheim. Dies bedeute für 2027, dass die Produktionsmengen um ein Drittel reduziert werden müssen, so der Geschäftsinhaber, der inzwischen in vierten Generation mit seiner Ehefrau Christine das Unternehmen führt: „Ich kann aber gleichzeitig nicht das Personal um 30 Prozent reduzieren.“ Für Hammer ist jetzt schon klar, „es ist sehr wahrscheinlich, dass die Geschäfte nicht sehr lohnend oder gar defizitär werden“. Die wichtigste Nachricht ist für den Firmenchef aber, das Gartencenter „ganz normal geöffnet haben wird“.
„Es wäre schön wenn die Beschilderungen an den neuralgischen Stellen in Zukunft so ausgeführt werden, dass auch Ortsfremde den Plan verstehen“, lautet einer Forderung von Bernd Hammer. Darüber hinaus müssten für eine solche Zeit, die Regeln zum Aufstellen von Firmenschilder mit „Zufahrt frei“ gelockert werden.
Drastisch formuliert Karsten Faschian vom gleichnamigen Weingut in Hessigheim sein Erwartungen: „Sollte es wirklich zu der zweieinhalbjährigen Vollsperrung kommen, bedeutet das für unser Weingut das Aus. Wir kommen nicht mehr an den Großteil unserer Weinberge und unsere Kunden können nicht mehr zu uns fahren. Diesen finanziellen Ausfall können wir unmöglich auffangen.“ Nach seiner Einschätzung gibt es nur eine Lösung: Die Einrichtung eines Fährbetriebs. Im Oberwasser oberhalb des Schleusenbereichs gebe es einen Weg direkt ans Wasser, erklärt Faschian und auf der gegenüberliegenden Seite die alte Personenschiffsanlegestelle. Auch hier gebe es einen Weg direkt an das Ufer. Bei einem zweischichtigen Fährbetrieb, und einer Auslastung von sechs Fahrzeugen pro Überfahrt, würde sich die Fähre wahrscheinlich selbst finanzieren, sagt der Hessigheimer Wengerter.
Die Infrastruktur sei vorhanden, man müsse sie nur Nutzen, fordert Faschian: „Aber seitens des Landratsamts und des Kreistags hört man nur, Fähre? Geht nicht. Schnellere Bauzeit der Brücke? Geht nicht.“ „Ich verstehe, dass sie im Landratsamt in Not sind, dadurch dass die Besigheimer Brücke ja auch noch zu ist“, sagt Susanne Schultz vom Hessigheimer Landgasthaus Schreyerhof. Sie sei diejenige gewesen, die sagte, „wir müssen erst die Straße nach Ingersheim machen“. Die sollte aber schon vor 17 Jahren passieren. „ Also so lange ist es verpennt worden. Und jetzt kommt halt alles geballt. Für uns ist es natürlich existenziell, das muss ich einfach sagen“, betont die Chefin des Schreyerhofs.
Ihr große Sorge sei, wenn die Sanierung der Kreisstraße nach Ingersheim begonnen wurde, unerwartet Brücke, die ja auch Schäden hat, gesperrt werden muss. „Wir wären dann komplett abgeschlossen. Was natürlich für unser Lokal ein Albtraum ist“, sagt Schultz. Bei der jetzt nacheinander geplanten Sanierung von Straße und Brücke, sei es vielleicht möglich „die Leute noch ein bisschen um zu lotsen“. Netterweise kommen die Gästen auch jetzt, obwohl sie durch Besigheim über Umwege zum Schreyerhof fahren müssen. „Wir sind nun mal außerhalb gelegen. Aber klar, wenn das natürlich immer schwieriger und komplizierter wird, das ist für uns katastrophal. Und da geht es bei uns auch tatsächlich um Existenz. Denn wir haben den Schreierhof 2018 gekauft und dann kam Corona“, verdeutlicht die Geschäftsfrau.
Brückenarbeiten ab 2028
Nach den ursprünglichen Planungen des Landratsamts hätte mit der Sanierung der Verbindungsstraße Hessigheim-Kleiningersheim schon 2025 begonnen werden sollen, doch damals fehlten die Kapazitäten. Nun ist es aus Sicht des Landkreises höchste Zeit, das Projekt voranzubringen. Warum? Der Ausbau muss vor den Arbeiten an der Hessigheimer Brücke fertig sein, weil die Gewerbegebiete am Rand von Hessigheim für Lastwagen ansonsten nicht mehr zu erreichen wären. Die Brückenarbeiten sind für 2028 angesetzt.
„Die Arbeiten aufzuschieben, würde nur Sinn machen, wenn wir die Brücke bis 2033 halten können“, argumentierte die Verwaltung. Denn die Arbeiten an der Besigheimer Brücke werden ebenfalls ihre Zeit dauern, und nur, wenn der Abschluss dieser Arbeiten abgewartet wird, würden die Sperrungen sich nicht überschneiden. So lange werde die Brücke der Hessigheimer Schleuse aber wahrscheinlich nicht mehr halten.
„Und es soll nicht genauso enden wie in Besigheim“, warnte Boris Seitz von den Freien Wählern. Dort nämlich musste die Brücke aus Sicherheitsgründen ohne Vorwarnung von einem Tag auf den anderen dichtgemacht werden. „Wir gewinnen nichts, wenn wir das noch mal aufschieben.“
