Hessigheim Gemeinsam jede Hürde meistern

Von Jürgen Kunz
Im seinem Büro im aus dem 17. Jahrhundert stammenden Rathaus: Seit 14 Jahren ist Günther Pilz Bürgermeister im rund 2550 Einwohner zählenden Hessigheim. Foto: /Oliver Bürkle

Seit 14 Jahren in Günther Pilz Bürgermeister in der kleinen Gemeinde. Im Rückblick resümiert er, dass sie sich infrastrukturell positiv weiterentwickelt hat. Ein Schulhausanbau steht als „großer Brocken“ an.

Ein aufreibendes und herausforderndes Jahr ist 2023 nach eigener Einschätzung für den Hessigheimer Bürgermeister Günther Pilz gewesen, in der sich die kleine Kreisgemeinde mit ihren rund 2550 Einwohnern „infrastrukturell positiv weiterentwickelt hat, trotz schwieriger Rahmenbedingungen“. Für dieses Jahr könne man „zuversichtlich in die Zukunft blicken“, sagt Pilz, und dies obwohl ein Projekt „mit großer Dimension“ anstehe: Durch den vom Land für 2026 beschlossene Anspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule muss auch Hessigheim Räumlichkeiten für die Nachmittagsbetreuung und das Mittagessen bereitstellen. Dies gehe nur über einen Anbau an der Schule, für den es eine Kostenschätzung von rund vier Millionen Euro gibt. Es riesiger Brocken für die kleine Gemeinde mit einem jährlichen Haushaltsvolumen von rund sieben Millionen Euro. „Wir hoffen auf eine Förderung von 50 Prozent“, sagt Pilz im Gespräch mit der BZ.

Mit engem Budget auszukommen ist für den Hessigheimer Bürgermeister nichts Neues, schließlich habe er vor 14 Jahren die Kommune als „Insolvenz-Kandidat“ übernommen. Heute gebe es für die Gemeinde eine „faktische Nullverschuldung“ und sie habe „ein paar Millionen auf der hohen Kante“, so Pilz. Doch zur Schulerweiterung komme der seit Jahren von der Feuerwehr formulierte Wunsch nach einem neuen Gebäude, merkt er an. Er hat dafür Verständnis, schließlich sei das jetzt genutzte Feuerwehrhaus rund 80 Jahre alt und deshalb eine Sanierung nicht sinnvoll. Für ein Neubauprojekt für die Feuerwehr steht eine Investitionssumme zwischen drei und fünf Millionen im Raum. Eine Umsetzung könne also seriös noch nicht terminiert werden.

Sein Rückblick auf das vergangene Jahr zeigt aber, wie man sich in Hessigheim verschiedenen Herausforderungen gestellt hat und bewiesen habe, „dass wir stark sind und gemeinsam jede Hürde meistern können“. Pilz betont besonders: „Die Solidarität und Unterstützung, die wir untereinander erfahren, machen unsere Gemeinde zu einem besonderen Ort.“ Ein Beispiel dafür ist der Bürgerentscheid, in dem eine Mehrheit der Hessigheimer, die vom Gemeinderat und Bürgermeister favorisierte Flächenausweisung eines kleinen Gewerbebetriebs für örtliches Gewerbe ablehnte. Der Gemeinderat reagierte und legte das Projekt ad acta.

„Ein Jahrhundertprojekt“

„Eigentlich ein Jahrhundertprojekt“ ist für Pilz die Gründung des Zweckverbands Gewerbe- und Innovationspark Mundelsheim, an dem Hessigheim beteiligt ist. „Der Beitritt der Gemeinde Hessigheim ist ein bedeutender Schritt für wirtschaftliche Entwicklung im mittleren Neckartal und auch in der gesamten Region Stuttgart“, so die Einschätzung von Pilz.

Rund 750 000 Euro hat die Gemeinde in einen Anbau an die Kita Trollingerstraße investiert. Auf einer Fläche von 140 Quadratmetern entstand Platz für einen größeren Speiseraum, eine größere Küche und einen Personalraum. Ein Ausweichraum für den Naturkindergarten, die steigende Nachfrage nach Mittagessen, aber vor allen Dingen die dauerhafte Integration eines gemeinsamen Frühstück machten diesen Erweiterungsbau nötig. Pilz: „Es ist ein ordentlicher Schluck aus der Pulle, aber Geld für Kinder ist gut investiertes Geld.“ Die multifunktionelle Gemeindehalle, die von der Schule, von den Vereinen und für Feste genutzt wird, wurde mit einem Betrag „im unteren sechsstelligen Bereich“ saniert.

Mit kleineren Maßnahmen wurde der touristische Bereich in Hessigheim aufgewertet. An den Felsengärten, die von immer mehr Touristen besucht werden, hat die Gemeinde zusammen mit der Kellerei 80 neue Parkplätze und öffentliche Toiletten gebaut sowie die Grillstelle erneuert. Mit fünf neuen Weingütern spielt neben der Felsengartenkellerei der Wein ein bedeutende Rolle im touristischen Angebot Hessigheims. Der Lohn für dieses Engagement: 2023 erhielt die Kommune die begehrte Auszeichnung „Weinsüden Weinort“ vom Land.

Wieder Lebensmittelladen

„Ein wesentliches Infrastrukturprojekt“ wurde in Hessigheim zusammen mit der Nachbargemeinde Mundelsheim auf den Weg gebracht. So wird die Deutsche Glasfaser eigenwirtschaftlich beide Kommunen komplett mit Glasfaserleitungen erschließen. „Es ist schon eine Besonderheit, dass zwei kleine Kreiskommunen flächendeckend ausgebaut werden“, konstatiert Pilz.

Dass Hessigheim mit „Tante M“ wieder einen Lebensmittelmarkt hat, ist für den Bürgermeister „ein ganz großes Highlight“. Nach der Eröffnungsfeier mit Beginn der Sommerferien im vergangenen Jahr habe sich der Laden „als echte Bereicherung für den Ort“ entwickelt.

 
 
- Anzeige -