Hessigheim/Mundelsheim Ermutigung für die Aktiven

Von Michael Soltys
Joachim Klingler (links) von der Initiative „Wir gehen steil“ der Mundelsheimer Weingärtner erklärt den Rebpaten den Schnitt der Weinreben. Foto: /Oliver Bürkle

Sind die Steillagen noch zu retten? In der Gänze wohl nicht. Um einen Kern zu erhalten, haben sich im Neckartal verschiedene Initiativen gebildet.

Gerade in diesen Wintertagen, wenn alles Laub fehlt, fällt es besonders auf: Zwischen Besigheim, Hessigheim und Mundelsheim werden in den Steillagen über dem Neckar mehr und mehr Weinberge aufgelassen. Stellenweise gleichen die Terrassen einem Flickenteppich: Hier ein Weinberg, dort eine Brache, gefolgt von ungerodeten und ungepflegten Abschnitten.

Günther Pilz jedoch will Hoffnung machen. „Dem Untergang sind die Steillagen noch nicht geweiht“, sagt der Bürgermeister von Hessigheim. Vor einem Jahr hatte er Interessenten zum Steillagen-Forum eingeladen, um gemeinsame Initiativen zur Rettung der Weinberg-Terrassen ins Leben zu rufen. Für Pilz ist nicht verwunderlich, wenn Wengerter die Bewirtschaftung aufgeben. Der Ertrag ist zu gering, der Arbeitsaufwand enorm, es fehlen Nachfolger. Pilz ist es jedoch wichtig, diejenigen zu unterstützen, „die dranbleiben wollen“.

Hessigheim geht mit gutem Beispiel voran

Die Gemeinde selbst ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat ein Förderprogramm aufgelegt. Für einen Zeitraum von fünf Jahren steht eine Summe von insgesamt 150.000 Euro bereit. Es war ein mühsamer Weg, die Förderung durch die verschiedenen Instanzen genehmigen zu lassen, beim Landkreis, beim Land, beim Bund und der EU. Doch es habe sich gelohnt, sagt Pilz. Mit dem Geld werden alternative Pflanzen ebenso gefördert wie neue Rebsorten und die Sanierung von Trockenmauern. Ein ähnliches Programm hat auch der Landkreis Ludwigsburg aufgelegt.

Schon im ersten Jahr wurden in Hessigheim Anträge über die Summe von 70.000 bis 80.000 Euro gestellt. Der größte Teil sei bewilligt worden, so Pilz. Eigentlich wollte die Gemeinde pro Jahr höchstens 30.000 Euro auszahlen. Doch davon sei der Gemeinderat abgerückt, „um die Aktiven zu ermutigen“, sagte der Bürgermeister.

Vielleicht gelinge es auf diesem Weg, wenigsten die repräsentativen Flächen, beispielsweise rund um die Gebäude der Felsengartenkellerei, zu erhalten, so seine Hoffnung. Was nicht gelungen ist, war das Angebot, Flächen zu tauschen, um eine zusammenhängende Bewirtschaftung zu ermöglichen. „Das wurde nicht angenommen“, sagt Pilz.

Auch von privater Seite ist das Engagement gewachsen, hebt der Bürgermeister hervor. Nach dem Steillagen-Forum des vergangenen Jahres hat sich ein Verein gegründet, dem Weingüter und Bewirtschafter aus Hessigheim angehören. Unter dem Vorsitz von Landschaftsgärtner Marc Müller werden Ideen für verschiedene Aktivitäten entwickelt: Direktverkauf, Vermarktung und Veranstaltungen gehören laut Pilz dazu. Müller selbst hat bereits Oliven, Feigen und Kakis in den Weinbergen gesetzt.

Einen anderen Weg geht der Käsbergkeller im benachbarten Mundelsheim. Unter dem Motto „Wir gehen steil“ werden Rebpatenschaften angeboten und Interessenten an den Weinbau herangeführt, erläutert Martin Link vom Vorstand der Lauffener Genossenschaft, zu der auch der Käsbergkeller gehört. „Wir wollen Menschen, die bisher wenig mit Weinbau zu tun hatten, für die Steillagen motivieren“, sagt er. Sie können im Weinbau selbst aktiv werden und damit die Kulturlandschaft erhalten.

Nach einer ersten Informationsveranstaltung im Februar hatten sich 20 Männer und Frauen zusammengefunden, die das ganze Jahr in zwei 20 Ar großen Weinbergen die notwendigen Arbeiten erledigt haben. Aufseiten der Genossenschaft wurden sie von sechs ehrenamtlichen Helfern unterstützt.

Kreis der Unterstützer soll ausgeweitet werden

Reben wurden gebogen und geschnitten, Laub entfernt und schließlich die ersten Trauben gelesen und an die Genossenschaft abgeliefert. Zehn Termine in den Weinbergen waren geplant, schließlich sind es 20 geworden, so groß war das Engagement. „Die waren mit Eifer dabei“, lobt Link die Freizeit-Wengerter. Ein Ehepaar will sogar einen Weinberg übernehmen.

Im Januar des neuen Jahres soll der Kreis der Unterstützer bei einer weiteren Info-Veranstaltung ausgeweitet werden. Die Fläche, auf der sie aktiv sind, soll um zwei Weinberge auf insgesamt 50 Ar erweitert werden. Martin Link sieht dieses Engagement auch als Vorbild und Ansporn für diejenigen, die sich mit der Bewirtschaftung schwertun und ans Aufgeben denken. Rund um Mundelsheim sind die Weinberge noch in einem vergleichsweise guten Zustand, sagt Link. Doch auch er weiß: Von den 40 Hektar Weinbergterrassen auf der Markung können nicht alle erhalten werden. „Es tut weh, wenn man sieht, wie es verkommt.“ Aufgeben will er nicht. „Wir gehen steil“ sei ein Anfang und ein kleiner Erfolg, dem Verfall entgegenzuwirken.

 
 
- Anzeige -